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Wenn schon, denn schon: Das WM-Café

Im Café Kralicek wird die WM gezeigt. Alle 104 Matches.
Wolfgang Kralicek

Stammgäste wissen: Im Café ist es wieder Zeit, den Fernseher aufzustellen. Eine Fußball-WM gehört zu jenen Sportereignissen, bei denen der Chef schwach wird. Dazu gehören auch alle Skirennen, Olympia sowie die Finalspiele von Grand-Slam-Turnieren.

Heuer findet die WM unter mehrfach erschwerten Bedingungen statt, unter anderem ist die Zeitverschiebung für europäische Fans eine echte Herausforderung. Viele Spiele finden zu nachtschlafenden Zeiten statt, wie man das bisher nur von Boxkämpfen mit Muhammad Ali kannte. Viele Gastronomen verzichten diesmal daher weitgehend auf Public Viewing in ihren Lokalen.

Nicht so im Café Kralicek. Der Chef hat beschlossen, sämtliche 104 Matches zu zeigen, egal, um welche Zeit sie laufen. „Wenn schon, denn schon“, lautet seine Devise. Überhaupt findet er, dass dem Gast in der Gastronomie viel zu viele Hürden in den Weg gestellt werden: Kein Schnitzel nach 13.30 Uhr („Nur noch kleine Karte!“), kein warmes Essen nach 21 Uhr („Der Koch ist schon weg“), kein Kaffee kurz vor der Sperrstunde („Die Maschin’ ist schon geputzt“!) und am Wochenende geht sowieso nix (Ruhetag).

„Oft hat man den Eindruck, die Gäste sind den Wirten lästig und sie tun alles, um sie abzuschrecken“, sagt der Chef, der sich am Stammtisch in Rage geredet hat. „Unser oberstes Ziel muss es doch sein, etwas möglich zu machen! Ein rettendes kleines Gulasch. Ein allerletztes Achterl. Oder ein Fußballmatch um vier in der Früh.“

Manche Stammgäste vermuten übrigens, dass der Chef die WM auch deshalb so flächendeckend zeigt, weil er sonst zu Hause darüber diskutieren müsste, ob es wirklich nötig ist, alle Spiele zu schauen.

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