Meli Ortner im Interview

© Lukas Kreč

Kiku
06/18/2019

Gelernt, auf jede und jeden individuell einzugehen

Meli Ortner, eine der Schüler_innen im Gespräch mit dem Kinder-KURIER und schauTV.

von Heinz Wagner

Wie war dieser Schultag für Sie?
Meli Ortner: Wir wussten nicht, worauf wir uns da eingelassen haben. Wir wussten nur, dass wir mit Pferden Aktionen unternehmen werden. Es hat sich dann herausgestellt, dass es sich darum dreht, wie Pferde reagieren, wie unsere Körpersprache wirkt. Das kann man halt alles auch auf seine Mitarbeiter_innen anwenden, wenn man zum Beispiel eine führende Postion innehat. Das haben wir heute alles gelernt und ausprobiert.

Haben Sie vorher schon was mit Pferden zu tun gehabt?
Nein gar nicht.

Wie war das dann so von null weg?
Interessant. Ich war nie so der Pferdefreund, hab mir immer nur gedacht hm, große Tiere. Aber wie man sieht, ich hab eine neue Liebe entwickelt. Voll süß. Dass man so gut mit Pferden arbeiten kann, hab ich nie gedacht.

Was mussten Sie am Anfang lernen, von null weg?
Vor allem das Selbstbewusste. Das wichtigste ist, dass man klar sagt, was man will, weil die Pferde machen eh alles mit. Man muss nur sagen, wie

Wie sagt man das Pferden, wenn man ihre Sprache nicht kann?
Durch Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Gestiken.

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War es leicht, da reinzukommen?
Irgendwie schon. Ich lass mich gern auf neue Sachen ein und hab mir gedacht, ich probier das jetzt einmal aus, so selbstbewusst wie möglich. Ich hab mich eben komplett drauf eingelassen und es hat voll gut funktioniert. Vor allem mit dem Sam. Der ist einer der ruhigsten und hat sofort das gemacht was wir wollten, er ist mit uns im Kreis gegangen, hat sich dann sofort auch zu unserer Gruppe dazugestellt. Der war gar nicht scheu.

Haben Sie auch mit anderen Pferden solche Erlebnisse gehabt?
Wir mussten/durften mit allen arbeiten, damit wir sehen, jedes Pferd hat wie wir Menschen, einen eigenen Charakter, lernt anders oder reagiert anders. Das heißt man muss auch individuell auf die einzelnen Pferde eingehen. Das haben wir versucht. Das hat manchmal mehr, manchmal weniger gut funktioniert. Aber im Prinzip hat’s immer gut funktioniert.

Können Sie Beispiele dafür nennen?
Panjabi ist sehr scheu, hat sehr schnell Angst, das muss man viel langsamer angehen, öfter im Kreis gehen, bevor sie zu laufen beginnt. Das war bei Sam gar nicht der Fall. Da konnten wir gleich zu laufen anfangen. Bei ihm mussten wir sonst gar nichts machen, der hat wirklich auf uns gehört.

Wie lässt sich das auf Mitarbeiter_innen übertragen, was ja das Ziel des Pferdeseminars ist?
Wir haben davor auch die Stellung, die Rangordnung der Pferde hier gehört. Und erfahren, dass der Sam der Rangoberste ist. Und die Sachen hat, die er dafür braucht, dass er dominant ist, also klar sagt, was er möchte, dass er zielbewusst ist, und dass er führen kann. Und auf jeden einzelnen eingeht. Dass er eine Kombination aus dem allen ist, das heißt, wenn wir in der Zukunft eine solche Position haben - in einer Gruppe oder bei einem Projekt, dass wir dann wissen, dass wir auf jeden individuell eingehen und dass wir jeden anders behandeln. So dass sich jede und jeder wohlfühlt.

Ist das in der Schule so, praktizieren das Ihre Lehrkräfte?
Es sollte so sein, ja, bei manchen Lehrerinnen und Lehrern ist es auch so... herzhaftes Lachen begleitet diesen Satz.