Die Tänzerin

© teatroZAPPAtheater

Kiku
01/23/2020

Vögel und Fantasie kennen keine Grenzen

„Ding Dong ... Passport - Die Schwalbe und das Mädchen“: Gastspiel von teatroZAPPAtheater aus Südtirol im Wiener WuK.

von Heinz Wagner

Der Beginn ist fast clownesk. Aus dem aufgestellten Koffer streckt sich ein Bein hervor. Und eine Hand. Die beginnen miteinander zu spielen – samt einigen Requisiten. Bis sich die dazugehörige Person, die tanzende Schauspielerin oder schauspielende Tänzerin Evi Unterthiner herausschält. In ihrem Kinderzimmer landet eine kleine Schwalbe. In null komma nix schafft sie es allein mit der Bewegung ihrer Hände und Arme, später dem ganzen Körper, dass wir wirklich einen Vogel vor unseren geistigen Augen sehen können, ihn spüren, mit ihm mitzittern, -leiden, -hoffen.

Schauspiel, Tanz, Schattenspiel

TeatroZAPPAtheater baut in das Ein-Personen-Stück „Ding Dong ... Passport - Die Schwalbe und das Mädchen“ (Regie: Giovanni Zurzolo) neben erzählerischen, gespielten und getanzten Elementen auch noch Schattenspiel ein: Ausgehend von einem kleinen Pappkarton-Gestell mit der Taschenlampe eines Handys „zaubert“ projiziert bzw. heftet die Spielerin zunächst kleine fliegende oder auf einer Hochspannungsleitung sitzende wenige Schwalben an eines der weißen Tücher, lässt sie mit Hilfe eines dünnen Schals zum Schwarm anwachsen um letztlich bunte Feder-ähnliche Impressionen an alle Wände des Theatersaals im WuK (Werkstätten- und Kulturhaus) zu „werfen“.

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Pass oder nicht Pass …

So „nebenbei“ transportiert das ¾-Stück für Kinder ab ca. 7 Jahren das Dilemma vieler Menschen, die auch weit eisen möchten oder gar müssen (flüchten), aber keinen Pass haben, wodurch sie in ihrem Fortkommen behindert werden. Hier ist es die Schwalbe, die keinen Pass hat – und weil sie (natürlich) auch keine anderen Papiere und Ausweise hat, kriegt sie auch keinen Pass.„Der Pass … ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird“, schrieb Bertolt Brecht in „Selbstgespräch zu zweit“. „… Man kann sagen, der Mensch ist nur der mechanische Halter eines Passes. Der Pass wird ihm in die Brusttasche gesteckt wie die Aktienpakete in das Safe gesteckt werden, das an und für sich keinen Wert hat, aber Wertgegenstände enthält.“

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Fantasie beflügelt

Alle Versuche des Mädchens, sie – versteckt - in einen Flieger zu bringen, scheitern an den Sicherheits-Pfeif- und Quietschtönen. Also möchte das Mädchen fliegen lernen, um die Schwalbe zurück zu ihrem Schwarm bringen zu können. Fantasie beflügelt.

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Die Reise der Äpfel

Noch eine weitere Geschichte erzählt dieses kurze, dichte Stück in seiner doch entspannt-beruhigenden, berührenden Art: Die der weiten Reise von Äpfeln. In einen beißt die Darstellerin hin und wieder. Als ihr eher nach einem Brot mit Schoko-Aufstrich ist, wird sie von jungen Zuschauer_innen gerügt, Äpfel hätten doch viel mehr Vitamine, seien gesünder und schmecken sehr gut!

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Ding Dong... Passport
Die Schwalbe und das Mädchen
TeatroZAPPAtheater
ab 7 Jahren; ¾ Stunde

Regie: Giovanni Zurzolo
Spiel: Evi Unterthiner
Musik: Christian Unterthiner
Choreografie: Giulia Manzato
Dramaturgie: Christine Perri, Andrea Rizza Goldstein

Vocal training: Monika Callegaro

Wann & wo?
Bis 26. Jänner 2020, 11.00 Uhr
WuK: 1090, Währinger Straße 59
Telefon: (01) 401 21-0

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