Fünf Wochen, fünf Buchstaben
Auch die längste Fußball-WM geht irgendwann zu Ende. Die Stammgäste im Café sind schon seit Tagen dabei, Bilanz zu ziehen. Dabei geht es nicht um den besten Spieler oder das schönste Tor, sondern beispielsweise darum, welcher Sender die besten Experten hatte. „Eindeutig das ZDF“, findet Stammgast Kurt, den dort besonders die Freiburger Trainerlegende Christian Streich begeisterte. Bei den vom ORF heuer in Mannschaftsstärke aufgebotenen Experten (und Expertinnen, darauf legt man inzwischen Wert) standen die Neuzugänge im Schatten routinierter Schmähführer wie Roman Mählich; der von Sky ausgeliehene Andi Herzog etwa war im Dialog mit Rainer Pariasek nie so witzig wie in der A1-Werbung („Man kriegt am Platz und im Leben nichts geschenkt!“).
Die Print-Freaks unter den Stammgästen streiten noch darüber, was die beste WM-Schlagzeile war. Die einen favorisieren die Neue Zürcher Zeitung, die nach Breel Embolos Selbstfaller im Viertelfinale mit „Eine Schwalbe beendet den Schweizer WM-Sommer“ titelte. Die anderen bevorzugen die Süddeutsche, die nach Frankreichs Sieg gegen Marokko – etwas voreilig – den „besten Sturm seit dem auf die Bastille“ feierte.
Bei der Frage nach dem besten Schlachtruf sind sich alle einig: „¿Y si sí?“ (Und wenn ja?) aus Mexiko. Mehr als fünf Wochen dauerte diese WM. Nur fünf Buchstaben genügten den mexikanischen Fans, um ihren Traum vom Titel zu formulieren.
Ab Montag ist im Café Kralicek wieder Normalbetrieb angesagt. Für die nächste WM wünschen sich die Stammgäste nicht noch mehr Teams, dafür weniger Infantino. Sie wissen, wie unwahrscheinlich das ist. Aber man wird ja noch träumen dürfen: „¿Y si sí?“
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