Kiku
26.06.2018

Ein weiter Weg bis zur Freiheit – auch im eigenen Kopf

„Lust am Leben - was kostet die Freiheit?“ von theater.wozek weit mehr als ein „Integrationsprojekt“.

„Ich bin glücklich. Meine Gedanken sind fröhlich. Ich liebe mein Leben... eine Hand die diese Sätze mit Füllfeder schreibt wird eingeblendet. So beginnt das Stück „Lust am Leben - was kostet die Freiheit?“ von theater. wozek – das sind in diesem Fall13, vor allem junge und jüngste zu einem Gutteil sogar Neo-Schauspieler_innen.

Doch bis zum Glück, bis zur Lust am Leben, ja sogar bis dahin, dass sie die Freiheit wollen ist ein weiter Weg – über fast 5/4 Stunden. In einer Art szenischen Collage immer wieder auch untermalt von ohrwurmigen Hits von „Don’t worry“ bis „nur noch kurz die Welt retten“ finden sich elf junge Leute sozusagen in der Gewalt zweier älterer, einer oberlehrerhaften, psychologischen Leiterin und ihres Drill-Bullterriers in Militärunform.

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© Bild: theater.wozek

Weg zur Befreiung

Die elf sollen, müssen nach Plan funktionieren. Nach anfänglichem Unmut unterwerfen sie sich mehr oder minder freiwillig diesem Regime, einige tun sich gar schleimerisch hervor, um die anderen zur Disziplin zu mahnen. Das Aufseher_innen-Duo verlässt sogar den Raum, einen Spielplan hinterlassend, den nun zwei der „Insaß_innen“ – ausgestattet mit Pistolen umsetzen wollen. Irgendwann endet der Plan. Doch statt nun einfach gemeinsam einen Ausbruchplan zu schmieden, wechselt einfach die Herrschaft, in dem die einen ihre Waffen verlieren und sich andere ihrer bemächtigen. Unterdrückung im Gefängnis, in der Diktatur, in der Zwangsherrschaft statt gemeinsamen Auf- und Widerstands. Es dauert ziemlich lang, bis sie alle in ihren Köpfen so weit sind, dass sie miteinander in Richtung Freiheit aufbrechen.

Im Laufe des Stücks erzählen die einzelnen Protagonist_innen Geschichten, die mit eigenen Erfahrungen gewürzt sind – aus Ländern und Situationen, in denen sie tatsächlich ziemlich unfrei waren, weshalb sie flüchten mussten – und nun in Österreich leben. Und hoffentlich bleiben dürfen. Im Prozess der Erarbeitung dieser Theaterperformance (im Rahmen des Projektes „zusammen:wachsen - Kunst und Integration“ von Menschen mit Fluchterfahrung sowie in Österreich geborenen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund) wurde aus der Gruppe auch en emotional stark verbundenes Ensemble. Das strahlt die Produktion auch aus.

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© Bild: theater.wozek

Infos: „Lust am Leben - was kostet die Freiheit?“

Theaterperformance, die im Rahmen des Bundesprojektes „zusammen:wachsen - Kunst und Integration“ entstanden ist

Regie: Karl Wozek
Rolle/Darsteller_in/geboren in

Charlie: Tanja Troll, Österreich
Cobra: Parisa Zahedi, Iran
Exi:
Hasti Azimi, Afghanistan
Hamlet: Max Glatz, Polen
Heinz: András Sosko, Ungarn
Hepburn: Fahima Sahebzada, Russland
Jehangir: Faiz Rasuli, Afghanistan
Johanna: Julia Vozenilek, Österreich
Niemand: Helene Hütter, Österreich
Rostam: Rasoul Hosseini, Iran
Virginia: Dorna Barzegar, Iran

Olga Golightly: Ulrike Zachhuber, Österreich
Terry: Michael Pockberger, Österreich

 

Regieassistenz: Ulrike Zachhuber
Bühne: Michael Gröger
Licht: Hannes Röbisch

Wann & wo?
26./27. Juni 2018
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

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