Szene aus "Salem und der störrische Zauberer"

© Heinz Wagner

Kiku
06/04/2019

Wenn der Stock nicht schlagen will...

Eine Geschichte aus Syrien, wo alle böse Befehle verweigern, in Wien beim Theaterfestival Visual.

Weil sein saumüder Diener Salem die Tür nicht öffnet, als es klopft, hetzt sein Her, der störrische Zauberer, den Hund auf den Diener. Doch der - schnappt einfach nicht zu. Also trägt der Herr seinem Stock auf, den Hund zu schlagen. Doch - genau, macht der nicht. Also möge das Feuer den Stock verbrennen. Nein. Wasser soll das Feuer löschen! Nichts da. Der Esel soll das ganze Wasser austrinken. Macht der nicht. Bleibt dem störrischen Zauberer nichts anderes übrig, als selber zur Tür zu gehen, um sie zu öffnen.

Und siehe da, draußen steht auf dem Boden, eine kleine, weiße Friedenstaube. Diese Geschichte über Verweigerung autoritärer, gewalttätiger Befehle stammt aus Syrien.  Vor mehr als 15 Jahren erschien sie als Bilderbuch in Damaskus (Hauptstadt Syriens).

Nun war sie in einer zweisprachigen Theater-Version beim Visual-Festival (vormals Gehörlosentheaterfestival) im Wiener Theater Spielraum zu erleben. Und das Motto des diesjährigen, 20., Festivals lautett immerhin: „Frieden? - Peace? - Mir?“

Kinder und Jugendliche der Praxis-Volks- sowie Neuen Mittelschule und aus dem Kindergarten der Bundes-Bildungsanstalt für Elementarpädagogik in Klagenfurt der Pädagogischen Hochschule „Viktor Frankl“ (PH Kärnten) in Klagenfurt spielten und erzählten die Geschichte, in der der Frieden an die Tür klopft, in Deutscher Laut- und österreichischen Gebärdensprache. Letztere ist übrigens die allererste Sprache für Mahsuma Akbari. Die komplett gehörlose Jugendliche kam erst vor drei Jahren aus Afghanistan nach Österreich und hatte davor keine Chance, irgendeine Sprache zu lernen. Ausschließlich die dringendsten Dinge wie essen usw. konnte sie mit Handdeutungen anzeigen. Nun verständigt sie sich gut in der heimischen Version der Gebärdensprache.

Szene aus "Salem und der störrische Zauberer" ...

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Kampf nicht verehren, lächerlich machen

Schon vor dieser Fabel hatten andere Kinder und Jugendlich Anti-Kriegsstücke gespielt. Zunächst diente das Jugendbuch von Martha Steinitz, „Helden der Güte“ als Basis für eine gemeinsame Performance eines Profi-Duos mit Kindern/Jugendlichen des Bundesinstituts für Gehörlosenbildung Wien.

Gewalttaten werden lächerlich dargestellt, „Gefallene“, Tote als Opfer kriegerischer Auseinandersetzung sind nicht anbetungswürdige Helden. Die sollten eher unter jenen gesucht werden, die anderen Zuwendung zuteil werden lassen - so die gespielten Bilder.

Zgaga in zmaga/Mir in pir

Was anfangs fast wie Kunstsprache wirkt, stellt sich bald als slowenisches Gedicht heraus. Fabjan Hafner hatte die Zeilen „Zgaga in zmaga, mir in pir. Sieg und Krieg, Friede und Liebe“ gedichtet. Markus Rupert rezitiert den slowenischen Teil dieser Zeilen immer und immer wieder. Mit wechselnder Betonung, aus unterschiedlichsten Positionen, mitunter mit dem Versuch, das Publikum zum Mit-einstimmen oder zu einer Art Dialog aufzufordern. Dann wieder - auf der Bühne vor einer hohen Leiter mit einem weißen Pappschild - gebärden er, seine Kollegin Rita Hatzmann sowie die BIG (DundesInstitut für Gehörlosenbildung)-Schüler_innen Simran Nijjar, Eiva Musalam und Angel Angelov Buchstabe für Buchstabe - und jeweils eines der drei Kinder schreibt diese Buchstaben auf das zunächst Leere Schild. Schluss mit Krieg, her mit Frieden! - und das in drei Sprachen: slowenisch, Deutsch und Österreichische Gebärdensprache. Letztere ist für Eiva Musalam die erste Sprache gewesen. Sie kam 2016 aus Syrien nach Österreich ohne jegliche Schulbildung, denn die ersten Opfer des Krieges sind immer die Kinder und Jugendlichen. Erst in Österreich hat Eiva Musalam erstmalig Bildung erfahren, berichtet der ARBOS-"Vater" Herbert Gantaschacher dem Kinder-KURIER.
www.arbos.at

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Salem und der störrische Zauberer

Ins Deutsche wurde die arabische Geschichte vom Initiator des Festivals, Herbert Gantschacher, übertragen, der sie auch - gemeinsam mit dem Schauspieler Werner Mössler - inszenierte. In die Gebärdensprache übersetzt hat sie Dagmar Schnepf, Lehrende an der PH.

Gespielt haben in Gebärdensprache:
Erzählerin: Cora Pucher
Salem: Samuel Griengl
Zauberer: Larissa Pucher
Hund: Lena Griengl
Stock: Jasmin Griengl
Feuer: Mahsuma Akbari
Wasser: Philip Prüfer
Esel: Magdalena Waldner
Friedenstaube: Mateo Sablatnik
Spieler_innen in Lautsprache:
Erzählerin: Xenia Schnepf
Salem: David Flaschberger
Zauberer: Justin Oraze
Hund: Anna Reinöhl
Stock: Daniel Walzl
Feuer: Jan-Luca Matheis
Wasser: Madlen Kuchling
Esel: Kimberly Leschanz
Friedenstaube: Yara-Zohra Fouli
Visuelle Musik:
Celina Jelaj, Marvel Gerges, Omar Mohamed, Belmin Mujadzic / Sama Mahmoud, Jasleen Kaur, Alisa Dexel, Mia Sophie Matticka

Helden der Güte
Nach dem Jugendbuch von Martha Steinitz
Es spielen:
Profi-Schauspieler_innen: Rita Hatzmann und Markus Rupert
Kindern/Jugendlichen des Bundesinstituts für Gehörlosenbildung Wien: Emir Bedir, Samantha Böhme, Cagatay Can, Leon Halimi, Elias Hörhaber, Maximilian Kirschner, Parvasi Kokollari und Anastasija Radovanović
Regie: Herbert Gantschacher

Zmaga in zgaga
Nach einem Gedicht von Fabjan Hafner
Es spielen: Die Schauspielerin Rita Hatzmann und der Schauspieler Markus Rupert gemeinsam mit Simran Nijjar, Eiva Musalam und Angel Angelov
Regie: Herbert Gantschacher

https://www.arbos.at/visual_festival_19