Kiku
30.03.2018

Abenteuerliche Suche nach der Herkunft

Erste Realverfilmung von Michael Endes „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ derzeit in den Kinos.

Auf der kleinen Insel Lummerland mit ihren zwei Bergen kommt ein Paket an. Es scheint falsch zugestellt, wird trotzdem geöffnet. Der Inhalt lebt, es ist ein Baby, wird Jim genannt und wächst nun hier auf, verbringt seine Zeit vor allem mit Lukas auf dessen Lokomotive. Irgendwann meint der König, es sei zu wenig Platz auf der Insel, Emma, so der Name der Lok, müsse weg.

Abenteuer, Abenteuer...

Da rauschen Jim, Lukas und Emma ab – auf Abenteuer rund um die Welt: Durch eine enge Schlucht, in der durch das Echo des Lok-Geräusches Gesteinsbrocken von den Felsen stürzen; durch eine Wüste mit einem einsamen Riesen, der kleiner wird, je näher er kommt; durch ein Kaiserreich, dessen Monarch schweigt, weil seine Tochter entführt wurde; in ein Drachenland mit einer bösartigen Oberlehrerin. Die hält Menschenkinder gefangen. Der kleine Jim hätte eigentlich hier landen sollen. Selbstverständlich werden nun alle Kinder, darunter die Kaisertochter, befreit...

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Da-Sein wichtiger als die Herkunft

Und am Ende wieder zu Hause, nimmt der Lummerland-König seinen Emma-Bann zurück, die Lok kriegt sogar ein Baby und der nun schon ziemlich ausgewachsene Jim wird ihr Lokomotivführer. Als ihn Lukas darauf anspricht, dass Jim auf der Reise ja seine eigene Herkunft erkunden hätte wollen, meint der nur: Ihr seid ja meine Familie. Der Film erzählt im Rahmen der spannenden Geschichte aber auch über Freundschaften über alle Grenzen hinweg, davon, wie etwa am Beispiel des Scheinriesen Angst vor Fremden überwunden werden kann – nur durch die Begegnung mit ihm.

Vom Schreiben treiben lassen

Die Geschichte selbst wurde von Michael Ende schon Ende der 1950er Jahre geschrieben, Es war sein erstes Kinderbuch und das kam zufällig. 1956 traf der später weltberühmte Schriftsteller in München-Schwabing einen ehemaligen Schulkollegen, der Grafiker war und ihn fragte, ob er mit ihm ein Bilderbuch machen wollte. Ende tippte auf seiner Schreibmaschine – das waren sozusagen Computer ohne Strom und Elektronik und ohne Bildschirm, dafür mit einem Live-Drucker – den Satz: „Das Land, in dem Lukas der Lokomotivführer lebte, war sehr klein.“ Später wird er erzählen, aber weiter keinen Plan für die Geschichte gehabt zu haben. „Ich ließ mich absichtslos von einem Satz zum anderen, von einem Einfall zum nächsten führen. So entdeckte ich das Schreiben als ein Abenteuer.“ Er verglich diese zufällig entstandene Methode einmal mit der Arbeit eines Malers (sein Vater war ein solcher).

Nach zehn Schreibmonaten hatte er 500 Seiten verfasst und schickte das Manuskript an einen Verlag und dann an einen weiteren und ... der zwölfte schließlich veröffentlichte das Buch 1960, das heißt zunächst den ersten Teil, „Die wilde 13“ erst später als zweiten Teil – dessen Verfilmung ist übrigens schon angekündigt.
1961 erhielt Ende für seinen Kinderbuch-Erstling gleich den deutschen Jugendbuchpreis, was die anfänglich mageren Verkaufszahlen in die Höhe trieb.

Zeichnung zum Film

Zeichentrick, Puppentheater

Die Geschichte wurde später als Zeichentrickserie verfilmt, von der bekannten Augsburger Puppenkiste zu einem Figurentheaterstück verarbeitet – und in den vergangenen Jahren erstmals real verfilmt mit Schauspielerinnen und Schauspielern, allerdings auch mit so manchen echten und vor allem vielen nachträglichen „Tricks“ an Computern. Zu den echten zählte die Verlegung von Schienen und Platten unter dem Dünen-Sand. Für Zweiteres waren zeitweise sogar bis zu 500 Computer-Künstler_innen am Werk. Für die enge Schlucht wurde beispielsweise die zweite Felswand komplett mit Computern gezeichnet.

Von Fuchur zu Nepomuk

Eine andere, lange zurückliegende Ende-Verfilmung, brauchte den Regisseur des nunmehrigen Films, Dennis Gansel, überhaupt auf die Idee, auch – teilweise - in Deutschland zu drehen. Laut Presseheft zu „Jim Knopf“ ist er durch Fernsehberichte über die Verfilmung der „Unendlichen Geschichte“ in den Bavaria-Filmstudios erst draufgekommen, dass so was möglich ist, bettelte seine Eltern an, die Studios zu besuchen, wo er auf dem Glücksdrachen Fuchur reiten durfte. Bei Touren durch die Studios am Rande von München kann nun die Lok mit Segeln aber auch die Höhle des Halbdrachen Nepomuk besucht werden.  Viele Szenen wurden aber auch in Südafrika gefilmt.

Das Buch zum Film

Der Thienemann Verlag, der vor 58 Jahren Michael Endes erstes Kinderbuch veröffentlichte, hat rund um den Filmstart auch eine eigene Ausgabe von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ mit mehr als drei Dutzend Fotos aus dem Film veröffentlicht.
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer – Filmbuch
Das Original mit exklusiven Filmfotos
ca. 270 Seiten,
Thienemann
gebundene Ausgabe: 13,40 €
eBook: 11,99€