Kids-in-Fashion-Erfinderund -Projektleiter Leo Oswald

© schauTV/Carlo Toffolo

Kiku
08/16/2019

Vom Edelpunk bis zum größten jungen Modedesign-Bewerb

Interview mit dem Erfinder und Projektleiter von „Kids in Fashion“, dem Modekünstler Leo Oswald.

von Heinz Wagner

Du bist Erfinder und Projektleiter, wie kam es zu Kids in Fashion?
Ich hab in Jugendzentren gearbeitet und hab mit Kindern und Jugendlichen Modeschau gemacht und hab dann als Zivildiener schon eine Modewoche gemacht. Das war der Start, da ist dann die Idee von Kids in Fashion entstanden.

Du bist von deiner Ausbildung her was?
Autodidakt. Ich hab ein bissl Kunstgeschichte und Publizistik studiert, hab mich aber schon ab 14 total für Mode interessiert, wollte damals auch nach Hetzendorf gehen (Modeschule). Das war damals noch eine Privatschule. Ich hab sogar den Mut gehabt, vom Land dorthin zu schreiben. Aber es hat einfach zu viel Geld gekostet. Ich hab aber schon während des Studiums in Salzburg genäht, zum Beispiel DJs ausgestattet und hab mich so als Edel-Punk verstanden, war damals selber immer sehr wild angezogen. Manchmal musste auch ein Leintuch dran glauben, wenn’s keinen anderen Stoff mehr gab. Aber es war eine sehr verrückte und lustige Zeit.

Wie hat das begonnen als du 14 warst und dich für Mode interessiert hast, aber nicht nur mit Fragen, was zieh ich an, sondern auch Mode zu gestalten?
Mich hat überhaupt nur das Gestalten interessiert. Mich haben nie irgendwelche Designer interessiert oder Modetrends. Die sind mir eher auf den Nerv gegangen. Ich hab mich selber gestaltet. Und das Werken hat mich interessiert. Deshalb passt Kids in Fashion immer (noch) zu mir.

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Was ist das Spannende an Kids in Fashion und seit wann gibt es den Bewerb?
Wir haben heuer das 25. Jahr. Das Spannende ist immer wieder, wenn etwas entsteht, wo sich viele denken, das hätte jetzt ein großartiger Designer machen können. Das ist genauso zeitgenössisch, crazy, gestalterisch und künstlerisch interessant. Das passiert bei Kindern immer wieder. Dieses spontane Zeichnen für sich ist ja oft schon ein Kunstwerk. Aber auch die Umsetzung ist für uns ganz spannend. Es sind ja in diesem Projekt von Anfang an Jugendliche mitbeteiligt. Wir haben hier ja viele Praktikant_innen von Modeschulen, die hier wirklich ein kreatives Praktikum machen können wo die Chance so etwas zu finden auch schon schwierig ist. Und das ist in vielen Bereichen bei uns so. Also auch für diejenigen Jugendlichen, die auf der Bühne stehen. Dieses Erlebnis einmal zu haben, was das mit einzelnen Jugendlichen macht. Ich sehe ja immer wieder, wie da Leute wachsen. Auch das war eines meiner Schlüsselerlebnisse im Jugendzentrum. Da war bei einer solchen Modeschau ein Mädchen, 17 Jahre, das gerade ein Kind bekommen hat und sehr unsicher war. Und dann auf der Bühne eigentlich der Star war. Wo einfach so etwas „Kleines“ einen Menschen sehr viel weiterbringen kann.

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Wie schwierig ist es aus wie heuer 2000 eingesandten Zeichnungen, jene 60 bis 65 auszuwählen, die dann auch wirklich in Stoff umgesetzt werden können?
Das Können müssen wir uns immer ganz spät überlegen. Das machen wir bei der Auswahl in der Jury nicht. Am Anfang ist es einmal ganz schwierig, weil fast alle Zeichnungen irgendwie entzückend sind. Aber dadurch, dass die Jury aus vielen unterschiedlichen Leuten besteht, hat jede und jeder auch jeweils einen anderen Fokus darauf. Ich bemühe mich auch immer, Profis für die Jury zu finden wie zum Beispiel heuer die langjährige Kostüm-Chefin von den Festspielen in Bregenz und solche Leute. Das Umsetzen selber müssen wir uns erst nach der Auswahl überlegen. Ich kann mich eigentlich nie erinnern, dass wir irgendwann einmal gesagt hätten, das geht gar nicht. Wir müssen eben überlegen, wie wir’s irgendwie darstellen können.