Daniel Geronimo Prochaska, Regisseur von "Das schaurige Haus"

© Heinz Wagner

Kiku
08/07/2019

Alle Jobs beim Film durchlaufen – jede und jeder ist wichtig

Daniel Geronimo Prochaska begann schon als Kind zu drehen – Stop-Motion-Filme mit Star-Wars-Figuren und später Musik-Videos.

von Heinz Wagner

Ausführliches Gespräch mit dem Regisseur von "Das schaurige Haus", Daniel Geronimo Prochaska.
Wie bist du zu diesem Filmprojekt gekommen, was hat dich daran gereizt?

Die Monafilm hat mir diesen Film vorgeschlagen und das Drehbuch zum Lesen gegeben. Ich hab es sofort spannend gefunden, weil es mich auch an Filme erinnert hat, mit denen ich aufgewachsen bin – an Coming-of-Age-Geschichten, Grusel- und Abenteuerfilme. Die hab ich damals gemocht und mag ich heute noch.

Das Drehbuch hab ich deswegen gut gefunden, weil die Figuren gut beschrieben und klar erkennbar sind, es ist ein tolles Drehbuch. Aber wir haben die Figuren dann doch älter gemacht. Erstens ist der Hendrik damit jetzt in einem richtigen Coming-of-Age-Alter und auch Ansätze erster Liebe mit Ida können mitschwingen. Außerdem ist es beim Drehen einfacher, Darsteller über bestimmten Altersgrenzen zu nehmen, León ist 17, wäre er unter 16 hätten wir jeweils nur wenige Stunden pro Tag mit ihm drehen können.

Für mich war beim Lesen des Jugendromans vor allem die Frage der Neuen, Fremden im Dorf, die angefeindet werden, ein wichtiges Thema, wie war/ist das für dich?
Natürlich ist das auch ein großes Thema, dieser Culture Clash. Der ist bei uns ja noch größer als im Buch. Dort zieht die Familie nur von einer deutschen Stadt in ein anderes deutsches Gebiet zwar auch mit einer ganz anderen Sprachfärbung, aber bei uns von Deutschland in das südlichste Stückerl in Österreich wo man gerade noch Deutsch versteht.
Das Thema Fremde, Ausgrenzung fließt mit ein, ist heute sicher noch wichtiger, der Culture Clash ist heute noch ein größeres Thema als bei Erschienen des Romans (erstmals 2011).

Außer den anderen Orten und den älteren Brüdern gibt es noch weitere Änderungen im Drehbuch gegenüber dem Buch, auch sogar gegenüber dem Drehbuch, weshalb?
Ja, an der alleinerziehenden Mutter bin ich „schuld“. Das hängt auch damit zusammen, dass im Film manche Geschichten nicht so auserzählt werden können. So hat sie als Geologin einen Grund, weshalb sie wegen des Jobs mit ihren Kindern hierher übersiedelt.

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Der Tod des Vaters der beiden Brüder ist im Drehbuch so kryptisch angelegt, dass es vielleicht auch Selbstmord sein hätte können?
Das wollten wir eben nicht. Im Film wird das in einer Szene von Hendrik auf Nachfrage von Ida klarer angesprochen, dass er bei einem Unfall gestorben ist. Das war übrigens auch eine Teamarbeit mit den Betreuer_innen der Kinder am Filmset.

Wir nehmen aber auch Bezug zum Beruf des Vaters, der war Pressefotograf und Hendrik hat eine Leidenschaft für Fotografie, noch für die analoge. Da bauen wir einerseits eine Brücke zur Generation Instagram und zeigen, dass es davor auch was gab. Vor allem aber brauchen wir die analoge Fotografie, weil sich nur damit Geister festhalten lassen.

Waren/sind der Dreh mit den Geistern, jener mit den Schnecken und der in der Höhle, wo es gefährlich wirken muss, aber ja niemand in Gefahr kommen darf besondere Herausforderungen?
Die lebendigen Schnecken kriegst du ja nicht leicht dazu, dass sie immer dann, wenn du das willst, von A nach B kriechen. Bei den Schnecken haben wir auch zwei, drei Shots mit digitalen Schnecken von den Leuten, die Special Effects machen. Ziel war, dass auch diese wie echt wirken. Die machen das so gut, dass es nicht auffällt.

Bei den Geistern arbeiten wir mit Masken und wir drehen diese Szenen doppelt – einmal vor Green-Hintergrund und einmal transparent.

Einen Teil der Höhlenszene, die mit dem Abrutschen haben wir im Studio gedreht – mit Doubles und mit den echten Kindern. Das ist schon eine Herausforderung. Aber dadurch, dass ich vom Schnitt komme, weiß ich schon vorher, was man wie über den Schnitt lösen kann, ohne zu betrügen.

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Welche Geschichten hast du als Kind oder Jugendlicher selbst gern gelesen oder geschaut?
Ich bin auf jeden Fall mit Filmen von Steven Spielberg oder George Lukas aufgewachsen. Mit vier Jahren hab ich E.T. gesehen. Der hat meine ganze Kindheit geprägt. Wir hatten zu Hause so ein Wäschekammerl wie im Film. Da hatte ich immer Angst, dass da E.T. drinnen ist. Ich hab mich sehr für Fantasy und Science-Fiction, aber auch Gruselfilme interessiert wie „Die Goonies“, „Vier Freunde“ oder „Stand by me“, einen untypischen Stephen King. Da bin ich oft richtig reingekippt. Das hat mich immer schon fasziniert. Das schau ich auch jetzt noch gerne.

Ich hab aber nicht nur Filme geschaut, ich war auch viel in der Natur, im Wald.

Wie bist du zum Filmen gekommen, hast du schon als Kinder gedreht?
Als Kind hab ich Stop-Motions-Filme mit meinen Star-Wars-Figuren und Dokumentationen von Ereignissen gedreht noch mit Kassetten-Kameras. Später hab ich versucht, alles zu digitalisieren und mitunter auch falsch kopiert, aber dabei auch schon einiges gelernt. Ich hab auch Musikvideos inszeniert und selber geschnitten.

Nach und nach hab ich beim Film so alle Bereiche und Jobs gemacht – vom Beleuchter bis zum Praktikanten. Das hat mir mein Vater (Regisseur Andreas Prochaska, dessen erster Kinofilm übrigens auch ein Kinderfilm war: "Die 3 Posträuber") auch geraten: „Schau dir alles an, schau, dass du alles weißt!“

Wichtige Erfahrungen, so kennst du alle Jobs, die für einen Film notwendig sind.
Ja, und ich weiß auch wie wichtig jede und jeder am Set ist. Einen Film gibt’s ja nur, wenn alle zusammenhelfen. Je besser das Team und die Zusammenarbeit, desto besser der Film ist meine feste Überzeugung. Außerdem verbringen ja alle viele Lebenszeit bei einem Dreh. Es macht doch allein schon einen großen Unterschied, wenn der Set-Fahrer dafür sorgt, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler gut gelaunt bei den Dreharbeiten landen.

Neben Daniel hast du noch den zweiten Vornamen Geronimo. Angeblich haben auch deine Geschwister jeweils einen zweiten Vornamen nach indigenen Amerikanern, also „Indianern“?
Mein Vater war sehr interessiert an amerikanischer Geschichte. Als Kind war ich nicht so glücklich mit Geronimo, je älter ich wurde, desto stolzer wurde ich darauf, nachdem ich die Geschichte von Geronimo gelesen und gesehen hatte. Meine Brüder heißen noch Sitting Bull, Haweye und Cochise.