Verena Müller, Roxana Rahnama, und Evelyne Tollman Werzowa

© Heinz Schmölzer

Kiku
11/19/2019

Zwischen Füttern, wickeln (lassen) und „wischen“

„Cry it out“ – englischsprachige Komödie über junge Mütter, einen Vater und ihre Babys im wiener Ateliertheater.

von Heinz Wagner

Alles dreht sich um ihre Babys. Einigermaßen nervös haben sie ständig (mindestens) ein Auge auf ihre Babyphone, auf denen sie offenbar auch einen Monitor haben, der den Schlaf und jede Bewegung der Neugeborenen bildlich überwacht. Und sie genießen im Garten zwischen ihren Wohnhäusern diese scheinbar ersten freien Minuten als frischgebackene Mütter. Die eine, karenzierte Top-Juristin, die andere Krankenschwester. Erstere eher zurückhaltend (besonders fürsorglich Verena Müller), Zweitere überschwänglich mit einem Schuss Drama-Queen (sehr spielfreudig Roxana Rahnama). Was den humorigen, ironischen Anteil der englischsprachigen Komödie „Cry it out“ im Wiener Ateliertheater antreibt.

Der Titel des Stücks von Molly Smith Metzler (u.a. Drehbücher für die Netflix-Serie „Orange is the new Black“) ist schon mehrdeutig. Die Mütter „schreien“ sozusagen ihre neue Fixierung und alles was damit zusammenhängt, raus. Unter demselben Titel kursiert auch eine Art „Schlaftrainingsmethode“ für Babys, bei der die jungen Kinder - für einen festgelegten Zeitraum, oft in allmählich zunehmenden Intervallen, ein paar Tränen und Aufregungen vergießen“ sollen, bevor sie gefüttert oder anderweitig beruhigt werden.

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Komik

Die Gespräche drehen sich praktisch nur um ihre Babys – und auch um die Frage, wann sie wieder arbeiten gehen. Die Anwältin will zu Hause beim Kind bleiben, traut sich das aber nicht ihrem Mann zu sagen. In diese zweisame tägliche Kaffee-Geschichtenzeit bricht eine ganz andere Welt herein. Zwischen Komik und ständiger Entschuldigung nähert sich Mitchell (sympathisch-clownesk Lukhanyo Bele). Er will fragen, ob seine Frau auch zu diesen Kaffeekränzchen dazu kommen dürfte. Er hätte die beiden von seinem Luxusdomizil am Hügel oben immer wieder beobachtet. Und seine Frau, die auch erst vor sieben Wochen ein Kind zur Welt brachte, habe jetzt eine sehr schwere Zeit.

Zwischen ihm und ihr – aber auch ihr und dem Kind scheint es kaum emotionale Verbindung zu geben. Die beiden Frauen sollten seiner Frau schreiben, dass er nun mit ihnen geredet habe. Irgendwann taucht auch diese auf. Ist da und auch genauso nicht. Außer dasitzen und ständig auf ihrem Tablet wischen ist von Adriane (hervorragend an-/abwesend Evelyne Tollman Werzowa, die auch Regie führte) kaum etwas zu erleben. Außer in einer späteren Szene, in der sie auszuckt, weil Jessie ihr eine Art nachgeburtliche Depression „andichtete“.

Ach, ihre harte Zeit: Babysitter, Hausgehilfin, Fahrerin… kaum ein Handgriff, den sie selber tätigen muss. Dafür umso „wichtiger“… Aber auch dieser Gegensatz zwischen den (Wohl-)Habenden und Weniger-Habenden wird – so wie auch die Themen rund um das neue Mutter-/Vater-Sein bzw. überhaupt von Gefühlen mit viel Witz, allerdings vielleicht ein wenig doch zu überlang, gespielt.

Follow@kikuheinz

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Cry it out

by Molly Smith Metzler
with Verena Müller, Roxana Rahnama, Lukhanyo Bele, Evelyne Tollman Werzowa
directed by Evelyne Tollmann Werzowa

https://www.thiasus.at/

Wann & wo?
Bis 19. November 2019
Ateliertheater: 1070, Burggasse 71
office@ateliertheater.net

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