Proben-Szenenfoto aus dem Stück "Kinderfressen leicht gemacht"

© Igor Ripak

Kiku
10/17/2019

„In andere Rollen schlüpfen“ und „Wichtiges sagen!“

Kinder-KURIER-Interviews mit einigen der mitspielenden Kinder und Jugendlichen.

von Heinz Wagner

Am Rand und in Pausen einer Probe, rund eine Woche vor der Premiere, führte der Kinder-KURIER Gespärche mit einigen der jungen Darsteller_innen:

Tina Petković (13) freut sich darüber mit den Rollen als Lehrerin und Bildungshändlerin in Sachen Religion ziemlich viel Text zu haben. „Das find ich gut, weil ich mir leicht tu, Text zu lernen und ich liebe es, mich in andere Rollen hinein zu versetzen. Da muss ich nicht so sein wie ich sonst bin. Ich mag es auch, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.“ Sie spielt, wie sie dem Kinder-KURIER sagt, schon seit ihrer 1. Klasse Volksschule Theater.
An diesem Projekt hier „liebe ich es auch, dass es so ernsthaft, so anspruchsvoll ist, viel mehr als in den Projekten und Kursen, die ich bisher besucht habe.“

Schon in dem kurzen Gespräch blitzt auf, dass die 13-Jährige leidenschaftliche Schauspielerin ist, weshalb sich die Frage aufdrängt, ob sie das später einmal auch zu ihrem Beruf machen möchte. „Auf jeden Fall“, lautet da die spontane Antwort.

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Kinderrechte auch in der WG

Deniz Can Toprak hat schon viele Auftritte hinter sich. Er war Teil des Musikprojektes Superar, zwei Jahre bei den Wiener Sängerknaben, „schon mit 7 hab ich einem Zirkustheater mitgespielt“ und nun in diesem Stück. Hier gibt er den Dikta... äh Präsidenten des Landes in dem Kinder Coltan abbauen müssen - für Handys ganz wichtig. Dem eher zynischen Herrscher sind die protestierenden Kinder so ziemlich wurscht. Er lässt sich aber gern auf das Spiel mit der der Beraterin ein, auf nett zu tun, damit die Konzerne mit vorgegebener „sauberen“ Zertifikaten ihre Weste sozusagen weiß waschen.

„Auch wenn der Text und die Szenen so ungefähr schon vorgegeben waren, konnten wir selber sagen und spielen in welche Richtung sich die Figur entwickelt. Ich bin so ein kräftiges Staatsoberhaupt. Das so streng zack-zack sagt, was zu tun ist.“
Ob das angenehm sei?
„Naja, schon irgendwie, weil er das Sagen hat. Aber am meisten Spaß macht mir an dem Stück die Zusammenarbeit mit den anderen Kindern. Auch wenn manche Probentage schon ganz schön anstrengend sind.“
Trotz aller Freude und Leidenschaft „wird Theater für mich nicht mein Leben, aber ein Hobby bleiben“.

Kinderrechte sind übrigens in der WG in der der 13-jährige Musik-Mittelschüler lebt, „immer wieder ein Thema, wir haben da auch eigene Kinder-Teamsitzungen“.

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Gebärdensprache

Samira Lehmann spielt eine der Schülerinnen, die in der Klasse diskutieren, welche Themen in der Schule behandelt werden sollen. Die 12-Jährige bringt in dieser Szene auch eine andere Sprache ein, die Gebärdensprache. Es ist ihre Muttersprache. Sie spielt nicht nur eine gehörlose Jugendliche, sie ist es auch. Aus der Schule sowie einem Gehörlosentheaterprojekt hat sie schon mehrjährige Bühnenerfahrung. Ihre kongeniale Partnerin ist Neve Kinberger. Die spielt die Mitschülerin Silvia. Kinberger ist dreisprachig – Gebärden, deutsche Lautsprache und Englisch. Wenn's was zu übersetzen gibt, ist sie am Zug.

Am liebsten jeden Tag

Michael Prince Samuel Neş spielt einen „lieben Lehrer und zwei verschiedene Kinder“. Wie viele andere hat er schon einige Jahre Theatererfahrung hinter sich. „ich hab mit 6 in einem Theaterkurs angefangen. Das hat mir so gefallen, dass ich am liebsten jeden Tag Theater spielen würde. Ich mag viele verschiedene Rollen, aber auch kostümieren und schminken.“

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Gefällt, dass wir so ernste Themen behandeln

Anouk Hayr spielt das Mädchen Nora. Die liebte Oboe zu spielen. Doch in ihrer verarmten Familie mit dem spielsüchtigen Vater wollen sie das Blasinstrument verkaufen, um die Miete bezahlen zu können. Nora hat die Oboe bei einem Freund in Sicherheit gebracht. „Für die Rolle hab ich einen Kurs gemacht, damit ich überhaupt einen Ton aus der Oboe rausbringe“, erzählt die 13-Jährige.

An dem Stück gefällt ihr vor allem, „dass wir so ernste Themen behandeln, weil da zeigen, dass wir was zu sagen haben“.

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Wie unfair Kinder auf der Welt behandelt werden

Das findet auch Maya Enyangaro Schad (10). Sie ist auf der Bühne Nazali, die Anführerin der Coltan schürfenden Kinder. „Das ist urcool, weil das so wichtig ist, wie unfair Kinder auf der Welt behandelt werden. Wir sagen, wie es wirklich ist auf der Welt und wir wollen ja auch, dass sich da was verändert. Deswegen bin ich mit meiner Rolle sehr zufrieden.“

Hunger nach mehr

Yulian (so soll der 17-Jährige genannt werden) spielt vor allem einen Bildungshändler. Wie seinen beiden Kolleg_innen preist er private Bildungsangebote an. Alle drei sind spezialisiert, die eine auf Religion, die andere auf Beziehungen und er auf „Machinenmenschen“ – „werden kleinste Mikrocontroller gebraucht, machen wir einen Microcontroller aus dir…“

Er hat, erzählt Nikolay, schon vorher einmal beim Jungen Volkstheater mitgespielt. „Als mir mein Jugend-Coach dann von dem Projekt erzählt hat, wollte ich gleich dabei sein. Das Theaterspielen hilft mir auch, meine Gefühle besser zu kontrollieren, den Fokus auf etwas zu richten.

Anstrengend sind die Proben schon. Manchmal hast du dann auch keinen Bock drauf. Aber es macht Spaß, sich zu verstellen. Außerdem spielen und sagen wir ja schlaue Dinge. Alle wissen das, aber niemand verändert was, weil’s immer nur um Geld geht.

Ob ich später auch was mit Theater mach, weiß ich noch nicht, aber auf jeden Fall hab ich Hunger nach mehr.“

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