Kiku
06.12.2018

Frosch, Adler und Ausschütteln gegen den Stress

Zu Besuch bei einer Kinder-Yoga-Doppelstunde in Wien und (Eltern-)Tipps der Lehrerin gegen (vorweihnachtlichen) Stress.

Diese Sonne strahlt bunt - Matten in verschiedenen Farben liegen in Form von Strahlen auf dem Boden. In der Mitte Gurkengläser mit Watte, Trinkhalmen und Kleinzeug. Lilla, die als erste gekommen ist, hilft der Yogalehrerin Carolin ein bisschen davon herzurichten. Der Reihe nach trudeln nun die anderen Teilnehmer_innen dieses Kinder-Yoga-Nachmittags ein, den Kinder-KURIER und SchauTV (Ausstrahlungstermin ist noch nicht fix, sobald der Beitrag gesendet wurde, wird er auch in diesem Artikel eingebettet) begleiten dürfen.

Manche kommen gestresst, andere kennen den Zustand gar nicht

Raphi kommt ein wenig gestresst aus der Schule. Die schon erwähnte Lilla hat „noch nie jemanden gesehen, der Stress hat, ich weiß gar nicht wir das aussieht. Aber wenn ich wütend bin, dann streich ich alles was ich geschrieben habe im Zick-Zack durch.“ Karla nennt vor allem Autogeräusche als etwas, das sie stresst. Selbst hat Klara nie Stress, kennt das aber von den Eltern. Auch Lia gehört zu den glücklichen Kindern, für die das ein nicht gekannte Begriff ist, während Lotte lacht und sagt: „Weiß ich nicht!“

Soweit die erste Gesprächsrunde bevor es in die folgenden nicht ganz zwei Stunden Entspannung geht. Alle stehen nun im Kreis, reiben die Hände aneinander bis sie sehr warm sind und legen sich diese dann aufs Herz. Danach versuchen sie einen nicht vorhandenen Ballon aufzublasen und stellen sich –so die Anleitung der Trainerin vor, all das rein zu blasen, was sie nicht mehr brauchen oder wollen.

25 Fotos vor, nach und rund um die Yoga-Stunden

Fotos rund um die Yoga-Einheit

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Ein selbstgebastelter Schlitten...

... und ein Pilz-Mädchen

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In der Runde zeichnen und stempeln gegen Ende alle ....

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... Schneemänner ...

... und -frauen ...

...

...

...

...

Mit Trinkhalm Wattebällchen ...

... weiter blasen, als ...... wären es ...

... Schneeflocken ...

....

...

Tierisch

Solchermaßen von Ärger, möglichem Stress und Unangenehmen befreit, beginnen die Kinder mit der Lehrerin, Yogatiere aus einem Stapel von Kartonkarten zu ziehen – und der Reihe nach entsprechende Bewegungen zu vollführen – vom Löwen über einen Frosch, Adler, Tiger, Elefant und eine Robbe. Jede und jeder bleibt dabei zunächst auf der eigenen Matte und in sich ruhend in den tierischen Stellungen.

Irgendwann werden Wattestückchen zu Schneeflocken, die mit Hilfe der Trinkhalme über die Matten geblasen werden, später erobern die Yogatiere den ganzen Raum, wobei sie vor allem als Frösche voll schwungvoll ihre Runden hüpfen, weshalb der Frosch für Lotte (5) das Lieblingstier beim Yoga ist.

Bewegungs- und Ruhephasen wechseln einander ab.

Der achtjährigen Lilla macht vor allem das Ausschütteln zwischen den Übungen viel Spaß „und ich fühl mich dabei gut, weil ich mit anderen Kindern gemeinsam Yoga machen und mich ausschütteln kann.“ Diese Technik wendet sie auch in der Schule hin und wieder an, sagt sie dem Reporter. Ihre Lieblingsfigur ist der Adler, „obwohl der schwierig zu machen ist, aber ich schaff das.“

59 Fotos vom Entspannen, Tanzen bis zur "Verwandlung" in Tiere

Vom Entspannen über Tanzen bis zu Yoga-Tieren

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Entstressen

Carolin, die die Gruppe leitet, betreibt neben Kinderyoga auch Kinder-Mentaltraining und meint, beides ergänze sich gut. „Das eine kommt aus dem Yoga und das andere kommt aus der Gehirnforschung. Ich verknüpfe es. Letztlich geben sich beide sehr gut die Hände.

Mit Erwachsenenmache sie vor allem 1:1-Coaching, erzählt sie. Yoga sei mit Kindern weitaus lebendiger, „weil Erwachsenen in der Stunde sehr ruhig sind. In ihrer Mimik sieht man meistens Anspannung und erst am Ende Gelöstheit. Bei den Kindern bekommt man die Emotionen sofort. Die setzen sich dann auch hin, wenn sie keine Lust haben. Man bekommt sehr rasch Rückmeldung. So kann man sehr gut auf die Emotion oder die jeweilige Situation auch eingehen.“

Kinder-KURIER und SchauTV wollen wissen, ob Carolin Tipps für Eltern oder andere Erwachsene habe, die mit Kindern umgehen, um sie aus Stress-Situationen in entspanntere Stimmungen zu bringen.
„Was ich mitgeben kann ist, dass man Stress nicht an Kindern auslässt oder auf sie überträgt. Das ist das allerwichtigste. Wir kennen das ganz oft, dass wir von einer Situation in die nächste rauschen, das heißt wir kommen vielleicht noch am Handy zur Haustür, sperren da auf und dann läuft natürlich das Kind schon freudig entgegen und das erzeugt oft Überforderung. Bei meinen Coachings empfehle ich immer wieder, dass man ganz bewusst eine Sache beendet, also wirklich sehr achtsam in die nächste Situation startet.“

Das heißt konkret?
„Ein sehr wichtiger Tipp: Handy weglegen, weil ja die sozialen Netzwerke, Medien usw. sehr viel Information an unser Gehirn weiter leiten und diese Informationsflut ja auch Stress erzeugt. Das heißt, das Gehirn wird ziemlich vollgeballert mit Informationen und es entsteht dadurch sehr starke Aktivität im Stresszentrum des Gehirns. Es wäre also schon eine gute Sache, das Handy wegzulegen bevor man das Kind vom Kindergarten oder der Schule abholt.

Was ich auch immer wieder empfehle – damit arbeiten wir ja auch im Yoga – dass man bewusst den Atem lenkt. Das heißt, immer wenn ich merke, dass viel Spannung entsteht, kann ich drauf achten, dass ich bewusst in den Bauch einatme und dann bewusst und gleichmäßig auch ausatme. Dieses Ausatmen erzeugt viel Entspannung im Gehirn und entspannt auch die Muskulatur.

Beide Hände auf den Bauch legen und wenn möglich durch die Nase einatmet – bis in den Bauchraum und dann ganz ruhig wieder ausatmet.“

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Gibt es noch spezielle Tipps für die (Vor-)Weihnachtszeit?
„Mit Sicherheit gibt es vor Weihnachten zusätzlichen Stress - Weihnachtsfeiern, Adventmärkte, noch alle Sachen erledigen wollen, einerseits die Geschenke und dann das perfekte Weihnachtsfest. Diese Perfektion ist ja oft so ein großes Thema, was vermeintlich wichtig ist. Was ich hier auch empfehlen kann ist, sich zu überlegen, was ist mir wirklich wichtig, notwendig, und was ist vielleicht nur von außen an mich herangetragen.

Wir plagen uns oft mit den Fragen, ich sollte noch dieses erledigen oder ich sollte noch jenes erledigen. Vielleicht einen anderen Zugang zu finden. Ich finde immer Perspektivenwechsel ganz schön nach dem Motto: Wenn ich wollte, könnte ich... Dann spür ich auch gleich, ob’s mir wichtig ist und ob ich das wirklich will.“

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Infos

Am 15. Dezember (10 bis 13 Uhr) findet der Workshop „Kidspower – entspannt durch die Weihnachtszeit“ (40 Euro), ein Special für Eltern und Kinder, mit Carolin Setzer statt: https://www.facebook.com/events/297486004200799/

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