Kolumnen
10/14/2019

Aus der Zeitreise ist dann doch nichts geworden

In meinen ärgsten Opiumräuschen hätte ich mir nicht erträumen lassen, jemals zu so einer Uhrzeit so eine Meldung zu bekommen.

von Simone Hoepke

Man sollte mehr auf seinen Körper hören.

Sonntag, 4 Uhr 20. Der Wecker schrillt, der Körper verharrt unbeirrt im Schweinelähmungsmodus.

Entgegen meinem Bio-Rhythmus soll ich mit dem Pyjama-Bomber (Frühflug) nach Düsseldorf. Abends retour. So viel zum Plan.

Als ich am Flughafen steh, stell’ ich fest, der Flug ist gestrichen, ich wurde umgebucht. Normalerweise würde ich mich ärgern, um diese Uhrzeit fehlt mir die Muße dazu. Wie ein Lemming trotte ich zum Schalter der Airline, die mich jetzt angeblich nach Düsseldorf karrt.

Die Dame dort ist freundlich, aber bestimmt. Ich soll mich gefälligst an die Fluglinie wenden, die meinen Flug verbockt hat – und tschüss!

Ich finde den entsprechenden Schalter am anderen Ende des Flughafens. Dort angekommen piept meine Uhr. 5.59 Uhr, der Schrittzähler meldet: „Tagesziel erreicht.“ In ärgsten Opiumräuschen hätte ich mir nicht erträumen lassen, jemals zu so einer Uhrzeit so eine Meldung zu bekommen. Bin begeistert! Frage mit einem Siegerlächeln nach dem neuen Ticket, werde prompt weiter befördert – zum Umbuchungsschalter.

Dieser ist kein Geheimtipp. Rund 200 Passagiere stehen schon in der Warteschlange.

Zumindest ist man hier mit seinen Problemen nicht allein.

Ich lerne eine Kollegin meines Mannes kennen, trinke mit ihr Kaffee, wir campieren am Boden vor dem Schalter. Bin fast enttäuscht, als ich zwei Stunden später schon an der Reihe bin und höre, dass ich umgebucht wurde. Auf 18 Uhr. Beeindruckend! Mein Hinflug nach Düsseldorf startet eine halbe Stunde nach meinem Rückflug. Klingt nach Zeitreise. Mit der Nummer werde ich berühmt!

Der Beamte zuckt mit den Schultern. Sagt, er kümmert sich nur um den Hinflug. Wegen des Rückflugs müsste ich mich an eine andere Stelle wenden.

Mir reicht’s. Ich fahr heim.

Mein Mann schaut mich entgeistert an. Auf einer 10-stufigen Verwirrungsskala erreicht er eine satte 12. Er zeigt mir das Mail seiner Kollegin, das vor wenigen Minuten kam: „Du glaubst nicht, wer gleich durch die Wohnungstür kommen wird ...“