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Sommer im Café: Lob auf die Touris

Manchmal verirren sich Touristen ins Kaffeehaus und suchen dort ein Gefühl. Schön, sie dabei zu beobachten.
Wolfgang Kralicek

Im Sommer ist das Café Kralicek ein bisschen anders besetzt als unterm Jahr. Die Stammgäste sind zwar da, aber nicht so zahlreich wie sonst. Manchmal sind nämlich sogar sie auf Urlaub (spätestens, wenn sie realisieren, wie sehr ihnen das Kaffeehaus fehlt, kommen sie reumütig wieder zurück). Auch Laufkundschaft verschlägt es dieser Tage seltener ins Café; die, die in der Stadt geblieben sind, gehen lieber ins Gänsehäufel als ins Kaffeehaus.

Dafür, dass trotzdem einiges los ist, sorgen die Touristen. Für viele Besucherinnen und Besucher aus fernen Ländern gehört der Kaffeehausbesuch in Wien zum Sightseeing-Programm. Aber wer ein Sightseeing-Programm hat, ist meistens schon auf dem falschen Dampfer; diese Art von Touristen landet fast ausschließlich in einem der zwei, drei Touristencafés der Stadt. Wie es dort zugeht, ist ihnen relativ egal, sie wollen nur ein Foto mit sich, einer Melange und einer Sachertorte machen und dieses dann auf Insta stellen.

Die Touristen, die es hin und wieder auch ins Café Kralicek verschlägt, sind anders. Sie haben verstanden, dass es beim Kaffeehaus nicht um Kaffee und Kuchen geht, sondern um ein Gefühl. Sie wollen es spüren. Entzückend, wie sie sich durch Tageszeitungen wühlen, von denen sie kein Wort verstehen. Tapfer, wie sie Schnittlauchbrote, Kernöleierspeisen und andere seltsame Gerichte essen, die sie noch nie gesehen haben. Rührend, wie sie beim Betreten des Cafés „Servus“ sagen, weil sie glauben, dass sich das gehört.

Es kommt aber auch zu Missverständnissen. Eine Italienerin hat sich vom Oberkellner einmal mit einem bezaubernden Lächeln und einem fast perfekt ausgesprochenen „Schleich di!“ verabschiedet.

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