Lektion 36: Bauer findet Barnett
Diese Kolumnistin glaubt ja nicht so recht ans Schicksal. Aber da war diese Woche im August 2019. Als Single sollte es in den Urlaub gehen, ohne dabei ganz allein zu sein. Zufällig poppte bei der Google-Suche die Kreativschreibschule im nordenglischen Swanwick auf. Sechs Tage Workshops, Vorträge, Schreibzeit. Herrlich! Doch der Kurs begann ausgerechnet an jenem Tag, an dem eine der besten Freundinnen heiratete. Ob man später dazustoßen sollte? „Meinst du wirklich?“, fragte die Mutter vorsichtig. „Dann kennen sich ja bereits alle.“ Doch obwohl diese Kolumnistin bei kaum einer Sache je sicher ist: Diese Reise musste sein; späte Anreise hin oder her.
Und dann war da dieser – vermeintlich – junge Mann mit dem verschmitzten Blick und dem Fruit-of-the-Loom-Pullover. Aufregend waren die Gespräche. Aber England und Österreich, das ist doch eine Distanz! Es gab Männer, mit denen es nicht geklappt hatte, obwohl sie im Nachbarbezirk wohnten.
Zunächst wurde es noch einmal schwieriger: Bildungskarenz in Australien, die nach zwei Monaten wieder in den eigenen vier Wänden endete, als Covid die Welt zum Stillstand brachte. Doch trotz – oder vielleicht wegen – all der Hindernisse riss der Kontakt nicht ab. Es wurde geskypt, geschrieben, gelacht. Und dann, sobald die Grenzen wieder offen waren, ging es für ein paar Wochen nach Südengland. Der erste, aufgeregte Ausflug führte zum Highcliffe Beach. Ein charmanter Strand in Dorset mit Steilküste und Herrenhaus, das auf den Klippen sitzt. Zu Monatsbeginn fand in diesem Herrenhaus die Hochzeit statt: Es war regnerisch. Es war stürmisch. Es hätte nicht schöner sein können.
Was man bei der Schreibkurssuche nicht alles findet.
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