Jasmeet, die starke Schwester, tanzt endlich wieder

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Neues Tanzstück von „Ich bin O.K." erzählt eine Geschichte über Mobbing, Flucht und Tanzleidenschaft. Probenbesuch, mehr als 100 Fotos.

Der Häuserblock links neben der Wiener Staatsoper umschließt mehrere Höfe, in manchen der Gebäude sind Abteilungen der Bundestheater, in einem findet sich aber auch die Dance Company „Ich bin O.K.“. Die ist seit Jahrzehnten bekannt dafür, dass Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam tanzen, und manches davon auch auf Bühnen aufführen. Derzeit laufen die Proben für das nächste Stück, „ Pal, mein Bruder“.

Probenbesuch

Kinder-KURIER und Inklusive Lehrredaktion beim KURIER durften in den Osterferien bei einer Probe für das neue einstündige Stück zuschauen. Einige Szenen wurden zunächst ohne, später mit Live-Musik, aber noch nicht in den Bühnenkostümen, geprobt.

In einer Szene kommen vier der sechs am Stück beteiligten Tänzer_innen von verschiedenen Seiten auf die Bühne, sagen je einen Satz, der sich auf Pal ( Pal Singh Chopra, einen der Tänzer), bezieht und werden jeweils ein Foto von ihm aufhängen – in der Probe nur angedacht und mit den Händen angedeutet.

Dann taucht Pal selbst auf, springt tänzerisch zu Niklas Kern und Alexander Stuchlik – die drei vollführen Breakdance-Moves. Später wechselt er zu Johanna Ortmayr und Marina Rützler und tanzt mit ihnen.

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Schweben

Wie bei Proben üblich, werden Szenen mehrmals wiederholt, teils auch nur einzelne kurze Abschnitte davon. Und die Reihenfolge entspricht nicht unbedingt jener des fertigen Stücks. Die beschriebenen zum Beispiel kommen eher gegen Ende vor. Auch die Hebefigur mit Pal Singh Chopra, die mit einer kleinen Menschenpyramide beginnt und dann übergeht in eine Art Davon-Schweben, kommt erst weit nachdem es schon viel früher eine ähnliche Szene mit seiner Schwester Kaur Lamba gibt. Obwohl das Stück den Vornamen ihres Bruders im Titel trägt, dreht sich das Tanztheater doch diesmal stark um sie, die starke 28-jährige Frau, die oft genug im Schatten des Bruders steht.

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Live-Musik

Gegen Ende der Proben stoßen auch Amita Lugger und Deep Singh zu den Tänzer_innen. Die beiden werden das Stück mit Live-Musik begleiten, sie auf der Sitar, einer Art Langhals-Gitarre mit sehr vielen Saiten, er auf Tablas, kleinen Trommeln.

Eine der letzten Szenen wird auch geprobt. Jasmeet Kaur Lamba, die so stark und viel um ihren Bruder Pal gekämpft hat, ist nun allein auf der Bühne. In Gestalt von Marina Rützler mit einer Maske taucht sozusagen ihre innere Stimme auf und will ihr sagen: Du selbst liebst doch auch tanzen, denk jetzt einmal auch an dich, beginne wieder zu tanzen. Und das tut sie in diesem Stück – und Wie! Und das nach mehr als 20 Jahren!

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Echte Lebensgeschichten

Geboren im indischen Bundesstaat Panjabi, wollte Jasmeet im echten Leben schon als kleines Kind Tänzerin werden, tanzte oft auf Hochzeiten, bei denen ihr Vater, ein Musiker, spielte. Als ihr Bruder Pal geboren wurde, änderte sich das Leben gewaltig. Er brachte die Schwester von Anfang an oft und viel zum Lachen, erfreute sie, aber viele Menschen in der Umgebung begannen die Familie zu meiden und gar mobben und schlimmeres. Einzig und allein, weil Pal Trisomie 21 (Down Syndrom) hat.

Brutal

Im Stück heißt es über die Tatsachen: „In Indien dürfen Kinder wie Pal nicht zur Schule gehen. Kinder wie Pal bringen Unglück, heißt es. In Häusern wo Kinder wie Pal untergebracht werden, zahlt man viel Geld. Und dann bekommen sie dort verdorbenes Essen und werden geschlagen. Einmal haben wir Pal weinend und blutend in einer Ecke gefunden. Jemand hat in seine Zunge geschnitten. Seitdem kann er nicht mehr gut sprechen.

Jasmeet konnte nicht mehr in die Schule gehen, weil sie wegen Pal verspottet und gequält wurde. Die Familie wurde nirgends mehr hin eingeladen, nicht einmal von den Verwandten. Jasmeets Vater hatte keine Aufritte mehr als Musiker und Jasmeet durfte auf keinen Hochzeiten mehr tanzen. Als Jasmeet älter wurde, wollte sie wegen Pal niemand zur Frau nehmen. Es konnte für sie nur ein Mann in Afghanistan gefunden werden und Jasmeet musste ihre Familie und Pal verlassen. In Afghanistan herrschte Krieg, Jasmeet und ihr Mann konnten ihre Religion nicht mehr leben, sie konnten sich nicht mehr frei bewegen und waren nicht mehr sicher, deswegen mussten sie fliehen und kamen nach Österreich. In Österreich konnte Jasmeet nicht glauben welche Möglichkeiten es hier gab für Menschen wie Pal und sie setzte alles daran ihn zu holen.“

Hoffnung

Letzteres gelang und weil Pal gut tanzt und über seine trotz aller Schicksalsschläge fröhliche, offene, gewinnende Art schaffte er es, bisher schon in mehreren verschiedenen Tanzstücken mitzuwirken. Im nunmehrigen wird die Geschichte tänzerisch erzählt und trotz der Tragödien die positive Energie der Leidenschaft am und fürs Tanzen vermittelt. Auch wenn es beispielsweise die österreichischen Behörden der Familie nicht gerade leicht machen. Jasmeet, ihr Mann und ihre beiden Kinder, die aus Afghanistan nach Österreich geflüchtet waren, haben während der Probenzeit subsidiären Schutz bekommen – damit dürfen sie mindestens ein Jahr lang bleiben. Pal und seine Eltern aber, die aus Indien kamen, zittern noch um ein Aufenthaltsrecht.

Und nun einige Bilderstrecken:
Jasmeet und Pal

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Jasmeet und Pal

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Weitere Probenfotos - aller Tänzer_innen, des Choreografie-Duos und der Dramaturgin

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Pal, mein Bruder!
„Ich bin O.K.“ Dance Company
Inklusives Tanztheater, eine Stunde

Tänzer_innen: Jasmeet Kaur Lamba, Pal Singh Chopra, Niklas Kern, Johanna Ortmayr, Marina Rützler, Alexander Stuchlik
Choreografie: Hana Zanin Pauknerová, Attila Zanin
Dramaturgie: Verena Kiegerl
Live-Musik: Amita Lugger, Deep Singh

Wann & wo?
12. bis 18. April 2018
Dschungel Wien, 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

24. Mai 2018, 19.30 Uhr
Theater Akzent, Wien: 1040, Theresianumgasse 18
Telefon: (01) 501 65-13306
www.akzent.at

28. März 2019 (!)
10.30  und 18 Uhr
Niederösterreich
Festspielhaus St. Pölten, 3100, Kulturbezirk 2
Telefon: (2742) 90 80 80 600
www.festspielhaus.at

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