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Kolumnen
10/22/2019

Auflegen

Was legt man am Handy auf, wenn man auflegt? Über den unbedingt zu pflegenden Wörterfortbestand.

von Andreas Schwarz

„Sie schreiben vom Handy-Abheben, aber was hebt man da ab“, fragt Leser S. zum Text über die ständige Erreichbarkeit am Mobiltelefon, es sei denn, man dreht es ab/hebt nicht ab. Was? Den fiktiven Telefonhörer, den es am Handy natürlich nicht gibt.

So gibt’s ja einige Begriffe, die aus der Zeit gefallen sind. Am Klo zieht man nicht mehr (an der Spülung) und fragt den Nachwuchs dennoch: „Hast Du gezogen?“. Man seift sich nicht ein beim Duschen und sagt trotzdem „einseifen“, obwohl man nur noch Duschgel verwendet.

Diese Wortweiterverwendung ist schön, weil andere Wörter von anno dazumal nicht einmal mehr zugeordnet werden können: Ein Bandsalat war keine Beilage,

sondern ein Malheur beim Aufnehmen von Musik (was ist Aufnehmen von Musik??); ein Telegramm war keine Gewichtseinheit beim Fernsehen, und das Schnäuztuch durch Feh & Co. ersetzt. Drum: Wäre dieser Text jetzt am Handy durchtelefoniert worden, legten wir nun auf.

andreas.schwarz@kurier.at

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