Kolumnen
07/14/2019

Chaos de Luxe: Adrettheits-Sodbrennen

Kulturkrämpfe und Festspieltaumel

Wenn ich in die Altstadt von Salzburg einbiege, kriege ich Adrettheits-Sodbrennen. Es ist alles so wahnsinnig niedlich und gleichzeitig bombastisch schön – wie die Truman-Show mit einem Schlagobersklacks Barock. Wahrscheinlich kommen diese patenten Hausfrauen, die am Wochenmarkt ihre Weidenkörbe schwingen und diese taftstarren Adlerhorst-Frisuren auf dem Haupte tragen, schon in punschkrapfenrosanen und zitrofaltergelben Lanz-Dirndln auf die Welt. Die dazugehörigen Männer tragen ihre Sommersakkos locker über die Schulter geworfen, und haben wenig Unfug, dafür aber viel Golf im Sinn. Die Damen hier heißen Evi, Gerti und Traude; hohes Hans- und Helmut-Aufkommen bei den Herren. Gibt es hier irgendwo Slums, wo Dealer mit viel Blech im Gesicht und sauvielen Geschichten am Körper in Tattoo-Form rumlungern und mit dem Feminismus nicht wirklich kompatible Rapper-Balladen von hohem Bling-Bling und Bitch-Anteil lauschen? Sieht schlecht für Dreck aus. „Wir kommen wegen der Kultur sehr gern her“, zieht eine bayerische Festspiel-Matrone einen Herzmund, deren Ehemann offenbar viel schlechtes Gewissen in Karaten kompensiert, denn die Frau ist bereits am späten Vormittag behangen wie der Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Plaza, im Tomaselli. „Oper hab ich sehr gern, wenn's net zu lange dauert, weißt Maresi“, vermeldet ihre Freundin unter ausführlichem Zermalmen einer Kardinalschnitte. „Aber Oper dauert doch immer lang, unter 2h 40 geht doch da gar nix. Das dersitzt man sich doch kaum ...“ – „Na ja, fürs Vergiften, Wahnsinnigwerden und Massenmorden brauchst halt a bisserl a Zeit auch gleich.“ – „Stimmt, da darf man nicht hudeln, nicht hudeln darf man da – beim Vergiften.“

16. Juli: Polly mit Band in Gössl am Grundlsee um 20 Uhr, Gasthaus zum Anker

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