Kolumnen
04/17/2021

Chaos de Luxe: 40 Bananen-Kisten und eine Kinnlade

Wenn die Freundin Mitglied der Sekte von Marie Kondo ist.

von Polly Adler

Ich habe eine Freundin, die ist Marie-Kondo-Jüngerin. Sie wissen schon: Kondo ist diese japanische Ordnungsbesessene, die Menschen dabei hilft, fliederfarbene Capri-Hosen, beleuchtete Mini-Gondeln und Zuckerpäckchen, die knapp nach dem Staatsvertrag in Produktion gegangen sind, loszuwerden. Kondos Methode der Entsorgung: Man sollte mit jedem Dingsda in einen Dialog treten und dem Dingsda die Fragen stellen: „Macht deine Anwesenheit mich wirklich glücklicher? Zauberst du Funken der Freude in mein kleines, tollpatschiges Leben?“ Wenn der Gegenstand zu keiner befriedigenden Antwort fähig ist, weg damit!

Es begab sich, dass meine Marie-Kondo-Sektenmitgliedsfreundin bei mir um Asyl ansuchte, da sie ihre alte Bleibe verlassen musste und die neue noch nicht fertig ist. „Du, ich bin ganz easy“, schnurrte sie am Telefon, „ich nehme wirklich nur ein kleines Köfferchen mit dem Notwendigsten mit.“ Dann kam der Tag des Einzugs. Meine Kinnlade ging seither nicht mehr in die Höhe. Denn mit zwei mürrisch blickenden Schleppern wurden an die 40 Bananen-Kisten mit Plunder in die für sie so liebevoll herausgeputzte Suite geschleppt.

Wollhalden, Weihnachtshüte, Gelsenlampen 

Es waren schütter bestückte, aber viele Kisten: mit dem Inhalt von beispielsweise drei Thermophoren mit kuscheligen Überzügen (Teddybär, Kasperl, Smiley), Wollhalden in diskussionswürdigen Farben, die Weihnachtshüte von unserer „Nymphen in Not“-Produktion, Gelsenlampen, die in Pink oder Atompilzgrün leuchten konnten. Ich fragte eine von ihnen: „Zauberst du Funken von Freude in unsere Leben?“ Ich hörte sie nur knurren: „Des is’ ma sowas von wurscht.“

P’s Putzheilige Marie Kondo würde sich angesichts der Kisten-Katastrophe ihrer Apostelin die Haare in Gram-Ekstasen büschelweise vom Kopf fetzen, aber ich fand den Krankheitsverlauf eigentlich unfassbar lustig. Und für ein paar Lachsalven nehme ich viel in Kauf. Auch dass mein früheres Schlafzimmer wie das Warenlager einer karitativen Einrichtung aussieht. Stay tuned.

www.pollyadler.at
polly.adler@kurier.at

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