Alfred Dorfer im WM-Fieber: Über Sport und Intellekt

Drei Stimmen, drei Blickwinkel, ein Sport: Mal analytisch und pointiert, mal emotional und augenzwinkernd, mal überraschend quer gedacht. Hier schreiben abwechselnd Schriftsteller Franzobel, Schauspieler Alfred Dorfer und Autorin Johanna Sebauer.

Von Schauspieler Alfred Dorfer

Fußball und Intellektualität scheinen hierzulande immer noch ein Gegensatz zu sein. In manchen Kreisen gilt es sogar als Bildungsmerkmal, Fußball nicht zu mögen. Oft als einziges. Dem Kick haftet immer noch Proletenhaftes an, obwohl die Proleten längst verschwunden sind, zumindest aus der Sprache. Doch muss es etwas geben, warum Menschen zu Tausenden in die Arenen pilgern statt fiebrig zu bangen, ob ein Golfball im Wiesenloch verschwindet.

Vermutlich liegt es an der Einfachheit des Spiels. Golf ist auch einfach, werden jene einwenden, die Sex durch das 7er Eisen ersetzt haben. Stimmt, aber es gibt einen Unterschied zwischen einfach und einfach fad. Wir reden natürlich vom Zuschauen. Nehmen wir American Football, wo meist erwachsene Männer in seltsamen Rüstungen ständig aufeinanderkugeln. Um letztendlich ein hodenförmiges Etwas ein paar Zentimeter weiter zu bewegen. Da ist Fußball schon klarer, ganz zu schweigen von Baseball, wo Menschen gemächlich und scheinbar ziellos herumlaufen, nachdem ein Behelmter mit einem Schläger den Ball irgendwo hingedroschen hat.

Seltsamerweise haben diese "Läufer" ebenfalls einen Helm auf bei ihrem hochgefährlichen Trab. Als Schutz vor Regentropfen oder Vogelkot? Wir wissen, in den USA ist ja alles gefährlich und versicherungstechnisch interessant. Dagegen ist Fußball selbsterklärend, abseits der Abseitsregel. Die gibt es seit 1863 in verschieden Varianten. Ob Drei-Spielerregel, Gleiche Höhe oder Körperteile, sie war immer ein Konfliktherd. Auch der VAR, der uns minutenlanges ödes Warten brachte, konnte dieses Problem nicht zur Gänze entschärfen. Nun streitet man eben über VAR-Entscheidungen. Wie gesagt: Fußball ist im Grunde genial einfach.

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