Symbolfoto: Gelbe Gummistiefel

© pixabay.com

Kiku
12/08/2019

Eine schreibt "Magritte", zweite denkt sich Geschichten aus

Kinder-KURIER-Gespräche mit den beiden Siegerinnen der Jugend-Kategorie, Martina Darwich und Anja Gloser.

von Heinz Wagner

Der Preis in der Kategorie für einzelne jugendliche Literat_innen wurde diesmal von der Jury geteilt (je 500 €, finanziert von der Literaturabteilung des Bundeskanzler_innen-Amts). Die beiden Gewinnerinnen: Martina Darwich für „Gelbe Gummistiefel“ und Anja Gloser, die den Text „Pflicht, Wahl oder Wahrheit“ eingereicht hatte.

In diesem beschreibt sie ein kleines Mädchen, das beschließt, in gelben Gummistiefeln durch die Stadt zu wandern. Und dabei darauf gestoßen wird, fremd zu sein.

„In der Stadt stellte man ihr die Frage, was denn an ihr so befremdlich wäre, dass man sofort erkenne, dass sie fremd sei. „Trägt denn niemand hier solches Schuhwerk?“ fragte sie. „Niemand.“ „Doch, ich. Ich stehe doch in gelben Gummistiefeln vor Ihnen.“ Das kleine Mädchen warf einen misstrauischen Blick in die Stadt, und bald darauf schienen sich alle Stadtbewohner vor ihr zu versammeln und sie mit großen Augen zu betrachten. „Du bist nicht von hier“, sagten sie. „Was bin ich dann?“ „Fremd. Eine Fremde“, die Stadtbewohner nickten und machten sich auf, denn das Spektakel war zu Ende. „Was… ist fremd? Warum bin ich das?“


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Die Idee, diese Gummistiefel als Bild fürs Fremd-Sein zu nehmen, „war plötzlich da. Ich bin so ein bisschen Magritte“, erklärt die 17-jährige Wiener Gymnasiastin (Kundmanngasse, Wien 3) dem Kinder-KURIER. René Magritte war ein bekannter surrealistischer Maler. Vielleicht kennst du das berühmte Bild einer Pfeife (zum Rauchen) unter die er – auf Französisch – geschrieben hat: „Das ist keine Pfeife!“. Es ist ja auch nur das Bild einer solchen. Lustig-/listigerweise hat er noch so ein Bild gemalt und dazu – diesmal auf Englisch – geschrieben: „Das ist eine Pfeife!“

Zurück zur jungen Autorin. Mit ungefähr 14 Jahren, so erzählt sie, habe sie mit dem Schreiben begonnen. Das war auf einer Schach-Reise – seit sie 8 ist spielt sie dieses Spiel. Bei der Fahrt zu einem Turnier sei ihr das Buch „Der kleine Prinz“ in die Hände gefallen. „Ich finde ja, das ist kein Kinderbuch. Besonders das Ende ist bestürzend“, findet die Jung-Autorin. Aber der Stil, die Art und Weise, wie Antoine de Saint-Exupéry schreibt und erzählt, hat sie angeregt, eigene Texte und Geschichten zu verfassen. „Das war aber erst mein zweiter Text, den ich für einen Bewerb eingereicht habe. Und das war noch dazu am letzten Tag der Abgabe, wo ich den mit der Post geschickt habe. Ich schreib oft und gern in der Nacht, so um 2 Uhr früh, wenn alles ruhig ist.“

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Viersprachig

Liebend gern lässt sie ihre Protagonist_innen Kinder sein. „Die haben eine andere Sicht auf die Welt und sind noch sehr neugierig und hinterfragen noch so ziemlich alles. Das gefällt mir. Und irgendwie hab ich gefunden, die gelben Gummistiefel sind auch so eine Art Symbol für Kindheit.“

„Bisher“, so Darwich „schreibe ich nur auf Deutsch, obwohl ich vier Sprachen kann – neben Deutsch noch meine zweite Muttersprache Mandarin (Chinesisch), Englisch und Französisch“.

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Pflicht, Wahl oder Wahrheit

Eine wahre Vielschreiberin ist die gleichermaßen mit diesem Preis ausgezeichnete und gleichjunge Anja Gloser. In „Pflicht, Wahl oder Wahrheit“ lässt sie Felix durch seine Freunde in eine Mutprobe hetzen. Er solle einer Mitschülerin, Mira, ihr Kopftuch runterreißen.

Das gibt natürlich Ärger – mit Lehrerin, Direktorin und zunächst nicht, aber in der Folge auch mit der eigenen Mutter.

Anja Gloser gelingt es in einer spannend erzählten Kurzgeschichte, den Alltagsrassismus zwischen SchülerInnen zum Thema zu machen“, begründete die Jury die Preisträgerinnen-Wahl und schloss mit dem verheißungsvollen Satz: „Man ist gespannt auf mehr von ihr.“

Die Schülerin der American International School (Wien-Döbling) hat schon, wie sie dem KiKu berichtet, „Romane geschrieben, aber das war das erste Mal, dass ich einen Text für einen Bewerb eingeschickt habe“. Und sie liest auch viel – ist in einem ausführlichen Interview im Buch mit allen Preistexten zu lesen, am liebsten Dystopien. Dort verrät sie auch: „Wenn ich fremde Menschen sehe, stelle ich mir vor, was sie erlebt haben könnten. Ich liebe es, mir ihre Geschichten auszudenken.“

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