Alfred Dorfers im WM-Fieber: Land der Väter, Land der Mütter

Drei Stimmen, drei Blickwinkel, ein Sport: Mal analytisch und pointiert, mal emotional und augenzwinkernd, mal überraschend quer gedacht. Hier schreiben abwechselnd Schriftsteller Franzobel, Schauspieler Alfred Dorfer und Autorin Johanna Sebauer.

Von Schauspieler Alfred Dorfer

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht, dass der Borussia-Dortmund-Profi Carney Chukwuemeka Interesse hätte, für unser Nationalteam aufzulaufen. Er besitzt zwar keine Staatsbürgerschaft, ist aber in Wien geboren. Er spielte auch nie für eine ÖFB-Auswahl, wohl aber für England. Andere wiederum wurden hier geboren, hätten sogar die Staatsbürgerschaft, spielten auch für ÖFB-Nachwuchsteams, entschieden sich dann aber für das "Land ihrer Väter" wie Kroatien.

Verwirrend. Übrigens ist laut FIFA-Statuten das Land der Mütter genauso entscheidend. Oder Großmütter. Interessant wird’s, wenn "Spieler den Großvater in Österreich geboren haben" wie KI informiert. Ebenso nicht einfach ist es vermutlich, seine Mutter zu gebären. Hier liegt zwar "K" vor, "I" weniger. Das Land der Väter ist dazu in anderer Hinsicht schwammig. Wie weit darf da zurückgerechnet werden?

Ist man mit einem 110-jährigen Großvater, der in Budapest geboren wurde, auch noch ein bisschen Österreicher? Ganz zu schweigen von Omas, die 1940 in Graz das Licht der Welt erblickten. Österreicherinnen oder doch Deutsche? Da Deutschland die Skisprungerfolge von DDR-Athleten für seine Bilanz beansprucht, wäre Letzteres nicht verwunderlich.

Auch "in Österreich geboren" ist uneindeutig. Medizinisch betrachtet beginnt die Geburt mit dem Einsetzen der Wehen. Sollten diese im Anflug auf Innsbruck, aber noch im Schweizer Luftraum beginnen, was zählt bei der Landung? Noch Schweizer oder bereits Tiroler? In jedem Fall neutral. Bei Chukwuemeka werden diese Feinheiten wie Großmutter oder Nachwuchsteams kaum relevant sein. Sondern lediglich, ob er eine Verstärkung ist. Es geht also wie immer im Fußball ausschließlich um Qualität.

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