Kiku 10.06.2018

Bemühter Versuch, ein Märchen neu zu erzählen

Bildmontage: KiKu © Bild: Commons.wikimedia.org/ Pixabay.com/ Olivier Ligens/ Pxhere.com

„Asche“ – Aschenputtel mit Super- und Bat(wo)man samt Videos im Keller eines alten Museums bei SOHO Ottakring.

Beim Eingang zum einstigen elektropathologischen Museum im Ottakringer Sandleitenhof steht versteckt eine Frau, die Schauspielerin und Künstlerin Elisabeth Bakambamba Tambwe in Super(wo)man-Kostüm samt Kopfmaske. Ein bisschen verschreckt reagieren die Kinder, die an diesem Samstagnachmittag zur Premiere bei der Veranstaltungsreihe SOHO in Ottakring gekommen sind. Die Besucher_innen werden auf eine Reise „nicht mit dem Flugzeug, Boot ..., sondern zu einem Spaziergang“ eingeladen. Der startet im Stehen. Auf den Stiegen beginnt eine „Schutzfee“, die Künstlerin Camille Chanel, die Geschichte „Asche“ vorzulesen, „die wahre Geschichte von Aschenputtel“, einem der Märchen aus der Sammlung der Gebrüder Grimm.

Und die geht so: Ein Mann lebt in einer reichen Villa, seine Frau ist vor Jahren gestorben, hat ihm aber eine gemeinsame Tochter hinterlassen. Für sie engagiert er eine Hauslehrerin. Die ist schlau, lieb und obendrein schön. Die Tochter verkuppelt den Vater mit ihr. Gemeinsam ziehen die drei in den Norden, woher die Lehrerin gekommen war.

Videos

Nach der vorgelesenen Einleitung geht’s gemeinsam hinunter in den Keller, wo ein Video an die Wand gebeamt wird – eine wackelige, schnelle Kamerafahrt durch die Außenregion einer afrikanischen Stadt ( Senegals Hauptstadt Dakar).

Dazwischen taucht die Superwoman nun als Bat(wo)man auf und später im Kostüm einer verhutzelten, bösartigen alten Frau. Die ist auch im Video zu sehen. Es handelt sich um die neue Ehefrau, vormalige Hauslehrerin – sie zeigt nun offenbar ihr wahres Gesicht. Sie hat hier vier eigene Töchter, die sie bevorzugt behandelt. Die „Stieftochter“ vergattert sie zu sklavenähnlicher Hausarbeit. – Auch den zuschauenden Kindern wird solche angetragen. Spontan lehnt dies eines der Kinder ab.

Doch statt diese Spontaneität aufzugreifen, erfolgt ein recht plakativer und ziemlich abgehobener Aufruf zu Widerstand und Klassenkampf, ungefähr so entfernt wie der Einladungstext zur „interaktiven, performativen Lesung“. In dem heißt es unter anderem: „ethnographische Märchenbearbeitung, bei der Kinderbuch-Stereotypen aufgebrochen und herkömmliche Narrative substituiert und verfremdet werden...“

Böse "Stiefmutter"

Wobei ein wesentlicher Erzählstrang samt klassischem Stereotyp genauso verläuft und zementiert wird wie bei den Grimms: Böse Stiefmutter auf die der Vater reinfällt und seiner Tochter offenbar –warum auch immer - nicht beisteht.

Im Video ist nun das Palmenhaus in Schönbrunn zu sehen – samt ausgesprochener Einladung zu einem Ball – für alle Besucher_innen. Es folgt die Verfolgung einer schnellen Video-Fiakerfahrt zum Fest durch den Schlosspark. Krepppapier-Schleifen mit Löchern für die Augen werden zu Masken für die Kinder im Veranstaltungssaal. Es darf getanzt werden – hier kommt doch gelöste, Stimmung auf. Einer der Schuhe, die die Kinder zuvor ausgezogen haben, um auf Sitzpölstern den Videos und der Erzählung zu folgen, wird heimlich „entführt“. Doch der Bub, dem der gehört, will keinesfalls Aschenputtel sein. Eine Besucherin „opfert“ sich, bekommt feinen Stoff als Kleid umgehängt, alle dürfen sich eine Süßigkeit aus einem Korb nehmen und die böse Frau wird verstoßen, muss nun zwischen Sträuchern im Schlossgarten wohnen ...

 

Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Asche – Eine ethnografische Märchen-Reinterpretation im Kontext der Globalisierung
Was Performative Lesung

Elisabeth Bakambamba Tambwe und Camille Chanel

Altes Museum: 1160, Gomperzgasse 1–3

15. Juni 2018, 17 Uhr

http://www.sohoinottakring.at/2018/05/asche

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( kurier.at ) Erstellt am 10.06.2018