Der kleine Clown schaut aus dem Wohnwagen

© Peter Ketturkat

Kiku
02/15/2019

Kleiner Außenseiter träumt vom großen Auftritt

„Ein kleiner Clown will hoch hinaus“: Ein kleines, großes Spiel mit Fantasie und Philosophie und lebendigen Objekten.

von Heinz Wagner

„Oooh“ oder „Aaaah“ bei manchen Erwachsenen, wenn sie den Theatersaal betreten: Eine Miniatur-Manege und dazu passende samtrote Vorhänge in der Mitte der Bühne können vielleicht nostalgische Kindheitserinnerung wachrufen. Für viele, wenn nicht sogar die meisten der Kinder (das Stück ist ab 4 Jahren) erweckt diese Vorstellung allerdings eine kleine große Welt zum Leben, von der sie gehört haben mögen, die sie aber kaum bis gar nicht aus eigener Anschauung kennen: Zirkus, oft auch als Circus geschrieben.

Akrobatische Kunststücke, gefährlich anmutende Acts oder gar wilde Raubtiere – Nummern, die Zirkusse jahrzehntelang unter dem Dach von Zelten ein paar Tage oder Wochen hier und dann in der nächsten Stadt auf ihren Reisen quer durch die Welt darbrachten, gibt es kaum noch. Nervenkitzel verschaffen andere Shows, meist auch die nicht live, sondern via Online-Videos oder im TV.

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Clowns haben überlebt

Nur Clowns, die fix zum Zirkus gehören, gibt es noch – in verschiedenster Form, vom eigenständigen Performance-Auftritt über jene, die in Krankenhäusern Angst nehmende bis zu Alleinunterhalter_innen bei Kinderfesten. Peter Ketturkat und Karin Bayerle schaffen es, mit den Szenen ihres ¾-stündigen Stücks „Ein kleiner Clown will hoch hinaus“, diese (Traum-)Welten lebendig werden zu lassen. Da ist es auch nicht wichtig, das große – fast ausgestorbene – Gegenstück schon einmal gesehen zu haben.

Es ist kein großer Zirkus, zwei Wagen – einer mit Käfigstangen für den Löwen und einer, der wohnlicher aussieht für den kleinen Clown – und offenbar auch für den Direktor. Auch wenn es sich um einen kleinen Zirkus handelt, meint der den großen Chef raushängen lassen zu müssen. Nähert sich der Clown, ein Kind, der Manege, fährt des Direktors Arm aus: „Raus!“

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Dem Material Leben einhauchen

Verspielte Objekte aus Draht, Holz, Pappmaschee, Blech, Stoff, Kork und noch anderen Materialien wird Leben eingehaucht, indem das Puppenspiel-Duo sie so bedient, dass beim Publikum die Fantasie in Gang gesetzt wird – so wie es Kinder in ihrem eigenen Spiel mit allen möglichen Dingen können.

Herrlich die stärkste Frau der Welt mit ausziehbarem Arm und ganzem verlängerbaren Körper und der Uralt-Trick, diese Stärke als scheinbare zu entlarven, indem die angeblich urschwere Hantel sich beim Raustragen aus der Manege als fast federleicht erweist.

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Inspirationsquellen

Im Begleitmaterial zum Stück (auf der Dschungel-Homepage beim Punkt PädagogInnen zu finden) nennen die Künstler_innen zwei Inspirationsquellen für dieses Stück: Alexander Calder, den Erfinder des Mobiles, bei dem es um Schweben in der Balance geht sowie Henry Millers Kurzgeschichte „Das Lächeln am Fuß der Leiter“ – übrigens idealerweise illustriert von Joan Miró. In dieser will der Clown mit dem für diese Künstler häufigen Namen August, das Publikum nicht (nur) zum Lachen bringen, sondern ihnen glückliche Momente bescheren, wird aber zumeist ausgelacht. Seine Leiter lehnt er an den Mond.

DAS Schlussbild

Das letztgenannte Motiv wird zum Schlussbild dieses Stücks, in dem der kleine Clown Sprosse für Sprosse in Richtung Mond klettert – da kann auch der selbstherrliche Zirkusdirektor das Kind in seiner Entwicklung nicht aufhalten ...

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Ein kleiner Clown will hoch hinaus
Verein zur Rettung der Dinge
Puppen- & Objekttheater
Ab 4 Jahren, ¾ Stunde

Von und mit: Karin Bayerle, Peter Ketturkat
Dramaturgische Beratung: Nika Sommeregger

Wann & wo?
Bis 22. Februar 2019 und
21. bis 25. Mai 2019
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

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