© Heinz Wagner

Kiku
12/15/2019

Kinder und Ältere backen gemeinsam (Weihnachts-)Kekse

Kinder-KURIER und schauTV besuchten Volksschule, in der Kinder und Seniorinnen gemeinsam Freizeit gestalten. Nun mit schauTV-Beitrag.

von Heinz Wagner

Von der einen Seite kommen Kinder der 1a aus dem Schulgebäude über den Hof in den zweistöckigen Container. Ebenerdig liegt die Küche. Die Volksschule Krottenbachstraße (Wien-Döbling) ist seit Herbst Ganztagsschule – für jene, die das wollen. Von der anderen Seite am Gehsteig entlang kommen ältere Frauen – aus dem Pensionisten Club Gustav Pick-Gasse 2/8. Vor der Küche treffen sie einander, legen ihre Jacken usw. ab und schlüpfen in die mitgebrachten Patschen.

Rein geht’s in die Küche, wo die Ganztagskinder zu Mittag essen. Nun wird diese Küche gemeinsam am Nachmittag genutzt. Die Pensionistinnen haben fertige Teige mitgebracht – Lebkuchen, Vanillekipferln und Mürbteig.

Ausstechen

Amir, Madelaine, Emilia, Banu, Luis, Nico, Zoe und die anderen Kinder – sie haben sich – der Kleinheit der Küche wegen – mit ihren Freizeitbetreuerinnen Geanina, Selihanur und Rukiat in zwei Gruppen aufgeteilt – waschen ihre Hände, kriegen Schürzen umgebunden und papierene Kochmützen aufgesetzt. Es sollen ja keine Haare in den Teig ;)

Sie setzen sich auf die kleinen Sessel an den niedrigen Tischen. Hier haben Irene, Hannah, Erika, Gerti und die anderen Seniorinnen schon den Teig vorbereitet, hingelegt, Ausstechformen – metallene und solche aus buntem Kunststoff - liegen ebenfalls schon auf den Tischen bereit.

Voller Eifer und Freude formen die Kinder Kipferl an einem der Tische und stechen Sterne, Tannenbäume, aber auch die unterschiedlichsten Tiere an den beiden anderen Keks-Stationen aus. Nicht nur solche, die zu Weihnachten passen (würden) wie Ochs und Esel. Luis zeigt uns eine sogar ziemlich große Ausstechform eines Faultieres. „Das mag ich aber nicht ausstechen“, meint er. Zoe hingegen nimmt es liebend gern, um aus dem dunkelbraunen Lebkuchenteig ein solches, eher ungewöhnliches, Tier aus der Teigplatte, die sie vor sich liegen hat, freizulegen. Und es obendrein noch mit Mandeln zu verzieren. „Das ist unsere Klassen-Zeichen, jede Klasse hat ein anderes Tier, auch als Kuscheltier in der Klasse“, erklärt sie dem Kinder-KURIER und schauTV.

Faultier und Einhorn

Das Faultier löst eine kleine Diskussion unter den Kindern an diesem Tisch aus. Irgendwer hätte gern ein Einhorn. „Gibt’s aber nicht“, wirft ein junge Keksbäcker ein. „In der Fantasie aber schon“, wird gekontert. Und dann „erfindet“ Gabriel mehrfärbige Kekse. „Ich hab einfach dunklen und hellen Teig ein bisschen vermischt, aber nicht ganz“, zeigt er stolz ein solches Keks auch in die Kamera.

Voneinander Lernen

In den Interviews sagen Kinder, dass sie an diesem Nachmittag einiges von den älteren Frauen gelernt haben. Sie haben ihnen auch was über die verschiedenen Teige erklärt – „und geholfen. Zum Beispiel, wenn der Teig auf dem Nudelholz geklebt ist, haben sie gesagt, dass ich da ein bisschen Mehl draufgeben muss, damit’s nicht pickt!“

Aber auch die älteren Frauen scheinen so richtig Freude daran zu haben, gemeinsam mit den Kindern zu backen. Sie sind es auch, die neben den Betreuerinnen, die vollen Backbleche mit den ausgestochenen Formen in den Ofen schieben und darauf achten, dass die Kekse auch rechtzeitig wieder rausgenommen werden.

Interviews

Amir erklärt, „dass wir uns vor dem Backen die Hände waschen, damit keine Bakterien oder Schmutz in den Teig kommen.

Emilia ergänzt, „ich wasch mir aber schon immer auch schon vor der Schule die Hände vor dem Essen“.

Banu gefällt das Backen mit den älteren Damen, „weil sie uns helfen“. Wenn sie selber einmal älter sein wird, kann sie sich gut vorstellen, auch mit Kindern zu backen, „weil es mir sicher Spaß macht“.

Luis würzt seine Antworten im TV-Interview mit ein wenig Witz und erzählt, dass er Sterne, Herzen, Tannenbäume und Blumen ausgestochen hat. Die Tierform hat er nicht verwendet, „weil sie zu groß war“. Jedenfalls war’s „cool, weil es Spaß gemacht hat. Der Spaß kam erst beim Backen.“

Frau Erika: erzählt von einigen der gemeinsamen Aktivitäten: „Wir singen auch mit den Kindern, haben auch Schmuck gebastelt. Die Kinder haben sehr fleißig mitgemacht.“

Auf die Frage, ob sie sich erinnern könne, wann sie als Kind das erste Mal gebacken ahbe meint sie spontan erst einmal: „Ach, das ist schon so lange her“ um nach kurzen Nachdenk-Augenblicken doch fortzusetzen: „Als Kind das erste Mal? Doch, da kann ich mich gut erinnern an den guten Duft in der ganzen Wohnung. Ein bissl was war zwar verbrannt, aber sonst hat alles sehr gut geschmeckt.“

Als ihre Kinder und später die Enkel kleiner waren, habe sie selber zu Hause sehr viel gebacken, „jetzt eher weniger“.

Zum gemeinsamen Backen hier in der Schule betont sie noch: „Bin gern mit Kindern zusammen, ich freu mich, wenn ich ihnen was zeigen kann. Alle tun mit und freuen sich, wenn es dann aus dem Backrohr duftet…“

Viele Aktivitäten

Das Kekse-Backen ist übrigens nur eine der gemeinsamen Aktivitäten, die mit 1. Dezember begonnen haben und mindestens bis Ende dieses Schuljahres weitergehen, erzählen Geanina Albu, Freizeitleiterin in der Schule, und Sabine Auer, Pensionisten-Club-Betreuerin, dem Reporter-Team.

„Die Nachbarschaft hat uns zusammengebracht“, beginnt die Erstgenannte, die mit der Kollegin das Konzept für „Spiel der Generationen“ entwickelt hat. „Uns ist wichtig, Kinder und Senioren zusammenbringen, eine Brücke zu schaffen, damit die Kinder und die älteren Leute einander besser kennen lernen, sich verstehen, miteinander das soziale Leben genießen.“

Es hat mit Adventbasteln, Schmücken des Weihnachtsbaums im Eingangsbereich der Schule begonnen. Jetzt waren die Kekse dran. „gemeinsames Weihnachtssingen kommt noch“, so die Pädagogin.

Sie und ihre Kollegin, die die Senior_innen betreut – zum Backen kamen allerdings nur Frauen – finden „es ist ein wunderschönes Erlebnis, weil beide Gruppen gegenseitig voneinander lernen, ein Generationentreff“.

Wichtige Begegnungen

Die Volksschulkinder hätten schon mehrmals vor dem Backen gefragt: „Wann kommen sie wieder, was werden wir machen?“

Wichtig sei die Begegnung - pädagogisch und sozial, „weil die Kinder viel von den Älteren lernen können und umgekehrt. Es gibt so viele Ältere, die keine Enkel haben und viele Kinder, die keine Großeltern hier dabei haben.“

Bisher sind die älteren Leute immer in die Schule gekommen. „Wir werden aber sicher Möglichkeiten finden, dass auch Kinder in den Club kommen. Unsere Aktivitäten sind ja für das ganze Schuljahr gedacht. Im Frühling vor Ostern könnten wir beim Pensionisten-Club Eier verstecken.

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Hier der Beitrag von schauTV

gedreht von Wolfgang Semlitsch