© Heinz Wagner

Kiku
10/10/2018

Von menschlichem "Roboter" bis Wunderwuzzi

KiKu-Lokalaugenschein bei einem Halt der ParkTour im Rahmen der CodeWeek. Spielerisch-kreatives Einsteigen ins Programmieren.

von Heinz Wagner

Zwischen dem Spielplatz mit Schaukeln und Rutschen sowie dem Ballspielkäfig sind an diesem Nachmittag einige Zeltdächer aufgebaut. Unter einigen stehen Laptops, unter einem offene Boxen mit Zahnbürstenköpfen und verschiedenen Kleinteilen, unter anderem Knopfzellenbatterien. Hier liegen auch zwei Heißklebepistolen – Einladung zum Basteln, eine Form des High-Tech-Werkens: Kinder und Jugendliche können hier Zahnbürstenroboter (WUnderwuzzi) bauen, die sie anschließend auf einen hölzernen Parcours setzen und rundum laufen lassen.

Lokalaugenschein im Steinbauerpark in Wien-Meidling unweit der Hans-Mandl-Berufsschule. Spielerisch und kreativ können Kinder und Jugendliche hier ins Programmieren (Coding) neinsteigen. Die Aktion ist Teil der seit Jahren ständig wachsenden europäischen Code-Week (ab 2013, im Vorjahr schon 1,2 Millionen Teilnehmer_innen). Die ParkTour findet im Rahmen der Woche(n) der Medienkompetenz statt. (Dazu gibt’s im KURIER eine Serie ab Sonntag, 14. Oktober 2018.)

CodeWeek: Erste Schritte

Technologie verstehen lernen

„Programmieren zu lernen, hilft uns, den Sinn der sich schnell verändernden Welt um uns herum zu verstehen, unser Verständnis für die Technologie zu erweitern und Kompetenzen und Fähigkeiten zu entwickeln, um neue Ideen und Innovationen umzusetzen“, heißt es unter den Zielen der CodeWeek auf deren Homepage. Dahinter steckt eine sogenannte „Graswurzelbewegung“, viele kleine Vereine, Initiativen, Einzelpersonen vernetzen sich, um „Programmieren und digitale Kompetenzen auf spaßige und ansprechende Weise“ anderen näherzubringen.

Von Realspiel über Mini-Roboter bis zum Programmieren

Der Kinder-KURIER stattet diesem Halt der ParkTour einen Lokalaugenschein ab. Seher (11) und Abdi (13) zeigen die Ur-Form des Programmierens vor: Auf einem mit quadratischen Teppichplatten ausgelegten Spielfeld schlüpft Abdi in das Kostüm eines Roboters. Seher nimmt den Quader mit den Kommandos, um ihrem Kollegen Befehle zu erteilen – nicht in einem solchen Ton. Aber ein echter Roboter kann nur ausführen, was ihm befohlen (programmiert) wird. Also ein Schritt vor, eine Drehung nach links, zwei Schritte vor, wieder eine Drehung nach links, Baustein aus der Kiste nehmen, Drehung nach rechts, vorwärts und so weiter bis letztlich zur äußerten Ecke des Spielfeldes, wo der geholte Baustein auf schon vorhandene gesetzt werden soll.

Nebenan unter einem der Zeltdächer liegen stark vergrößerte Teile von Wiener Stadtplänen. Hier warten halbkugelförmige Kunststoffgebilde mit Rädern und obendrauf Tasten, die den Befehlen aus dem zuvor beschriebenen Spielfeld entsprechen. Die BlueBot-Lernroboter werden von der neunjährigen Juliana und ihrer Schwester Silvana von einem Ort zum anderen dirigiert. Nach nur wenigen Minuten hat selbst die Dreijährige heraußen, wie sie den Blue Bot richtig steuern kann. Zu dessen Programmierung muss jeweils die zuvor eingegebene und schon zurückgelegte Strecke gelöscht werden.

Ähnlich wie der Blue Bot als angreifbarer Roboter funktioniert nebenan das Programm LightBot auf den bereitliegenden Tablets.

CodeWeek (2): Weitere Schritte

Computerwerkstatt in der Schule

Auf den Laptops läuft vor allem Scratch, ein bekanntes und beliebtes Einsteiger-Programmier-Tool. Bausteinartig werden die Befehle an- bzw. ineinander per drag & drop gefügt. In kurzer Zeit können kleine Spiele programmiert werden. Hier werken bei unserem Lokalaugenschein vor allem Samiha, Sevim, Jakob, Tarik Mohammed, Heba, Shirin und Zejd vom Islamischen Gymnasium Rauchfangkehrergasse. „Für uns ist das nicht ganz neu, wir haben in der Schule auch die unverbindliche Übung Computerwerkstatt, da machen wir Ähnliches“, erzählen sie dem Kinder-KURIER. Sie werken hier drauflos ohne Hilfe von den Betreuer_innen der verschiedenen an der ParkTour beteiligten Vereine zu brauchen, die hier ständig herumwuseln und vor allem Einsteiger_innen zur Hand gehen.

Hier liegen auch kleine programmierbare Mini-Computer, micro:bits. In Großbritannien, wo Programmier-Unterricht seit einigen Jahren schon in der Grundschule stattfindet, kriegt jedes Kind einen solchen BBC micro:bit. Am großen Computer können kleine Spiele programmiert werden, die dann auf diese handliche Hardware übertragen wird. Bei CoderDojo Wien, einem der Vereine, die hier neben Bildungsserver, A1-Internet für Alle die Stationen betreiben und betreuen, können interessierte Kinder und Jugendliche jeweils am Freitag spielerisch programmieren.

CodeWeek (3): Weitere Schnappschüsse

Einstieg macht Spaß

Wie die Beispiele der oben genannten Juliana und sogar ihrer dreijährigen Schwester Silvana zeigen, finden die Neueinsteiger_innen schnell Gefallen am Programmieren. „Das ist für mich ganz neu, bisher hab ich am Computer nur gespielt“, verrät Juliana dem KiKu.

An einer anderen Station kümmern sich zwei Betreuer um die beiden kleinen, handlichen 3D-Drucker. Sie drucken Schicht für Schickt kleine Schmuckstücke aus, die Kinder und Jugendliche zuvor auf einem der beiden Laptops hier gestaltet haben. Der Druck erfordert doch einiges an Geduld. Aber stolz zeigt Seher dem KiKu ihren lila Anhänger mit den Buchstaben ihres Namens aber auch noch einem F und einem K - „das sind die Anfangsbuchstaben von meinen kleinen Cousinen, Zwillingen, die ungefähr neun Monate sind. Die leben in der Türkei und ich vermisse sie so sehr. Aber der Anhänger, den ich zu Hause auf eine Kette geben werde, wird mich immer an sie erinnern.“

https://codeweek.at

https://codeweek.eu

Woche der Medienkompetenz

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