Yoko Yagihara, Pascale Staudenbauer und Angelika Miklin verzaubern im Kleinstkinderstück "Der Mond tropft"

© Nicola Lieser

Kiku
11/23/2019

Magische halbe Stunde aus Musik, Tanz und Licht

„Der Mond tropft“ im Salzburger Toihaus Theater kann ganz Jung aber auch ganz schön Alt verzaubern.

von Heinz Wagner

Eine magische halbe Stunde – durchaus mit Nachklang und -wirkungen – das verschafft das jüngste Stück im Salzburger Toihaus Theater. Jüngst übrigens im doppelten Sinn, denn wie auch die beiden anderen Herbstproduktionen für Kinder hier ist auch „Der Mond tropft“ ab einem Jahr angegeben. Aber wirklich mit nach oben offenem Alters-Ende. Eine Cellistin (Angelika Miklin), eine Tänzerin (Pascale Staudenbauer) und die Komponistin und Wasserglas-Musikerin Yoko Yagihara ziehen das Publikum vom ersten Moment schon beim Reinkommen in den Theatersaal mit sanfter Musik in ihre Welt – aus Bildern und Klängen. Ob jetzt wirklich immer alle in allem Mond und sein Licht sehen tut auch nichts zur Sache.

Dutzende Gläser, Krüge, Karaffen sind mit mehr oder weniger oder vielleicht auch keinem „Seifen-)Wasser befüllt, täuschend echt wirkende künstliche Steine aus Holzmehl (Bühne und Kostüme: Maria Morschitzky) werden von der Tänzerin in Spiralen über der Bühne verwischt, durch die Luft geworfen, eine kleine und doch so große Traumlandschaft aufgebaut, die im Kopf jeder Einzelnen, jedes Einzelnen im Publikum Tor und Türen zu schier unendlichen Fantasiewelten aufstoßen.

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Schaumkronen

Die Komponistin spielt und scratcht eine gute alte Schalplatte mit Johannes Brahms‘ Intermezzo, Opus 118 und musiziert mit nassem Finger auf Gläsern. Gemeinsam mit der Tänzerin leert sie wenige Tropfen auf den Tanzboden, die quietschenden Geräusche beim Verwischen – kommen aber von der Cellistin ;)

Diese Musikerin bläst auch mit einem urlangen Trinkhalm in ein Glas mit Badewasser. Ergebnis: Ein bizarres Schaumkugelgebilde. Die beiden anderen haben’s leichter, da ist die Entfernung zum Glas nicht so groß wie bei der Frau am Cello. Kugeln, Fantasietiere oder was auch immer – halten erstaunlich lange.

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Trichter-Gedicht

Ein anderes Spiel geht so: Aus der kleinen, handlichen Theaternebelmaschine wird solcher rauch in einem Glas mit Deckel eingefangen und später kleinweise auf dem Tanzboden freigelassen.

Ach ja, natürlich taucht gegen Ende auch ein riesiger an die Wand projizierter Kreis auf – klar Vollmond. Und über eine Konstruktion aus Taschenlampe mit selbstgebasteltem Trichter lassen die Künstlerinnen nun dieses Licht an vielen Stellen des Raums, auch in unmittelbarer Nähe der auf Matten sitzenden Kinder „tropfen“. Dabei wird auch das Gedicht von Christian Morgensterin zitiert: Zwei Trichter wandeln durch die Nacht./Durch ihres Rumpfs verengten Schacht/fließt weißes Mondlicht/still und heiter/auf ihren/Waldweg/u.s./w.

In Trichterform angeordnet auf dreieckigem Papier bekommen die Besucher_innen das nach der Vorstellung zum Mitnehmen – als Stütze fürs weiter-spinnen.

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Am Anfang stand weiß

„Am Anfang war weiß“, sagt Co-Regisseurin Cornelia Böhnisch (gemeinsam mit Katharina Schrott) zum Kinder-KURIER. „Damit wollte ich schon länger was machen. Wir haben dann herumgespielt und dann mit Musik, Wasser, Rauch und Licht (+ Technik: Alexander Breitner und Robert Schmidjell) improvisiert. Die Maria (Morschitzky für Bühne und Kostüme) hat dann diese Steine erfunden. Jeder einzelne ist aus diesem Plastiform, einer Modelliermasse aus Holzmehlgemisch geformt – so wie auch der große Stein am Bühnenrand.“

Dem Team und speziell der genannten Co-Regisseurin ist die Verwendung von Natur- bzw. Recyclingmaterial besonders wichtig. Und so ist der weiße woll-/watteartige Stoff in einer Szene „aus einer Fülle davon, die ich am Dachboden gefunden habe“.

Zu Spiel, Tanz, Musik usw. kam dann früh auch schon der Titel des Stücks und irgendwann auch das Morgensterin-Gedicht, das Böhnisch schon seit Kindertagen kannte.

Follow@kikuheinz

Compliance-Hinweis: Das Salzburger Toihaus Theater hat den Kinder-KURIER auf die Fahrt nach Salzburg - und zurück - eingeladen.

Christian Morgensterns Gedicht über Trichter in der passenden Form ;)

Der Mond tropft
Stück mit Tanz und Live-Musik
ab 1 Jahr,

Regie: Cornelia Böhnisch, Katharina Schrott
Musik / Komposition: Angelika Miklin, Yoko Yagihara
Tanz: Pascale Staudenbauer
Bühne / Kostüm: Maria Morschitzky
Licht / Technik: Alexander Breitner, Robert Schmidjell

Wann & wo?
Bis 10. Dezember 2019
Toihaus Theater: 5020 Salzburg, Franz-Josef-Straße 4
Telefon: (0662) 874 439-0
www.toihaus.at

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