Der Künstler und ein Platten"spieler" - im wahrsten Sinn des Wortes

© Jolien Fagard

Kiku
02/10/2020

Multiverse: Freiheit, in eigenen Welten zu spielen

Belgischer Künstler macht in seiner Performance vielfältige Objekte zu "Mitspielern".

von Heinz Wagner

Das Wort Plattenspieler bekommt in „Multiverse“ von und mit Louis Vanhaverbeke aus Belgien eine ganz neue Bedeutung. Ein Gerät, das vielen Kindern nicht mehr geläufig ist, weil Musik, die davon abgespielt wird, aus der Zeit ihrer Großeltern stammt. Selbst die Wiederauferstehung mit den DJs dauerte nur kurz, weil Effekte wie Scratchen und andere mittlerweile auch digital simuliert werden.Kreisrund ist sein Spielfeld, anfangs sind es sogar zwei Kreise. Im Kleineren platziert er sich mit einer weißen kleinen Kiste, einem Stapel Büchern und eben einem Plattenspieler. Und zu Musik beginnt er Gedanken über die (mögliche) Entstehung der Welt - angelehnt an die biblische Schöpfungsgeschichte - scheinbar aus vielen Büchern zu vorzulesen. Dann übersiedelt er sozusagen in dieses Universum - am Rand des Kreises findet er unterschiedlichste Gegenstände wie Kübel, Besen, Gießkanne, Skateboards, Regenschirm, einen Wasserball... und vor allem jede Menge Plattenspieler. In den unterschiedlichsten Kombinationen setzt er diese mit den anderen Gegenständen ein.

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Theater zum Riechen

Runde um Runde läuft er, zieht sich rennend um, bläst den Wasserball auf usw. Der Ball erweist sich als Globus, den er in einer Halterung fixiert und die Welt auf einem der Plattenspieler drehen lässt. Ein anderer wird mit zwei kleinen Rädern hochkantig zum Fahrzeug, andere treiben en Skateboard an, werden mit einem Campingkocher zum „Drehofen“, auf dem er eine Palatschinke (Pfannkuchen) bäckt. Um anschließend aus Fähnchen mit wenigen Mitteln eine Zirkusatmosphäre zu schaffen und in dieser die Palatschinke aus der Pfanne hoch zu schupfen und auf der Rückseite wieder aufzufangen. Mit dieser Aktion eröffnet er eine weitere Sinnes-Dimension: Obwohl nur eine Palatschinke verströmt sie den Geruch im ganzen Phönix-Theatersaal.

Gegen Ende der Stunde koppelt er fast das gesamte Zeugs, verbaut Plattenspieler zu einem Turm und spielt mit ein bisschen Rauch - und Einspielung der Original-Ansagen von vor 50 Jahren - alles zum Start der Apollo 11, die Neil Armstrong, Edwin „Buzz“ Aldrin und Michael Collins zum Mond brachten, die beiden Erstgenannten betraten dann als erste Menschen am 20. Juli den Boden des Erdbegleiters betraten.

Eine Stunde kreatives Spiel mit den scheinbar wahllos zur Verfügung stehenden Gegenständen - bei dem der Performer zwar in seiner eigenen Welt spielt, er aber das Publikum an der Freude seines fantasie- und lustvollen Spiels teilhaben lässt. Vielleicht mit Ansteckungs„gefahr“;)

Follow@kikuheinz

 

Multiverse
Louis Vanhaverbeke, Campo (Belgien)

Von & mit: Louis Vanhaverbeke
Dramaturgie: Dries Douibi
Beratung: Matias Daporta
Technik: Bart Huybrechts, Anne Meeussen, Bart Van Bellegem
Technische Unterstützung: Simon Van den Abeele

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