Eine Doppelseite aus "Der magische Frisör"

© Heinz Wagner

Kiku
02/05/2020

Was machen Drache und Einhorn beim Frisör?

Kinderbuch „Der magische Frisör“ – nimmt Anleihe bei einem echten Haarschneider in München.

von Heinz Wagner

Kommen ein Drache, ein Ritter und ein Einhorn zum Frisör… Nein, so beginnt kein Witz. Das ist so - bei einem Münchner Friseur. ;)

Lila und Erik sind die beiden, die sowohl die eine als auch die andere Geschichte lebendig werden lassen – natürlich, zugegeben, die Auflösung: zwischen zwei Buchdeckeln. In der Reihe „Leserabe“ im Bilderbuch „Der magische Frisör“. Und den gibt’s wirklich. Danny Beuerbach arbeitet nach dem Motto schneiden, waschen, lesen.

Begonnen hat alles damit, dass „ich nicht und nicht zum Lesen gekommen bin und eines Tages Kundinnen und Kunden gefragt habe, ob sie mir nicht vorlesen wollten, während ich ihre Haare behandle“. Das freute nicht nur den Haarkünstler, sondern auch die Vorlesenden. „Für mich war’s wie ein Hörspiel.“

Klick

Eines Tages kam er dann auf die Idee, das auch bei Kindern auszuprobieren. „Und da machte es Klick. Aus dem Spaß wurde was Ernsthaftes. Kinder, die vorher vielleicht herumgezappelt und dauernd gefragt hatten, wie lang dauert denn das noch? Waren auf einmal konzentriert und gar nicht hibbelig.“ Gerade hyperaktive Kinder tun sich, so der haarschneidende, genaue Beobachter, schwer, wenn ihnen wer diktiert, sich ausschließlich auf eine Sache konzentrieren zu müssen. So aber passieren gleich mehrere Dinge auf einmal: Der Frisör berührt ihr Haare und werkt an denen herum, sie lesen vor – und haben Publikum. Auch wenn’s nur ein Frisör ist. Der aber wirklich – und ohne wie eventuell ein Lehrer sie auf Fehler hinzuweisen, sondern höchst dankbar.

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Systematisch

Aus dem Zufallstreffer entwickelte Danny Beuerbach ein Konzept – Leseförderung der anderen Art. Samt Belohnung: Liest ein Kind im Salon von Beuerbach dem Haarschneider vor, dann verringert es den Tarif auf die Hälfte.

„Ich geh aber auch raus, in Schulen oder zu Leseveranstaltungen, besonders gern in Gegenden, wo vielleicht weniger gelesen wird und die Leute nicht so viel Geld haben. Dort kriegen Kinder ihren Haarschnitt gratis.“ Seine Kampagne nennt er „Book a look and read my book“. Damit ist er – vorläufig - in ganz Deutschland auf Tour, hat aber nichts gegen Abstecher beispielsweise nach Österreich.Mittlerweile gibt’s im Salon auch Kombinationen. Kinder spendieren beispielsweise ihren Eltern einen preisreduzierten Haarschnitt. Während der Meister wäscht, legt, schneidet, färbt oder was auch immer, sitzen die Kinder daneben und lesen vor.

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Könnt ihr nachmachen!

Beuerbach nimmt seine Idee der Leseförderung so ernst, dass er sie gar nicht für sich selber als USP (Unique Selling Point – einzigartiges Verkaufsargument) behalten will, sondern allen anbietet: Macht es gerne nach.
So wie auch viele Pionier_innen des Internet ihre Programme als Open Source anbieten: Könnt gerne – kostenlos – weiterverwenden.

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Kinderbuch

Und das Projekt inspirierte den Frisör mittlerweile zu seinem ersten eigenen Kinderbuch – siehe oben. Mit bunten Zeichnungen von Patrick Wirbeleit wurde es zu einem Bilderbuch, indem die beiden oben genannten Lila und Erik zu Protagonist_innen werden und im Buch aus Geschichten vorlesen, eben einer über einen Drachen, eine über ein Einhorn und noch eine über einen Ritter. Und alle haben’s notwendig, einen Frisör an ihre Haare/Mähne oder Bart zu lassen ;)

Follow@kikuheinz

Danny Beuerbach (Text)
Patrick Wirbeleit (Illustrationen
Der magische Frisör
48 Seiten
6 bis 8 Jahre
Verlag Ravensburger
8,30 €

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