Kiku
02/27/2019

Mit Gedanken spielen und sie fliegen lassen

„Misa denkt Fliegen“ – Musiktheater für schon ganz junge Kinder, Live-Musik und (Spiel-)Witz.

Fliegen: Als Fortbewegung in der Luft - mit Flügeln oder Motoren -, als gleichnamige mitunter lästige Tierchen, als kurzfristig jonglierte Bälle und Kugeln und nicht zuletzt als Gedanken. Darum dreht sich das nicht ganz ¾-stündige Stück „Misa denkt fliegen“.

Zu Beginn finden die Kinder auf der noch menschenleeren Bühne eine ein wenig abgewohnte Couch, eine geheimnisvolle Kiste sowie zwei Regale mit einigen schrägen Fächern vor. Auf den Stellagen thronen Kugeln und kleine - offenbar nicht immer ganz - aufgeblasene Bälle. Nicht zu vergessen ein Piano auf der Seite der Bühne.

Auf diesem beginnt die nun aufgetauchte Live-Musikerin (Verena Zeiner), eine kurze Zusammenfassung des Folgenden zu geben und dann zu spielen – richtige Musik, nicht Pseudo-Kinderlieder, eigens für dieses Stück „Misa denkt fliegen“ komponiert (von Roberto Lorenz). Nach wenigen Minuten tauchen hinter der Bank Hände auf und verschwinden wieder, dann Füße. Herzhaftes Lachen über dieses Spiel kommt vom ganz jungen Publikum bei der Aufführung der Wiener Sargfabrik.

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Witziger Auftritt

Nach diesem Vorspiel tritt die Hauptfigur, Misa (Regina Picker, die sich auch das Stück ausgedacht hat) in Erscheinung, albert – zum Gaudium des Publikums - mit einer riesigen (Zahn-)Bürste herum, macht sich mit einer Fliegenklatsche auf der Bühne und zwischen den Publikumsreihen daran, imaginäre Fliegen zu erwischen. Und plötzlich fliegen hinter der Couch Bälle in die Höhe, werden dort jongliert – von dem Bühnenkompagnon, der nun in silberner Kleidung und ebensolchen Stöckelschuhen in Erscheinung tritt.

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Mitspielen wollen

Dieser (gespielt von Arne Mannott) wird Nous genannt - aber nicht nach dem französischen Wort für wir, sondern einem altgriechischen Begriff für Geist oder Verstand. Dieser Nous jongliert nun auch im Bühnenvordergrund mit Bällen, lässt Misa aber nicht und nicht mitspielen. Nein, nein, das sei ja gar kein Spielzeug, die runden Kugeln stünden für Gedanken und er sei dafür zuständig, si ezu sortieren und zu ordnen. So ein bisschen als würden – was leider nicht ganz so selten vorkommt – Erwachsene Kindern keine Gedanken(-spiele) zutrauen. Die Theatergruppe könnte übrigens auf ihr Spiel allein vertrauen, die zusammenfassende Einleitung auf der Bühne bevor das Klavierspiel beginnt, könnte auch wegfallen.

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Natürlich erobert sich Misa schließlich die Partizipation, das Mitmachen und Spielen sowie Spinnen von Gedanken. Sie öffnen die Kiste, aus der Tischtennisbälle las Gedankenblitze herausgeschossen werden, und Misa beginnt vom Fliegen zu träumen – und die klassische griechische Sage von Daedalus und Ikarus zu erzählen. Begleitet von Klaviermusik, verwandeln Misa und Nous vier Regenschirme in die mit Wachs zusammengeklebten Vogelfedern-Flügel der beiden Altgriechen, um eine Tanzchoreografie auf die Bühne zu zaubern und scheinbar zu schweben.

Mit diesem Traum vom Fliegen und den Gedanken darum herum spielen die Theaterleute – hin und wieder auch in Interaktionen mit den (sehr) jungen Zuschauer_innen – leider oft nur zu kurz angerissen, so dass nicht alle, die auch mitspielen würden, drankommen.

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Infos: Was? Wer?

Misa denkt Fliegen
Musiktheater; ab 3 J.; ca. 40 Minuten

Konzept/Regie/Choreographie/Misa: Regina Picker
Choreographie/Nous: Der Jongleur Arne Mannott
Komposition: Roberto Lorenz
Live- Klavier: Verena Zeiner
Kostüme: Christine Huemer
Coaching: Elisabeth Orlowsky

Regina Pickers Homepage

Trailer auf vimeo

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