Kiku
29.09.2018

Grelle Performance rund um Frauenrechte ging zu Ende

„Frauenwahlrecht-Abschaffungs-Zentrale“: Einwöchige Aktion im Resselpark (Wien) endete Samstagabend mit dem Abstimmungsergebnis..

Samstagabend endet die bunte Performance mit dem provokantem Titel "Frauenwahlrecht-Abschaffungszentrale" am Wiener Karlsplatz im Resselpark mit der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses. 722 Vorübergehende hatten sich in die Wahlkabine mit rotem Samtvorhang begeben. Knapp 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Österreich hatten die Performerinnen Stimmzettel aufgelegt, auf denen Beibehaltung bzw. Abschaffung dieser demokratischen Errungenschaft zur Wahl stand.

Was eigentlich im 21. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit sein sollte, wurde dennoch von 8,4 % der Abstimmenden (62 Stimmen) abgelehnt, weitere 21 Stimmzettel (1,1 %) waren ungültig. Das trübt das klare Pro-Voting mit 639 Stimmen (88,5%) trotzdem, auch wenn - wie die Performerinnen zu Bedenken geben - möglicherweise die eine oder der andere Abstimmende die provokative Form der Performance mit dem eigenen Wahlverhalten weitergeführt haben mag.

Manche Passanten, die durchaus gewählt diskutiert hatten in dieser Woche hätten allen Ernstes vertreten, Frauen das Wahlrecht wieder zu entziehen, berichteten die Performerinnen dem (Kinder-)KURIER. Und zwei Jugendliche kamen fast empört knapp vor der Abschlussperformance, weil sie gar nicht glauben konnten/wollten, dass so die Demokratie eingeschränkt werden sollte/könnte.

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Ein rot lackierter Container mit irritierender Aufschrift Frauenwahlrecht-Abschaffungs-zentrale“ vor dem U-Bahn-Ausgang Karlsplatz in den Resselpark. Davor performen immer wieder zwei Frauen – die eine in pinker Jacke, die andere in Strümpfen derselben Farbe. Klar, es handelt sich um eine Art paradoxe Intervention, „eine Provokation, ein Schuhlöffel hin zum Bewusstsein“, wie Susanne Preissl, eine der beiden Performerinnen, zum Kinder-KURIER sagt. „Falls ihr euch fragt, was wir hier machen, wir machen das einzig Richtige, wir werden laut und öffentlich. Wir machen uns stark für die kommenden Dekaden im Kampf um Gleichstellung und Frauenrechte!“, rufen die Genannte und ihre Kollegin Eva Puchner den Umstehenden und Vorbeigehenden zu.

100 Jahre und?

100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich und wenige Tage vor Start des FrauenVolksbgehrens 2.0 (1. bis 8. Oktober 2018) sind der Aufhänger für die performance, die bis 29. September läuft (jeweils 10 bis 18 Uhr und danach Lesungen, Diskussionen, Workshops, Performances). Die beiden sowie ein ganzes Team, das für Stückentwicklung, Choreografie, Bühnenbild und Kostüme sowie Multimedia (Susanne Draxler, Gudrun Lenk-Wane, Frieda Paris, Sarah Hauber, Elisabeth Humpelstetter, Maria Brigitte Gstättner) zuständig ist, haben Container, Performance und das Abendprogramm erarbeitet.

Der Kampf um Gleichberechtigung hat Rückschritte erlebt, warum sonst müssten im neuen Frauenvolksbegehren wieder die gleichen Forderungen erhoben werden wie vor 20 Jahren. Übrigens schon 1848 – also vor 170 (!) Jahren - zogen 3000 Frauen und solidarische Männer über die Wiener Praterstraße zur Hauptallee mit der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit. Teil der Installationen rund um den Container sind sowohl Tafeln mit Porträts bekannter Vorbildfrauen, aber auch ein stilisiertes Grab für die nicht mehr (ausreichend) finanzierten Fraueninitiativen. Wobei diese Maßnahme der Bundesregierung noch ergänzt wird durch Sprüche vom Genderwahn usw.

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Von heute oder vor 100 Jahren?

Interessierte, die stehen bleiben oder sich auf die bereitstehenden Sessel setzen werden auch gebeten, an einem kleinen Quiz teilzunehmen. Die Performerinnen, die sich „Brutpflegerinnen“ nennen, fragen bei manchen Zitaten, ob sie aus der Zeit von vor 100 Jahren stammen oder aktuell sind. Zwei Beispiele:

„Wie immer sie geartet sein mag, verliert jede Organisation in den Augen sowohl männlicher als auch weiblicher Betrachter an Ansehen, je höher der Frauenanteil ist, und je bedeutender die von Frauen bekleideten Funktionen sind.“
*
Frauen werden vom „häuslichen Herd an die Wahlurne und ins Abgeordnetenhaus”“ ziehen und „politischen Zwiespalt in die Familien“ bringen.

Letzteres stammt von Ignaz Seipel (1917), ersteres aus einem von Norbert Hofer vor dem Bundespräsidentschaftswahlkampf 2016 herausgegebenen Buch.

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Wählen

Zu einer anderen Art des Mitmachens lädt eine Wahlzelle ein, in der Stimmzettel auf Mitwirkende warten. Frauenwahlrecht abschaffen oder beibehalten steht zur Abstimmung. Wählen dürfen hier übrigens alle – unabhängig vom Alter oder der Nationalität, natürlich auch jederlei Geschlechts.

diebrutpflegerinnen.com

frauenvolksbegehren

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Fotos von der Performance rund um den Container

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