Alle spielen, singen, tanzen bei sich zu Hause - für eine gemeinsame Musical-Serie

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Kiku
05/14/2020

Doch wir machen das Beste daraus – unsere eigene Heim-Bühne!

„Home-Stage“ – Musical-Serie – von vielen Zuhauses – zweiwöchentlich erscheinen fünf Episoden. Nun auch mit schauTV-Beitrag

von Heinz Wagner

Keine Bühne, keine Auftritte, kein Publikum, keine Kohle – so weit, so bekannt. Viele darstellende Künstlerinnen und Künstler bzw. Häuser streamen aufgezeichnete Stücke. Manche versuchen, Online-Formate zu nutzen und treten via Internet auf. Die Theatergruppe Nesterval schuf sogar ein interaktives Theater für kleine Publikums-Gruppen in jeweils gemeinsamen Online-Video-Meetings.

Am Donnerstag, 14. Mai hat Folge 1 einer Musical-Serie – jeweils 20 bis 25 Minuten - Premiere. Online ausgestrahlt – auf YouTube, Vimeo, Facebook und Instagram; produziert via Zoom und Skype: „Home-Stage“.

Realer Proben-Besuch

Der Kinder-KURIER und schauTV durften bei den Proben einer Szene in Episode 2 zuschauen und in einer Probenpause Interviews führen – mit Regisseur, Autor und einigen der Darsteller_innen. Dazu begaben wir uns in den Wiener Probenraum von Regisseur Gernot Kranner in der Nähe des MuTh (Muusiktheater am Augartenspitz).

Hinter einem roten schmalen Theatervorhang verstecken sich die Requisiten vor allem seiner Kinderstücke, mit denen er derzeit natürlich auch nicht touren kann. Davor hängen großformatige Frauenbilder der Malerin Dina Larot.

Der Regisseur klappt seinen Laptop auf, nach und nach erscheinen eine Darstellerin und mehrere Darsteller sowie der Autor von „Home-Stage“ auf dem Monitor – in ihren jeweiligen Wohnzimmern – von Hamburg bis Wien. Bei dieser Probe haben nicht alle Zeit, drum spricht Gernot Kranner hier in der Leopoldstadt die Texte für jene, die an diesem Tag verhindert sind.

Episode 2, Szene 3, Take 1 bis 3

2. Folge, 3. Szene Take 1, später 2 und noch eine 3. Aufnahme dürfen wir mitverfolgen – und zwar die Sprech-Passagen. An diesem Nachmittag stehen keine Songs und ebensowenig Tänze auf dem Probenplan.

Der strenge Regisseur – und zwar jener im Stück, übrigens mit Reinwald Kranner der Bruder des in diesem Fall echten Regisseurs – gibt eher zackig die Anweisungen, um sich auch möglichst rasch wieder zu verabschieden – sorry, Interviews und andere Termine. Probt schön allein und „Texte lernen!“

Brot-Job

Als er die nächste Probe ankündigt, meldet sich der Joe-Darsteller (Philipp Fichtner) nach dem Abgang des Regisseurs fast zaghaft, dass er nicht so viel Zeit für Proben von Texten und Choreo habe, weil er arbeite.

„Ay, wow, du hast ein Engagement?“, fragt Sam (Chris Green) erstaunt.

„Ja - meine Rolle heißt: Regalschlichter! Und einmal in der Woche: Cover Wursttheke!“, so Joe.

Nah am Leben

Die Grundstory (siehe Info-Block) ist aus der Corona-bedingten Arbeitslosigkeit von vor allem darstellenden Künstler_innen geboren und teils fast aus dem wahren Leben gegriffen, wie sich die eine oder der andere über Wasser halten muss. Die einzelnen Episoden – geplant sind fünf – werden im Zwei-Wochen-Rhythmus veröffentlicht und von Autor Thomas Neuwerth jeweils erst zeitnah geschrieben, „so dass wir auf aktuelle Entwicklungen und Stimmungen eingehen, sie ins Stück aufnehmen können“.

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15-Jähriger spielt schon sein halbes Leben

Übrigens spielt und singt auch ein ganz junger Musical-Darsteller mit: Jonas Tonnhofer ist 15 und spielt Tonio. Er ist sozusagen „nur“ der kleine Bruder von Joe, einem der Darsteller des nun zwangsweise online stattfindenden „Workshops“, um die geplante Produktion des Musicals irgendwie vielleicht retten zu können. Er drängt sich aber immer wieder ins Bild, will er doch selbst Musical-Darsteller werden – so die Story.

In echt spielt er schon gut sein halbes Leben auf Bühnen. Mit sieben Jahren, so erzählt er im Interview mit Kinder-KURIER und schauTV, „hab ich in einem Stück im Akzent-Theater mitgespielt, gesungen hab ich schon immer, ich war dann im Chor der Volksoper und hab schon in vielen Stücken gespielt und gesungen – in der Volksoper ungefähr elf Stücke – und zuletzt in der Bühne Baden den Prinzen Chulalongkorn im Musical „Der König und ich“, eine sehr große Rolle.

Jonas Tonnhofer besucht die Oberstufe im Gymnasium der Wiener Sängerknaben, weiß nur, dass ab Präsenz-Unterricht „Chor nicht stattfinden wird, weil auch die Schüler aus vielen anderen Ländern noch gar nicht da sein werden, aber selbst ob es Stimmbildung geben wird, steht noch nicht fest.“ Eine Schule deren ganzer Schwerpunkt ausfällt?

Obwohl Tonnhofer der jüngste ist und mit sich selber fürs Internet zu filmen sicher vertrauter ist als andere, „war es für mich schon ungewohnt so zu spielen und singen und mich dabei aufzunehmen. Aber ich denke, für mich als so junger Mensch war’s wahrscheinlich am ziemlich einfachsten, auch weil ich mich selber für Kamera und Fotografieren interessiere, ich hab auch eine Profikamera und Licht und alles was man so für gutes Filmen braucht.“

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Herausforderung: Technik

Das war die für alle Beteiligten wahrscheinlich größte Herausforderung: Sie trafen einander nur online, aber jede und jeder musste sich zu Hause auch beim Spielen, Singen und Tanzen selber aufnehmen – und nebenbei die Aufgaben von Kameramensch, Ton und Lichttechnik übernehmen. Das Ergebnis sollte ja eine professionelle Produktion werden und keine Serie von Amateur-Home-Videos.

Die beiden „Regisseure“ – der echte und der Darsteller eines solchen in der Serie – schildern in den Interviews, dass die Technik die größte Herausforderung (gewesen) sei. Vom richtigen Licht und Ton, für den im Normalfall ja andere, nämlich Profis auf diesen Gebieten, zuständig seien bis zum sich selber Filmen.

pg

Aus der Not eine Tugend

Die Ursprungsidee sei von der Komponistin der Songs gekommen: Katrin Schweiger aus München, die gerne verschiedene Genres von Film- über klassische Konzertmusik bis hin zu populärer Rock-/Pop-/Jazz Musik verbindet, so der Autor Thomas Neuwerth. Gernot Kranner schildert, dass viele Kolleg_innen und er, die unter den Nicht-Auftritten litten und leiden. Sich das aber nicht „nur“ auf die finanzielle Situation beschränke. Viele wollten und wollen dennoch künstlerisch was tun. Die Idee war da – eben die eigene Situation darstellender Künstler_innen aufzugreifen und in eine Geschichte verpacken, sie spannend zu gestalten – unterschiedliche Charaktere samt den Dynamiken, die sich daraus ergeben - das Team schnell gefunden – trotz Zero Budget. Man hoffe schon auf Spenden - auf die jeweils auch im Abspann bzw. auf der Homepage hingewiesen werde.

„Und irgendwie ist schon die Hoffnung da, wenn die Corona-Zeit vorbei ist, dass wir uns dann alle auf einer Bühne vor Publikum treffen“ (Gernot Kranner) – und vielleicht die Online-Serie eine analoge-Live-Fortsetzung findet…

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Home-Stage

Eine Produktion. Ein Regisseur. 6 Musical-Darsteller*innen und potentielle Stars - und Corona. Wie könnte man die Show retten? Na klar! Durch einen Video-Call-Workshop! Die Online-Musical-Serie zu Zeiten der Isolation.

Wer macht was?

Musik, Song-Texte, Co-Produktion: Katrin Schweiger
Buch, Songtexte, Co-Produktion: Thomas Neuwerth
Regie, Songtexte: Gernot Kranner

Choreografie: Barbara Castka

Darsteller_innen:
Regisseur: Reinwald Kranner
Debby: Nicole Rushing

Peter/Cake: Andre Haedicke
Timmy: Nick Körber
Sam/Samantha: Chris Green

Marie: Sarife Afonso
Joe: Philipp Fichtner
Tonio: Jonas Tonnhofer

Schnitt: Maike Niermeyer
Ton, Musikmischung und Titelanimation: Johannes Seip, Justin Lehmann-Friese
Grafik: Melanie Marquardt
Bühnenbilder (in der Wohnung des Regisseurs): Dina Larot
Regieassistenz: Helmut Karner

Produktionsassistenz: Paula-Kristin Friebel, Jasmin Hawlicek, Mario Ruschel

Wann? Und wo?

Erste Online Ausstrahlung:  Donnerstag, 14. Mai 2020, 20 Uhr
Folge 1 - Wie alles begann oder: Wenn dir das Leben Zitronen schenkt …
Corona - Alle Aufführungen abgesagt - Lockdown

Neue Folgen erscheinen alle 2 Wochen
Auf YouTube, Vimeo, Facebook und Instagram

Die Episoden sind nach der jeweiligen Premiere über diese Kanäle bzw. über die Homepage nachzuschauen

Homestage-musical.eu

Spenden
Nach jeder Folge sowie über die Homepage sind Spenden für die allesamt ohne Gage agierenden Mitwirkenden erbeten. Diese werden zu gleichen Teilen auf alle – egal ob im Vorder- oder im Hintergrund tätig – aufgeteilt.

Sechs Musicaldarsteller*innen sollten einander bei den Finals einer Audition zu einem neuen Musical treffen, einer Uraufführung, über die bereits einiges spekuliert wurde, aber noch nichts Genaues bekannt ist. Einzig der Titel ist bekannt: „Home-Stage“.
Was die Künstlerinnen und Künstler betrifft, so kennt man einander, wie man einander eben im Musical-Business kennt, von diversen Intendanten-Vorsingen, vielen Auditions und der einen oder anderen Premierenfeier. Nicht jede und jeder liebt die und den jeweils anderen.
Dann kommt Corona und nichts ist mehr so wie vorher. Ab sofort gilt Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkung. Der Regisseur bekommt, ein wenig gegen seinen Willen, von den Produzenten die Vorgabe, einen Online-Workshop, der einmal wöchentlich stattfindet, abzuhalten, um die Produktion zu retten. Voraussetzung für die sechs, um eine Chance zu bewahren, irgendwann einmal auch in dem Stück auf einer Bühne zu stehen, ist also, dass man einander alle zwei Wochen via Video-Konferenz trifft und gemeinsam einen neuen Song einstudiert und einander besser kennen lernt.
Ein möglicher Job also für die Zeit danach, auch wenn es bis dahin schwierig ist. Also lassen sich alle sechs darauf ein. Was ist schon dabei, sich einmal in der Woche über Skype zu sehen und gemeinsam zu proben und ein wenig besser kennen zu lernen?

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gedreht von Raffael Iancu