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Katharina Gerlich spielt die schüchterne Hannah

© Klemens Dellacher

Kiku
10/18/2019

Hannah, die nicht reden kann/will

Solo-Schauspielerin spielt glaubhaft eine schüchterne 14-Jährige, die sich nicht traut zu sprechen.

von Heinz Wagner

Kein leichtes Unterfangen. Aber vollkommen geglückt. Rund 1 ¼ Stunden spielt Katharina Gerlich in „Heaven“ die total schüchterne Jugendliche namens Hannah. Die redet am liebsten nie irgendwo. Darüber aber spricht die Schauspielerin die ganze Zeit – es ist ein Solostück, geschrieben von Michaela Obertscheider.

Gerlich kommt mit sehr wenigen Requisiten und noch weniger Action aus. Mal sitzt sie an ihrem Schreibtisch, dann wieder sitzt oder liegt sie auf ihrem Bett oder auf dem Boden auf einer Decke oder vorne an der Bühnenkante. That’s it.

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Dabei schildert die Darstellerin, die diese Hannah sehr glaubhaft verkörpert, plastisch Alltags-Situationen, ob in der Schule, im Eisgeschäft, im Freibad oder wo auch immer. Da hätte sie was sagen wollen, ja eigentlich müssen, um nicht genau das zu kriegen, was sie nicht mag oder dort wo’s umgekehrt ist und sie nicht kriegt, was sie gern hätte, nur weil sie’s nicht artikuliert. Oder sich auch einmal gegen untergriffige Angriffe wehren können würde… Aber nein. Die Worte wollen einfach nicht auf dem Weg vom Hirn zum Mund diesen verlassen.

Dafür schreibt sie liebend gern. Gedichte. Und vor allem Briefe mit ihrer besten Freundin Hedda, die in London lebt. Briefe und nicht WhatsApp, Facebook oder was auch immer. ;) Mit Hedda kann sie auch gut schweigen – sie telefonieren manchmal, um gemeinsam nicht zu reden.

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Hannah kann wunderbar formulieren. Im Schreiben lebt sie auf. Auch in ihrer Fantasie, in ihrem Kopf. So erleben wir eine Sequenz, in der sie einen märchenhaften Traum schildert.

Hannah und Hedda sowie auch der Stücktitel Heaven haben den Anfangsbuchstaben gemeinsam. Das H stand am Beginn der Inspiration für Geschichten, so die Stück-Autorin im Publikumsgespräch am Vormittag. Und so stößt Hannah bei ihrer Recherche auf Heldinnen wie nicht zuletzt Helen Keller, jener mehrsprachigen Autorin, die im zarten Alter von ungefähr eineinhalb Jahren plötzlich blind und gehörlos wurde.

Und so ist das 75-minütige Solo-Sprechstück paradoxerweise eine Art Plädoyer für Innehalten und einmal nichts reden, es vielleicht eben in schriftlicher Form zu sagen ;)

Follow@kikuheinz

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Heaven
von Michaela Obertscheider
Ensemble Imp:Art
Es spielt: Katharina Gerlich

Ab 12 Jahren; ca. 1 ¼ Stunden

Publikumsgespräche nach den Vorstellungen.

Wann & wo?
18. Oktober 2019; 19 Uhr
Theater Akzent: 1040, Theresianumgasse 18
https://www.akzent.at/home/spielplan/1612/Heaven

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