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Thomas Bernhard bei der Fußball-WM

Interessant ist nicht nur, dass Xaver Schlager ein Buch dabei hat, sondern auch, welches.
Wolfgang Kralicek

Die Stammgäste haben dieser Tage ein Lieblingsthema: die Literaturleidenschaft des ÖFB-Teamspielers Xaver Schlager. Es war bekannt geworden, dass die „Leseratte“ der Nationalmannschaft ein Problem hat: Weil Schlager sich – warum auch immer – auf die USA-Reise nur ein Buch mitgenommen hatte, drohte ihm noch vor dem ersten Match der Lesestoff auszugehen.

„Die Geschichte ist schon deshalb interessant, weil Schlager fußballerisch ja kein Feingeist ist“, sagt Stammgast Karl. „Heute nennt man so einen Spieler einen ‚klassischen Sechser‘, früher hätte man ihn ‚Mittelfeldrackerer‘ genannt. Einen Hang zur Literatur würde man eher Ballkünstlern wie Grillitsch oder Kalajdžić zuschreiben.“ Bemerkenswert ist nämlich nicht nur, dass Schlager ein Buch dabei hat, sondern auch, was für ein Buch: „Holzfällen“ von Thomas Bernhard.

Es ist ein relativ handlungsarmes Werk. Der Ich-Erzähler ist zu einem Abendessen eingeladen, sitzt angewidert in einem Ohrensessel und vertreibt sich die Zeit damit, in Gedanken sämtliche Anwesenden (und noch viele mehr) auszurichten.

„Nicht gerade typische Fußballerlektüre“, analysiert Stammgast Klaus. „Früher haben die Kicker bei der Frage nach ihren Lieblingsautoren meistens Harold Robbins oder Heinz G. Konsalik genannt. Wer Johannes Mario Simmel gelesen hat, galt schon als Intellektueller.“

Inzwischen ist Nachschub für Xaver Schlager unterwegs: Die Thomas-Bernhard-Gesellschaft hat ihm fünf weitere Bücher nachgeschickt, von „Gehen“ bis „Auslöschung“. Das Lieblings-Bernhard-Buch aller Verteidiger („Beton“) ist zwar nicht dabei, aber der aufgestockte Lektürevorrat würde wohl auch so bis zum Finale reichen.

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