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Ein Sommer im/ohne Kaffeehaus

Irgendwas ist anders im Café: Der Chef ist auf Urlaub, viele Stammgäste auch. Es ist Sommer!
Wolfgang Kralicek

Der Chef ist auf Urlaub, aber das merkt man nicht. Das Café hat nämlich auch im Sommer durchgehend geöffnet. Einerseits ist alles wie immer, andererseits ist alles ein bisschen anders – Sommer halt. Die Frühaufsteher genießen es, den ersten Kaffee des Tages draußen in der noch nicht zu heißen Morgensonne trinken zu können. Die Schluckspechte schätzen es, ungeniert einen „Sommerspritzer“ nach dem anderen bestellen zu können (sind ja nur Sommerspritzer). Die Autofahrer kriegen einen Parkplatz, oft sogar im selben Bezirk. Und die Stammgäste müssen sich nicht um die Lieblingsplätze streiten, weil viele der „Konkurrenten“ verreist sind.

Es gibt Gäste, die machen im Sommer extra keinen Urlaub, damit sie das Kaffeehaus ein paar Wochen für sich haben. „Ich liebe die anderen Stammgäste“, sagt einer der Daheimgebliebenen. „Aber, ganz ehrlich: Ich genieße es auch, sie einmal nicht jeden Tag zu sehen.“

Umgekehrt leiden manche Stammgäste im Urlaub unter Entzugserscheinungen. Man merkt das daran, dass immer wieder Ansichtskarten in der Post sind. Elfriede zum Beispiel, die gerade auf Sommerfrische im Waldviertel ist, schreibt: „Das Landleben hat einiges für sich. Aber ohne Kaffeehaus ist mir das zu viel Land und zu wenig Leben. Sehnsüchtig, E.“ Nur Arthur, der Kaffeehausliterat, hat anscheinend kein Heimweh. Er schickte aus Südfrankreich einen fröhlichen Vierzeiler:

Pain au Chocolat!

Oje, wo tut’s weh?

Ich hab einen Rat:

Café au Lait!

Und der Chef? Hat sich kürzlich telefonisch gemeldet. Er wünscht allen Gästen einen schönen Sommer.

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