Hitzefrei im Kaffeehaus
Trotz Hitzewelle ist das Café Kralicek gut besucht. Die Stimmung ist gedämpft, alle versuchen, sich möglichst wenig zu bewegen. Kaffee trinken geht noch, reden auch. Sonst aber geht nichts mehr, sagen die Stammgäste. „Ich sollte bei meinem neuen Roman endlich Meter machen“, sagt Kurt. Dass er Schriftsteller ist, haben viele gar nicht gewusst. „Aber bei der Hitze kann ich nicht denken, geschweige denn schreiben. Ich stell’ mir den Wecker jetzt schon auf halb fünf, um die kurze Morgenfrische zu nutzen. Leider gehe ich wegen der Hitze so spät schlafen, dass ich in der Früh zu müde bin. Ich fürchte, ich muss mit meinem Verleger reden. Der arme Teufel glaubt immer noch, dass das Buch im Herbst erscheinen kann.“
Stammgast Sabine hatte sich vorgenommen, im Sommer endlich einmal konsequent ihr Fitnessprogramm durchzuziehen, was ihr unterm Jahr wegen der vielen Arbeit fast nie gelingt. „Aber es ist wie verhext. Erst war mein Kieser-Studio – keine Ausrede! – wegen Umbauarbeiten geschlossen, und jetzt ist es so heiß, dass an Sport nicht zu denken ist.“
Nichts geht mehr
Wenn sie ganz ehrlich sind, müssen Kurt und Sabine zugeben, dass ihnen die Hitze nicht nur unangenehm ist. Es ist nämlich auch schön, wenn man nichts tun KANN. Die Stammgäste überbieten einander darin, was sie gerade alles nicht können. Fritz kann nicht einkaufen gehen, Klaus schafft es nicht zu seiner Tarockrunde und Elfriede ist es sogar fürs Schwimmbad zu heiß.
Rätselhaft bleibt nur, wie um alles in der Welt es diese Menschen ins Kaffeehaus geschafft haben.
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