Wenn Naomi dringend für kleine Mädchen muss
Gestern waren die Oscars, ich hingegen war, das wird jetzt überraschen, nicht in Los Angeles, sondern schlummerte selig in meinem Bett bei Träumen in Technicolor. Die Preisverleihung hingegen soll ja ausnehmend fad gewesen sein, und ich darf an dieser Stelle ein Geheimnis verraten – auch vor Ort konnte ich von manchen Award Shows behaupten: Nicht alles, was gähnt, ist ein Abgrund.
Gottes Werk und Teufels Beitrag
Zum einen zieht es sich wie ein Strudelteig. Irgendwann zu späterer Stund’ ist es dann wie mit Kindern am Rücksitz im Auto nach Jesolo: Mama, Hunger, kalt, Lulu! In ihrer Verzweiflung betrinken sich alle hemmungslos, was Verfehlungen jeglicher Art Bahn bricht, die man am nächsten Tag nüchtern seiner Gattin oder seinem Rechtsanwalt erklären muss. Im schlimmsten Falle beides.
Vieles hängt ab vom Tischnachbarn. Da muss man auf Gottes Werk und Teufels Beitrag hoffen. Die ideale Zusammensetzung hat Graydon Carter, der legendäre Chefredakteur von Vanity Fair, einmal so beschrieben: „Eine Person, mit der man gern spricht, eine Person, mit der man besonders gern sprechen möchte, und eine neue, unbekannte Person.“ Ich gebe Carter recht, gleichzeitig ist es aber auch so, dass er Marika Lichter nicht kennt.
Die besten Gespräche führt man ohnehin an der Bar – oder am Klo. Wenn es dazu kommt. Beim Filmfestival Cannes erledigte ich Geschäftliches, als eine sehr große Dame im sehr kurzen Kleid hereinstürmte, mich sah und zeternd wieder abzog. Eine Sekunde später zerrten zwei Vierschröter mich unbequem an die Luft: Statt bei den Damen nebenan wollte Naomi Campbell halt bei den Herren für kleine Mädchen. Da stand ich nur im Weg.
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