Arkadi Jeghiazaryan scannt das Skelett-Bild auf dem T-Shirt von Sebastian Sinko und "belebt" es mit dem Innenleben des Körpers - beim Pitch in der Puls4-Show "2 Minuten - 2 Millionen"

© Puls 4/ Gerry Frank

Kiku
03/26/2020

Bildungsrevolutionär belebt digital analoge Schulbücher

Früherer „SAG’S-MULTI!“-Sieger als Jungunternehmer gewinnt bei „2 Minuten 2 Millionen“ Investoren.

von Heinz Wagner

Arkadi Jeghiazaryan hält die Kamera seines Smartphones auf das T-Shirt seines Kompagnons Sebastian Sinko. Auf dem Leiberl ist ein Teil eines menschlichen Skeletts aufgedruckt. Die App Areeka, die er mit seinem Team entwickelt hat, gestartet und – auf dem großen Monitor, der besser sichtbar macht, was auf seinem Handy-Screen zu sehen ist, beginnt sich das Skelett zu „beleben“ – die inneren Organe von Herz bis zu Leber, von Lunge bis zu Milz usw. werden sichtbar. Weiter rein-zoomen und du siehst, was sich im Inneren der Organe und eines –beliebigen menschlichen Körpers so abspielt.

So demonstrierte der junge Unternehmer den Investor_innen von „2 Minuten 2 Millionen“ der TV-Serie auf Puls 4, eine der Kern-Erfindungen des Unternehmens Amlogy: Lehr- und Lerninhalten digital bildhaft und lebendig erweitern, besser bekannt unter dem „neudeutschen“ Begriff Augmented Reality (erweiterte Wirklichkeit). Die Anfangsbuchstaben dafür ergeben auch die ersten beiden des Namens der App. Die zweite Hälfte des Produktnamens leiteten die Gründer vom griechischen Jubelausruf „Heureka“ (auch Eurika) ab. „Ich habe (es) gefunden“ heißt dies. Genau das soll Archimedes ausgerufen haben, als er in der Badewanne sitzend, das Prinzip des Auftriebs entdeckte. Dass Körper Wasser verdrängen und dadurch schwimmen wird seither – vor mehr als 2200 Jahren - auch archimedisches Prinzip genannt.

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Bilder sagen mehr als Tausende Worte

Von da gibt es auch einen engen Bezug zu den Erfindungen des Teams um Arkadi Jeghiazaryan. Weil er und sein Bruder – die Familie war vor ca. zwölf Jahren aus Armenien nach Österreich geflüchtet – anfangs mit exakt null Deutschkenntnissen planlos vor Schulbüchern gesessen sind, kamen die beiden nach der Schule auf die Idee, analoge Schulbuch-Inhalte mit digitalen, bewegten 3D-Bildern zum Leben zu erwecken.

„Bilder sagen mehr als 1000 Worte“, zitiert Jeghiazaryan oft und gern ein geflügeltes Wort. „Das hätte uns damals sicher sehr geholfen“, meint er rückblickend. Aber nicht nur jenen Schülerinnen und Schülern, die die Sprache (noch) nicht so gut können, auch allen anderen Sehenden erschließen sich animierte, dreidimensional über dem Buch schwebende Inhalte viel leichter. Die Animationen beschränken sich aber nicht nur auf Bilder. Erzählungen und Schilderungen sprechen auch auditive Lerntypen an.

Da muss der Firmengründer nicht viel erklären, das leuchtet ein – allen, denen er davon erzählt, jenen noch mehr, die Mathe-Lehrbücher, Themenhefte „Licht und Wasser“ oder die „interaktive Reise ins Alte Ägypten“ zu betrachten beginnen. Ein Schulbuchverlag (Lemberger) ist mittlerweile Partner des Unternehmens.

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Multi-Talent

Arkadi Jeghiazaryan hatte übrigens schon nach rund fünf Jahren in Österreich am mehrsprachigen Redebewerb „SAG’S MULTI!“ – erfolgreich – teilgenommen. Mit Armenisch und Deutsch war er im Schuljahr 2012/13 einer der rund eineinhalb Dutzend Sieger_innen. Damals hatte er noch andere (berufliche) Pläne: Jus studieren und vor allem mit der gemischten Musikgruppe – armenische und österreichische (Volks-)Musik – kulturell Völkerverbindendes zu leisten.

Das Studium hat er bald ruhend gestellt, nachdem er und sein Bruder diese Idee der erweiterten Realität vor allem für Lehrinhalte hatte. Das System, die Technologie lässt sich aber auch von Unternehmen für ihre Produktpräsentationen verwenden – setzt Amlogy, so der Name des Unternehmens, auf ein weiteres wirtschaftliches Standbein.

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Bildung revolutionieren

„Wir haben damals einen Mehrwert gesehen, die Bildung mit diesen Tools zu revolutionieren, Inhalte sprachunabhängiger darzustellen. Das sind Dinge, die mein Bruder und ich gut gebrauchen hätten können, als wir nach Österreich gekommen sind. Damit wollten und wollen wir einerseits was zurückgeben und andererseits wollte ich immer schon etwas bewegen, revolutionieren, ein Superheld werden.“

Die Kenntnisse der armenischen Sprache und Kultur führten auch zu den ersten internationalen Kooperationen. Die Ideen der Brüder Jeghiazaryan wurden von Programmierer_innen in einem Büro in Armenien umgesetzt. „Die Technik haben wir nun in Wien sozusagen inhouse neu entwickelt.“ Heute ist Amlogy über die halbe Welt verteilt. Das Team aus zwölf Leuten arbeitet aus unterschiedlichsten Ländern – meist ohne analoge Live-Begegnung. Insofern ist die jetzige Isolations-Phase keine große Neuerung und schon gar keine Herausforderung. Lediglich das Kernteam in Wien hat sich nun auch vereinzelt in die Home-Offices begeben, erzählt Arkadi Jeghiazaryan dem Kinder-KURIER. Der Bruder hat sich aus der Firma zurückgezogen und sich der Familiengründung gewidmet.

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Erweiterung

Im September 2017 begannen sie mit dem Unternehmen und Testphasen von Unterrichtsmaterial in Schulen. „Aber seither hat sich viel getan, wir haben unsere Produkte weiterentwickelt. Jetzt setzen wir vor allem auf unser Web-basiertes Studio auf unserer Homepage. Ganz ohne Programmierkenntnisse können alle eigene 3D-Modelle entwickeln und sie beleben.“

Ein gescanntes oder anderes Foto kann im virtuellen Studio, das ähnlich wie gängige Bildbearbeitungsprogramme funktionieren, plastisch animiert werden. Ohne eine App runterladen zu müssen, einfach über das Weitersenden des Url, also der Webadresse, kann dies dann auch verschickt, geteilt usw. werden. Dieser Weg – weg von App hin zu web-basiert – so erzählt Arkadi Jeghiazaryan sei übrigens ein Trend auch großer Unternehmen.

In der Beta-Version des Studios können – natürlich mit eingeschränkten Möglichkeiten – nach einer Registrierung kostenlos Modelle im Studio sozusagen augmented werden.

Im Bildungsbereich, so Arkadi Jeghiazaryan zum Kinder-KURIER, werden nicht zuletzt viele Inhalte in Minecraft-Welten erstellt – von Lehrenden und Schüler_innen. Er nennt u.a. einen von einem Pädagogen via Twitter ausgehenden Aufruf zu einer Challenge, nachdem er unser Tutorial auf der Website gesehen hat.

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Home-Office, Home-Schooling

Natürlich, wie könnte es anders sein, kommt im Interview mit dem Jungunternehmer und Bildungsrevolutionär auch die Rede auf die jetzige Corona-bedingte Home-Schooling- und –Office-Phase.

„Als Unternehmen ist das für uns eher eine kleinere Umstellung, weil wir über unsere über die Welt verstreuten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohnehin schon lange vernetzt internetbasiert arbeiten. Aber wir merken aufgrund höherer Zugriffszahlen auf unsere Angebote einerseits und die Diskussion über digitales unterrichten und lernen andererseits, dass jetzt auch viel intensiver der Sinn der Kombination von analog und digital im wahrsten Sinn des Wortes begriffen wird.“

Apropos analog: „In Normalzeiten musiziere ich nach wie vor mit meiner Familie oder wir auch hin und wieder in unserem Wiener Büro.“

Übrigens: Zwei der fünf Inverstor_innen der Show stiegen ein und beteiligen sich nun am Unternehmen Amlogy und seinem Produkt Areeka.

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