Stolz zeigen Kinder in Hosman in der Casa Paul dem KiKu, was sie eben gezeichnet haben.

© Heinz Wagner

Kiku
11/22/2018

Flughilfe für ciaoarii (Raben)

Zu Besuch in Hosman, einem Roma-Dorf in der Nähe von Sibiu (Hermannstadt) bei Projekten von Elijah. Nun auch mit zwei Videos und einem Kurzfilm über das Projekt.

von Heinz Wagner

Nur knapp eine Flugstunde von Wien entfernt liegt das rumänische Sibiu (auf Deutsch Hermannstadt), ein Zentrum des Landesteils Siebenbürgen. Vor mehr als zehn Jahren war es eine der Kulturhauptstädte Europas. Dafür wurden zentrale Teile der Stadt (rund 150.000 Einwohner_innen) herausgeputzt – und wie oft bei solchen Sanierungen angestammte Bevölkerung aufgrund steigender Wohnungspreise an den Rand gedrängt.

Noch krasser allerdings schaut’s in den Dörfern der Umgebung aus. Wasser oder Strom- und Gasanschlüsse sind selten, hungernde Kinder dafür umso häufiger. Schulbesuch ist für viele fast wie eine Reise zu einem anderen Stern.

In einigen dieser vor allem von Roma besiedelten Dörfer versucht die von Pater Georg Sporschill und Ruth Zenkert nach der Abgabe des Projekts Concordia gegründete Initiative Elijah Hilfe zur Selbsthilfe aufzubauen. „Wir gehen dorthin wo die Not am größten ist“, sagt Sporschill und so steht’s auch auf der Elijah-Homepage. Der Kinder-KURIER besuchte ihn und Einrichtungen in Hosman (Holzmengen). Ein Ort, bei dem es abends zappenduster ist, nur wenige Straßenlaternen erhellen Teile der Straße und einiger der Seitenwege. Pferdewagen sind fast so häufig wie wenige durchfahrende Autos.

Vorbereitung auf Schulbesuch

Im Sozialzentrum Casa Paul treffen wir am Nachmittag Maria, Carla, Stefan, Ana-Maria, Adi, Marija, Narcisa, Edi, Benjamin, Mirabella, Daria, Paula und Nadine, die fröhlich die einen, in sich versunken andere zeichnen. Und auf den Reporter zustürmen, um ihre bunten Bilder herzuzeigen und in die Kamera zu halten. Betreut werden sie von Isabela, einer Psychologie-Studentin und von Florin, der selbst in Bukarest im Straßenkinder-Projekt von Pater Georg Zuflucht gefunden hat und aufgewachsen ist. Die beiden bereiten die Kinder für den künftigen Schulbesuch vor.

Als es raus geht in den Garten, leben die meisten Kinder ihren Bewegungsdrang aus. Je höher es auf den Schaukeln geht, desto fröhlicher das Gelächter.

 

Musikschule

Elijah hat hier im Ort auch eine Musikschule aufgebaut, einige der jungen Musiker_innen werden diesen Sonntag (25. November 2018) mit Saxophon, Klarinette, Akkordeon, Cachon, Keyboard und nicht zuletzt Gesang ein Konzert geben: „Tsigani auf Tsack“ (siehe Infos unten).

Berufsausbildungen

Die Initiative, die seit sechs Jahren in den Roma-Dörfern – neben dem schon genannten noch in Nocrich (Leschkirch), Nou (Neudorf) und Tichindeal (Ziegental) – aktiv ist, hat in Hosman auch Lehrwerkstätten aufgebaut. In der Brutăria ( Bäckerei) treffen wir die 17-jährige Amalia, wie sie Brotteig zu bereitet. Hier wird Brot für alle in den Elijah-Projekten gebacken, und das sind immerhin gut 250 Menschen. Ein paar Schritte weiter und wir sind in der Tischlerei. Andreij, Victor, Marian, Ghitā und Georgel stellen hier alle Möbel, die gebraucht werden, her – ob Sesselchen und Tischchen für den Kinderbereich oder Betten für die Schlafräume, auch in den Gästequartieren ebenso wie Teile für die renovierte Kirche bei der oben genannten Casa Paul. Und an allen möglichen Stellen im Dorf sind hölzerne Mistkübel mit dem Schriftzug Elijah angebracht. Natürlich wurden auch diese hier angefertigt. Am Tag des KiKu-Besuchs fertigen die meisten Burschen eher filigrane Dinge an: Hölzerne stilisierte Raben.

Raben: Schlau und sozial

Die Initiative Elijah hat sich Raben, auf Rumänisch ciaoarii (Plural, in der Einzahl Cioară) als Symbole gewählt. Das hat zwei Gründe, wie Georg Sporschill dem Kinder-KURIER erklärt: Der Prophet Elijah -  im Judentum Nothelfer, im Christentum Wegbereiter für Jesus – verdankte der Überlieferung nach sein Überleben Rabenvögeln. Als Elijah dem ungerechten König die Wahrheit sagte, musste er fliehen. Er versteckte sich, Raben brachten ihm Nahrung. Auf rumänischen Ikonen ist ein Rabe das Zeichen für diesen Propheten.

„Aber gleichzeitig ist Cioară in Rumänien ein böses Schimpfwort für Roma. Dabei sind diese Vögel besonders schlau und außerdem sozial. So wollen wir damit, dass wir Raben zum Symbol für unsere Projekte nehmen, mit der Umdeutung auch das Image des Schimpfwortes wegnehmen“, erklärt der Pater nach einem kleinen Hauskonzert einiger jugendlicher Musikant_innen dem KiKu.

Apropos Raben: In einer anderen Werkstatt stellen Trajan, Jonut, Raluga, Ramona und Nowak Rabenfiguren aus Ton her. Die vielen Vogelfiguren dienen einerseits als Geschenke oder Dankeschön für Spender_innen und andererseits können solche auch gegen Spenden erworben werden.

Einen kurzen Abstecher – samt anschließender Verkostung – dürfen wir noch in der Ausbildungsstätte Hauswirtschaft machen, wo Elena und Lucina in der Küche Gemüse schneiden – nicht nur für das spätere Mittagessen, sondern auch (Un-)Mengen, die in Gläsern eingelegt werden – „für den Winter“.

Zwei kurze Lieder-Videos

Elijah
Kurzfilm über das Projekt von Pater Georg Sporschill und Ruth Zenkert

Gestaltung unsd Schnitt: Nela Pichl
Kamera: Moritz Grewenig
Sprecherin: Barbara Stöckl

Wien-Konzert

Tsigani auf Tsack - ELIJAH in Wien
Ein Abend mit feuriger Roma-Musik
25. November 2018, ab 18 Uhr
Konzilsgedächtniskirche, 1130 Wien, Lainzerstraße 138
18.30 Uhr Lainzer Jugendmesse reloaded mit P. Georg Sporschill SJ
anschließend Konzert der Schatra ELIJAH

http://www.elijah.ro

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