Wenn es Zoom macht mit Cate Blanchett
Kürzlich habe ich Cate Blanchett interviewt. Das ihr eigene strenge Charisma versprüht sie zum Glück auch über Video, also die App Zoom, über den Laptop-Bildschirm. Filmverleihe müssen heute sparen; persönliche Treffen sind rar, schöne Tage in Berlin, London, Paris passé. Dafür holt man sich die Stars ins Wohnzimmer. Sie winken zu Mittag aus Los Angeles, während man oben formell, unten im Pyjama nachtschlafen zurückwinkt.
„You wanna do it the old fashioned way?“
So ein Hintergrund, vor dem man sich präsentiert, kann dabei vielsagend sein. Ich führe meine Interviews stets vor einem Regal voller Werke französischer Existenzialisten und Jazz-Schallplatten, was meinen hohen Intellekt bezeugen soll. Raffiniert erhoffe ich mir so die Anerkennung der Hochkaräter, mit denen ich parliere.
Kyle MacLachlan grüßte kürzlich von der Feuerstelle seines brandroten Ziegelkamins. In einer Mauernische thronte eine Büste, die einen berühmten Komponisten gezeigt haben könnte, hätte ich ihn erkannt. Auch wenn es zu keinem Austausch über Kunst kam, scheint MacLachlan mein Kalkül offenbar keineswegs fremd.
Cooler indes Viggo Mortensen: Am Bettrand seines Hotelzimmers in Barcelona saß er, wuzelte erst und schmauchte sodann genüsslich seine Zigarette, passend zum Filmposter hinter ihm: „Außer Atem“.
Es gibt aber auch Komplikationen. Eben flackerte John Grisham auf meinem Laptop auf. Bei mir versagte die Kamera, bei ihm der Ton, jeder Wort-Widerhall klang wie eine göttliche Verkündung. „You wanna do it the old fashioned way?“, fragte er mich. „Yes“, gab ich zur Antwort. Dann zückte ich mein Handy und rief ihn an.
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