© Integral, ÖDKH

Kiku
01/24/2019

Acht von zehn halten Bildung im Kindergarten für wichtig

Umfrage in Kooperation mit ÖDKH: Gute Elementarbildung ist Voraussetzung für hohes Bildungsniveau der Gesellschaft.

von Heinz Wagner

Fast die Hälfte (48%) der Teilnehmer_innen einer Online-Umfrage halten die Vermittlung von Bildung bereits im Kindergarten für sehr wichtig, ein weiteres Drittel (33%) für eher wichtig. Damit schreiben vier von fünf Befragten der Elementarbildung einen hohen Stellenwert zu. Frauen halten Bildung im Kindergarten für wichtiger als Männer; in den östlichen Bundesländern ist deren Bedeutung höher als im Westen Österreichs, ebenso in größeren Städten gegenüber kleinen Orten.

In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Berufsverband der Kindergarten- und HortpädagogInnen (ÖDKH) hat das Marktforschungsinstitut Integral 1.000 Personen repräsentativ für die österreichische Bevölkerung zwischen 16 und 69 Jahren zu diesem Thema befragt. 

Der erste „Tag der Elementarbildung“ (24. Jänner ist der Gründungsgeburtstag des ÖDKH) vor einem Jahr scheint die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert zu haben: Deutlich mehr Befragte halten Bildung bereits im Kindergarten für sehr wichtig (48% gegenüber 39% vor einem Jahr).

Sprachförderung, Kleingruppen und Emotionen sind großgeschrieben

Mit Elementarbildung wird in erster Linie die Förderung der sprachlichen Entwicklung verbunden: zwei Drittel halten das für sehr relevant; Vermittlung mathematischer Fähigkeiten wird hingegen nur von jedem siebenten Befragten für wichtig erachtet.

Neben der Förderung der kognitiv-intellektuellen Fähigkeiten erwarten sich die Befragten auch, dass der Kindergarten die emotionalen Fähigkeiten der Kinder fördert und dass Kinder im Kindergarten eine emotionale Beziehung zu ihrer Bezugsperson entwickeln. 41% stimmen hier sehr, weitere 52% eher zu. Insbesondere Höhergebildete unterstützen diese Aussage.

Um die Jüngsten in jeder Hinsicht gut fördern zu können, sind sich die Befragten auch stark einig, dass Gruppen im Kindergarten klein gehalten werden sollten, d.h. maximal 15 Kinder pro Gruppe. 57% stimmen dieser Aussage sehr zu, weitere 35% stimmen eher zu. Frauen und Personen über 50 finden Kleingruppen besonders wichtig.

Gespalten ist die Bevölkerung hingegen bei der Frage, ob Kinder von heute besser gebildet sind als vor 30 Jahren. 52% stimmen sehr oder eher zu, 48% lehnen sehr oder eher ab. Besonders überzeugt von der guten Bildung der heutigen Kinder sind Personen unter 30 Jahren.

Gesellschaft profitiert von guter Elementarbildung

Nach Ansicht der Befragten profitiert die Gesellschaft in hohem Ausmaß von guter Elementarbildung: Am stärksten (64% Zustimmung) wirkt sich das auf das generelle Bildungsniveau aus. Fast ebenso viele Personen (58%) sind der Ansicht, dass erfolgreiche Elementarbildung die Sozialkompetenz zukünftiger Generationen fördert. Die Hälfte schließlich erwartet sich positive Effekte auf Integration und Chancengleichheit. „Das zeigt sehr deutlich, dass die Bevölkerung die Bedeutung einer fundierten Elementarpädagogik und deren positive Auswirkung auf die gesamte Gesellschaft mittlerweile erkannt hat.“, so Martin Mayr, Mitglied der Geschäftsleitung von INTEGRAL, die die Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Berufsverband der Kindergarten- und  HortpädagogInnen durchgeführt hat.

Raphaela Keller, Vorsitzende des ÖDKH, ergänzt: „Diese Studie bestätigt das Engagement des ÖDKH um viel mehr Bewusstmachung in der Gesellschaft über diese so wichtigen jungen Jahre der Kinder für einen nachhaltigen Bildungsweg. Bei der Bevölkerung ist der Mehrwert der Elementarbildung in den Elementaren Bildungseinrichtungen sowie nötiger Rahmenbedingungen offensichtlich gut angekommen. Daher stellt sich leider weiterhin die Frage, wann dieses Wissen bei Entscheidungstragenden ankommt und entsprechend der Erkenntnisse von Wissenschaft und Praxis investiert wird.“

Forderungen

Der ÖDKH fordert daher weiterhin massive Reformen im Elementaren Bildungsbereich. Junge Kinder sind lernbereit, neugierig und entwickeln sich vor allem in den ersten Jahren rasant. Um diese Chancen nützen zu können, brauchen alle Beteiligten in elementaren Bildungseinrichtungen Bedingungen, die eine effektive Bildungsarbeit fördern anstatt behindern.
Auch diese ÖDKH-Forderungen gelten seit vielen Jahren:
- 15 Kinder mit zwei anwesenden PädagogInnen
- 4m2 pro Person im Gruppenraum
- 20% der Arbeitszeit für Vor- und Nachbereitungen
- österreichweite Qualifikationen für Leiter_innen und assistierende Mitarbeiter_innen

Auch private Träger wollen: Gleiche Bildungs-Chancen für alle Kinder!

Anlässlich des Tags der Elementarbildung fordert der Zusammenschluss privater Trägerorganisationen ein bundesweites Rahmengesetz für die Kinderbildung und -betreuung. Nur österreichweite Qualitätsstandards, verbesserte Rahmen- und Arbeitsbedingungen für die Pädagoginnen und Pädagogen und ein nachhaltiges Finanzierungskonzept können vergleichbare und bestmögliche Bildungschancen für alle Kinder in ganz Österreich sicherstellen.

Unter dem Namen „Auftrag Bildung. Trägerinitiative Kinderbetreuung“ haben sich BÖE (Bundesverband österreichischer Elternverwalteter Kindergruppen), Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Kinderfreunde, St. Nikolausstiftung und Volkshilfe zusammengeschlossen, um ihre Positionen im Bereich der Elementarbildung gemeinsam zu vertreten. Die Plattform fordert von der Bundesregierung ein verbindliches Rahmengesetz für elementarpädagogische Einrichtungen in ganz Österreich zu erarbeiten.

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