Maria Astl als Prinz Eduard, Julenka Werkmeister als Thomas

© Rita Newman

Kiku
10/10/2019

Wenn Reich und Arm spüren, wie’s den anderen geht

Mit „Prinz und Bettelknabe“ nach Mark Twain eröffnete das Theater der Jugend (Wien) die neue Saison.

von Heinz Wagner

Vor einem riesengroßen offenen Buch, das auf mehreren liegenden Büchern steht und vor diesem Hintergrund spielt sich die wunderbare Geschichte „Prinz und Bettelknabe“ im Renaissancetheater ab. Mit dieser Geschichte um reich und arm nach Mark Twain eröffnete das Theaters der Jugend in Wien in seiner größeren Spielstätte die neue Saison.

Maria Astl als Prinz Eduard und Julenka Werkmeister als Bettelknabe Thomas Kendler spielen die beiden mitreißend – sowohl in ihrer jeweiligen Ursprungsrolle als auch in der jeweils anderen Figur. Die Grundgeschichte ist ja, dass der schnöselige, herrschsüchtige, glatte, empathie-befreite zehnjährige Prinz anlässlich eines Festes, zu dem alle Zehnjährigen der Stadt eingeladen sind, mit dem Bettelknaben die Rollen tauscht. Für einen Tag, so machen sie aus. Daraus wird natürlich viel mehr Zeit.

prinz-bettelknabe6.jpg

Schattenseiten

So lernt der Reiche die Schattenseiten der Herrschaft seines Königshauses kennen, die hungernden Menschen in der Stadt. Und der Arme im Gewande des Reichen verwirrt zunächst seine Umgebung mit Menschlichkeit, die für seine Bediensteten völlig unbekannt ist. Doch je länger er in dieser Rolle lebte, umso mehr nimmt er auch Herrschaftszüge an. Ohne allerdings seine Menschlichkeit ganz über Bord zu werfen. Woraus sich natürlich erst die Dynamik des Geschehens ergibt. Wobei ein bisschen viel Degenfechterei ist schon dabei – was manche Zuschauer_innen aber sehr lieben.

Die beiden genannten Hauptdarstellerinnen, aber auch das gesamte Ensemble, lassen die knapp zweistündige Aufführung (eine Pause) in der Fassung und Regie von Jethro Compton so dicht und rasant vergehen wie ein echter Page-Turner wie „neudeutsch“ Bücher genannt werden: So fesselnd, dass du nicht aufhören kannst zu lesen und so leicht, dass deine Blicke über die Zeilen fliegen.

Und so „nebenbei“ verbreitet das Stück die wichtige Botschaft, vielleicht sich auch einmal in die Lage anderer zu versetzen – was immerhin der erste Schritt für die Frage nach Gerechtigkeit sein könnte ;)

Follow@kikuheinz

Maria Astl als Eduard verkleidet als Bettler Thomas

Julenka Werkmeister als Thomas, Uwe Achilles als Pater Andreas

Gerda Taberhofer als Diener, Julenka Werkmeister als Thomas verkleidet als Prinz Eduard

Julenka Werkmeister als Thomas verkleidet als Prinz Eduard, Stefan Rosenthal als Prügelknabe

Sabrina Rupp als Hofnarr, Maria Astl als Eduard verkleidet als Bettler Thomas

Michael Schusser als Graf der Schatten, Maria Astl als Eduard

Maria Astl als Prinz Eduard, Sabrina Rupp als Gräfin der Ratten

Maria Astl als Eduard, Sabrina Rupp als Gräfin der Ratten, Michael Schusser als Graf der Schatten

Christina Kiesler als Prinzessin Viktoria, Julenka Werkmeister als Thomas verkleidet als Prinz Eduard

Maria Astl als Eduard, verkleidet als Bettler Thomas

Maria Astl als Prinz Eduard, Julenka Werkmeister als Thomas

Prinz und Bettelknabe
nach Mark Twain
von Jethro Compton
ab 6 Jahren; ca. 2 Stunden

Eduard, der Prinz: Maria Astl
Thomas Kendler, der Bettelknabe: Julenka Werkmeister
Humfried, der Prügelknabe: Stefan Rosenthal
Elisabeth, die Wächterin der Krone: Caroline Frank
Prinzessin Viktoria: Christina Kiesler
Milo von Hofenstein, der Graf der Schatten: Michael Schusser
Marie von Hofenstein, die Gräfin der Ratten: Sabrina Rupp
Hugo, der Baron: Frank Engelhardt
König Heinrich / Pater Andreas: Uwe Achilles

Regie: Jethro Compton
Bühne: Jethro Compton und Diana Zimmermann
Kostüme: Andrea Bernd
Licht: Christian Holemy
Musik: Jonny Sims
Dramaturgie: Clemens Pötsch
Kampfcoach: Martin Woldan

Assistenz und Inspizienz: Eva Maria Gsöllpointner
Hospitanz: Laura Mitterer

Aufführungsrechte: Theater der Jugend, Wien

Wann? & Wo?
Bis 10. November 2019
Renaissancetheater: 1070, Neubaugasse 36
Telefon: (01) 52110-0
tdj.at