Kolumnen
02/17/2019

Alles Yoga

Erinnerungen an die Siebzigerjahre.

von Guido Tartarotti

Die Mutter eines Schulfreundes lebte vegan (hieß das damals schon so?), meditierte und praktizierte Yoga. Das galt als geradezu unerhört „anders“. „Unkonventionelle“ nannte man damals Menschen, die nicht nach den Vorstellungen der Gesellschaft lebten, und das war eine freundliche Umschreibung für „nicht ganz dicht“.

Heute ist es eher ungewöhnlich, wenn jemand sagt, er betreibe KEIN Yoga. Die Kombination aus Training für Körper und Seele ist so selbstverständlich geworden wie Bulgur auf den Speisekarten von Betriebskantinen. Yoga boomt, in immer neuen Trend-Varianten. Es gibt Yoga-Brunch, Yoga im Museum, Yoga mit DJ, Yoga mit Klavierbegleitung. Auch Bier-Yoga und Ziegen-Yoga bekommen immer mehr Anhänger. Ziegenkäse-Yoga mit Bierbegleitung gibt es (noch) nicht.

Darüber lässt sich leicht spotten. Andererseits: Was kann schlecht daran sein, Körper und Seele Gutes zu tun?