Szenenfoto aus "Deep"

© Clemens Nestroy

Kiku
02/08/2020

Ist unten oben oder umgekehrt? Was ist privat oder öffentlich?

Zehnminütige Performance „Deep“ aus den Niederlanden stellt so manche Fragen/ manches in Frage. "8 Fenster" gewährt "Einblicke".

von Heinz Wagner

Alle stehen vor einem seltsamen Ding – und vielen Fragen – anfangs, mitunter auch länger. Nicht allzu lange, den die PerformanceDeep“ ist nach zehn Minuten vorbei. Dafür war sie zwölf Mal am Eröffnungswochenende im Kunsthaus Graz, vom Volksmund auch „friendly Alien“ genannt, zu sehen.

Das Publikum steht rund um ein Viereck. Oben schwarzes Tuch, sozusagen eine Black-Box. Drunter ist freie Sicht – auf eine Glasfläche. Unter der siehst du einen Mann an seinem Schreibtisch sitzen. Oder, halt?! An einer Schnur steht ein Ball in die Höhe, häää? Er denkt nach, schreibt, zerknüllt das Blatt und wirft’s weg und – es landet auf der Glasfläche – oben.Aha, vielleicht, nein wahrscheinlich ist das Spiegel. Aber wie sitzt der mit Kopf nach unten hängend?

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Ausweg?

Er sucht nach einem Ausweg – alle Wände verschlossen. Zeichnet ein Bott, baut den Schreibtisch zu einem solchen um, rudert und – kommt von oben auf die Spiegelfläche, auf der er tänzerisch den Weg ins Freie sucht.

Daan Mathot von volDAAN (Niederlande), der diese Performance entwickelt hat, erzählt nach einer solchen dem Kinder-KURIER: „Ich habe schon öfter mit Udo (Akemann, der die Show konzipierte) Performances mit Spiegeln gemacht. Das haben wir weiter entwickelt. Ja, es geht darum, dass sich die Leute lange Zeit nicht sicher sind, wie geht das? Was ist oben, was unten?“

Und damit schließt sich der Bogen zum „friendly Alien“ – im Weltall gibt’s kein oben und unten. ;)

Ach, „und es geht auch, um die Suche nach draußen, nach Freiheit…“, so der Performer.

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8 Fenster: Wie voyeuristisch bist du und was stellst du selber aus?

Drinnen/draußen. Was gibst du von dir Preis, welche Infos über dich lassen sich schnell im Netz finden? Privat oder öffentlich? Würdest du beim Vorbeigehen an einem beleuchteten Fenster neugierig reinschauen oder versuchen zu hören, was drinnen gesprochen wird, wenn schon die Schatten zeigen, dass es da heftig zugeht? Oder jemand tanzt, oder…?

Nun, bei „8 Fenster“ ist letzteres Verhalten erwünscht. Und du hörst, was sich abspielt – über Kopfhörer, die mit einem Mini-Tablet verbunden sind. Drauf sind eben acht Fenster zu sehen – vor denen stehst du – gemeinsam mit rund zweieinhalb Dutzend anderen Besucher_innen dieser Performance. Das Bild auf dem Tablet entspricht der Fassade jenes Hauses in dem das Büro des Theaters am Grazer Ortweinplatz liegt – und das gegenüber dem im Souterrain gelegenen Theater selbst steht.Du klickst auf eines der hell erleuchteten Fenster und hörst – zum Beispiel den Versuch eines Elternpaares, die Kinder zum Einschlafen zu bringen – sie lesen gemeinsam (vor). Die Kinder aber, Juna Pucher und Timo Grasser, haben viel mehr Spaß daran, noch lange zu spielen, u.a. mit Taschenlampen gespenstische Szenen.

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Streit und Meditation und ...

Hinter einem anderen Fenster leben vier Schwestern, Erbinnen des ganzen Hauses. Und sie wollen alteingesessene Mieter_innen los werden. Vor allem aber geraten sie über dies und jenes in teils heftigen, sehr lautstarken Streit.

Ein jüngeres Paar – könnten vielleicht die Eltern sein - im Stock über dem Kinderzimmer – gerät sich in die Haare über Identitäts- und Rollenprobleme des Mannes.Eine ältere Dame betreibt Meditations- oder Yogaübungen, hinterm Fenster nebenan ist nur Knacken und Grummeln zu hören.

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Enter

Rund eine halbe Stunde lauschen die Besucher_innen den Geschehnissen hinter den acht Fenstern – und werden danach eingeladen, das Haus selbst zu betreten (überm Eingang steht groß: ENTER). In einem der Räume spielt eine Band. An den Wänden dieses und des Vorraumes hängen Bilderrahmen – mit gedruckten Auszügen von Bildern und Texten der Besucher_innen – alle im Internet gefunden. Das funktioniert sogar bei Gäst_innen, die nicht lange vorher ihre Teilnahme gebucht, sondern spontan noch einen freien Platz ergattert haben. Mitspieler_innen verteilen „kost“bare Hinweise auf Spuren im Netz: Kekse (Cookies). ;)

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DEEP
volDAAN / Niederlande
Performance

Konzept: Udo Akemann
Regie: Daan Mathot
Schauspiel: Daan Mathot (oder Marie-Christine Op den Kelder oder Dorus van der Meer)

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8 Fenster
Performance zum Thema „Öffentlich – Privat” im urbanen und digitalen Leben mit einer Band, 30 Tablets, 20 Performer*innen und 8 Fenstern
Ab 15 J., ca. eine Stunde

Konzept: Anna Fritzberg
Regie und Konzept: Natascha Grasser
Performance: Carmen Schabler, Antonia Orendi, Caroline Oswald-Fleck, Anaïs Rabelhofer, Dorothea Kurteu, Philipp Streicher, Thomas Gsöls, Alexander Benke, Victoria Fux, Bernd Bernsteiner, Eva Reich, Anselm A. Eitelbös, Ute Stampfer-Jungreithmaier, Inge Schenk, Laura Kerschbaumsteiner, Lilith Völkel, Lena Hanetseder, Juna Pucher, Timo Grasser

Produktion und Dramaturgie: Victoria Fux
Ausstattung: Markus Boxler
Ausstattungsassistenz: Lena Hanetseder
IT und Tontechnik: Tom Bergner
Licht und Techniksupport: Nina Ortner
Musik: Chefin
Outside-Eye: Manfred Weissensteiner

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