Szenenfot aus "Unkraut"

© Reinhard Winkler

Kiku
06/26/2019

In „Unkraut“ erwachen junge Tänzerinnen

Tanzstück rund um Ankämpfen gegen Konkurrenz und vorgegebene Rollenmuster.

von Heinz Wagner

Zu Beginn präsentierte sich ein Teil der Bühne im mittleren Saal des Posthofes als Berg- und Tal-Landschaft unter einer Plane, wie sie oft als Zeltböden oder an Absperrungen zu finden sind. Dass sich unter den „Bergen“ vielleicht die späteren Tänzerinnen verbergen, lässt sich vermuten. Was sich bald bestätigt. Erst kämpfen sich Hände und Arme nach Oben ins Freie, später natürlich auch die ganzen Menschen. Fünf der sechs Tänzerinnen erwachen hier aus dem dunklen Untergrund - und werden von der sechsten in einem Schutzanzug empfangen und ausgeräuchert.

Es folgen gegenseitigen Attacken, Schläge, Unterdrückungen - und gleichzeitig scheinen die einzelnen dabei „nur“ Druck weiter zu geben - Druck, unter dem sie alle stehen „I have to ... I have to...“ /Ich muss..., ich muss, ...

Vor und zurück

Immer wieder mäandern sie zwischen beginnender Solidarisierung und Individualisierung nicht immer gegeneinander und Zweifel an ihren neuen, eigenen Wegen sowie Vergleiche mit scheinbar vorgegebenen vor allem körperlichen Normen. Die tänzerischen Bewegungen werden wilder, mitunter sogar ausgelassen. Und werden dann wieder gestutzt und eingeschränkt. Robotermäßig, insektenartig, dann wieder Phasen des Auf- und Widerstands. Likes und Dislikes werden angesprochen - die argen Stress verursachen.

Früheste Konkurrenz

In der einzigen Sprech-Phase erzählen die jungen Tänzerinnen Anekdoten aus ihrer Kindheit, an früheste Konkurrenz-Erlebnisse schon im Kindergarten und dann in der Volksschule samt damit korrespondierendem Mobbing. Phasen, die diese sechs - Marie-Luise Bohrer, Annina Kriechbaum, Miriam Kutrowatz, Lena Obenaus, Anna Steiner, Luna Weis - überwunden haben und nun gemeinsam im Team diese Performance mit der bekannten Choreografin Doris Uhlich erarbeitet haben.

Gegen Ende des Stücks nehmen die sechs „Unkräuter“ nochmals die dunkle Decke auf, durch die sie sich anfangs erst ins Freie kämpfen mussten, um sie nun mehr lust- als kraftvoll abzuschütteln und als Powergirls knapp heran ans Publikum zu treten.

Allerdings verlassen sie diese Powerposition postwendend, um sich in alle Richtungen vom Acker zu machen. Ein wenig irritierend. „Wir wollten bewusst keine Heldinnen am Schluss, sondern zeigen, sie müssen jetzt wieder in ihren Alltag“, erläutert Dramaturgin Yoshie Maruoka dies dem Kinder-KURIER. Wobei weniger gebückt und mehr mit der zuvor erworbenen Energie und Kraft wäre vielleicht doch das besser Signal gewesen.

Follow @kikuheinz

https://www.schaexpir.at/

Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Unkraut
Doris Uhlich (Österreich)
Ab 14 Jahren, knapp mehr als eine Stunde

Choreographie: Doris Uhlich
Darstellerinnen: Marie-Luise Bohrer, Annina Kriechbaum, Miriam Kutrowatz, Lena Obenaus, Anna Steiner, Luna Weis
Dramaturgische Zusammenarbeit: Yoshie Maruoka
Soundberatung: Boris Kopeinig
Kostüm: Zarah Brandl
Licht: Gerald Pappenberger
Produktion: Marijeta Karlović-Graf & Margot Wehinger

Wann & Wo?

28. Juni 2019
11 und 17.30 Uhr
Posthof: 4020 Linz, Posthofstraße 43
https://www.schaexpir.at