Guide Ido Kashanovsky-Resl

© schauTV/Wolfgang Semlitsch

Kiku
01/13/2020

Spielerisch Berührungsängste abbauen

Interviews mit der Projektleiterin und einem der Guides der Ausstellung "Hands up - Eintauchen in die Welt der Gehörlosen".

von Heinz Wagner

(Gebärden-)Gespräch mit dem Guide Ido Kashanovsky-Resl, übersetzt von der Gebärdendolmetscherin Veronika Newesly.

Was ist die häufigste Frage, die ihnen hörende Besucher_innen stellen?
Ob ich Autofahren kann. Dann sage ich immer, ich kann zwar nichts hören, aber ich sehe ja gut. Manchmal gibt es schon komische Fragen, aber dafür sind wir da, um möglichst gut und richtige Informationen aus unserer Welt weiter zu geben.

Der Guide ist in Israel aufgewachsen, hat ab 3 Jahren einen Kindergarten für gehörlose Kinder und danach eine inklusive Schule besucht. „Wir waren vier gehörlose Kinder mit Gebärdensprachdolmetscher in einer Klasse mit lauter hörenden Kindern. Ich hab dann noch Informatik studiert und bin 2012 nach Österreich gekommen – von meiner Frau „hierher geangelt“.

Kashanovsky-Resl arbeitet an mindestens vier Tagen als Guide in der Ausstellung, ein Fulltime-Job. Er beherrscht Deutsch, Englisch und hebräisch – versteht weitgehend die Lautsprachen und die dazugehörigen Gebärdensprachen.

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Viele Schulklassen

Projektleiterin Victoria Horvat erklärt, dass das Bildungsinstitut equalizent, ein Kompetenzzentrum für Gehörlosigkeit, Gebärdensprache und Diversitätsmanagement, die Ausstellung ins Leben gerufen hat, „weil viele Hörende nie Kontakt haben mit Gehörlosen. Die Ausstellung soll ein geschützter Raum sein, wo Hörende in die Welt der Gehörlosen eintauchen können, um Berührungsängste abzubauen und einfach mal ein bissl kennen lernen, mit welchen Barrieren Gehörslose konfrontiert sind. Und das auf eine sehr spielerische und leichte Art und Weise."

Seit mehr als einem Jahr gibt es die Ausstellung, rund die Hälfte der Besucher_innen sind Kinder und Jugendliche mit ihren Schulklassen. Dort sin die Lehrerinnen und Lehrer bedacht, ihre Kinder zu sensibilisieren, weil sie vielleicht in der Klasse oder der Schule gehörlose oder schwerhörige Kinder haben. Aber nicht nur.

Die anderen 50 & sind einerseits Einzelbesucher_innen, die neugierig sind auf diese für sie unbekannte Welt. „Aber wir haben auch immer mehr Unternehmen, die ihre Mitarbeiter_innen sensibilisieren wollen, sich mit dem Thema Inklusion und Barrierefreiheit auseinanderzusetzen.“

Der Beitrag von schauTV

gedreht von Wolfgang Semlitsch