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Lektion 37: Wenn die Hitze Katalysator wird

Schreibt seit 2021 als freie Autorin aus London für den KURIER über Politik, Royals und Lifestyle. Zuvor acht Jahre in der Wien-Chronik.
Anna-Maria Bauer
Porträt von Anna-Maria Bauer.

So ganz unter uns: Am Anfang war ich nicht überzeugt. Als ich vor fünf Jahren die Zelte in Wien abbrach, um zum britischen Partner nach Südengland zu ziehen, war das verschlafene Hafenstädtchen Southampton höchstens ein Zwischenstopp. Das Ziel war die pulsierende Hauptstadt eine Zugstunde entfernt: das bunte, herrlich aufregende, erfrischend moderne London.

Doch wenn dieser Tage der Zug in Waterloo einfährt, möchte man am liebsten gar nicht aussteigen. Unter dem aufgeheizten Stahldach hängt auch um fünf Uhr nachmittags noch die Hitze wie eine Daunendecke. 

 

Vor der Tür knallt die Sonne auf den Beton, doch die U-Bahn ist keine Alternative. England mag zwar stolz darauf sein, 1863 die erste Untergrundbahn der Welt in Betrieb genommen zu haben, doch leider herrschen dort noch heute viktorianischen Verhältnissen. Klimaanlage? Fehlanzeige. Selbst der sonst so charmante rote Doppeldeckerbus muss aufgrund der Saunabedingungen nach nur einer Station wieder verlassen werden. Bleibt nur eine Möglichkeit; das eineinhalb Stunden entfernte Ziel (eine Filmpremiere) zu Fuß zu erreichen.

Nächtliche Entspannung

Der Abendtermin mildert den Unmut: das Kino ist klimatisiert, der perlende Prosecco eisgekühlt und am Nachhauseweg sticht der Elizabeth Tower mit dem Big Ben so intensiv in den Nachthimmel, dass man meint, ihn angreifen zu können. Doch die richtige Entspannung kommt um Mitternacht. Als die Tür der South Western Railway in Eastleigh zur Seite gleitet und herrlich kühle Nachtluft entgegenschwappt. Manchmal braucht man eine Hitzewelle, um zu erkennen, wo man zu Hause ist.

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