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01/26/2021

SPAZIERROUTE

<strong>Nur ein Befriedigend für den Babyelefanten</strong>

Am 25. Jänner wächst der Mindestabstand von einem Meter auf zwei Meter an. Das bedeutet, vom Babyelefanten – von manchen geliebt, von manchen als zu infantil betrachtet- muss man nun endgültig Abschied nehmen. Ein Spaziergang ihm zu Ehren ist aber noch drin, immerhin haben Elefanten und Wien schon öfter gemeinsam Geschichte geschrieben.

Der erste Elefant in Wien -  Soliman, Spitzname Pepi -  betrat 1552 mit Kaiser Maximilian II. die Stadt. Unter anderem marschierte er am Graben, unserer ersten Station für heute, an vielen Schaulustigen vorbei.  Laut Legende entwischte dort einer Mutter ihr Kleinkind und die Menge befürchtete, dass es vom Elefanten zertrampelt werden würde. Pepi hob das Kind aber mit dem Rüssel behutsam auf und gab es der Mutter zurück. Was soll man sagen? Elefanten – damals wie heute Lebensretter.

Wer als Erinnerung ein dem Zeitgeist entsprechendes Foto haben will, geht beim Naturhistorischen Museum vorbei und lässt sich mit der bronzenen Elefantenbabyskulptur davor fotografieren. Diese hat es sogar zu einem eigenen Eintrag bei der Reiseplattform Tripadvisor geschafft und wird in den Bewertungen mit den Worten „Liebling der Kleinen“ oder „Niedlichkeitsüberlastung“ (auf Englisch klingt das mit „Cuteness overload“ nicht ganz so schräg) bedacht. Ein paar Miesepeter haben trotzdem nur ein „Befriedigend“ bei der Bewertung abgegeben.

Auch der erste in Europa gezeugte und lebend geborene Babyelefant kam in Wien auf die Welt – nämlich im Jahr 1906. Selbstverständlich im Tiergarten Schönbrunn, unserer letzten Station. Papa Pepi, ein anderer als der vorhin erwähnte, bekam mit Elefantendame Mizzi eine Tochter namens Mädi. Autorin Christine Nöstlinger hätte keine schöneren Namen für eine Wiener Familie gefunden.

Apropos Sprache: „Babyelefant“ ist in Österreich vergangenes Jahr zum Wort des Jahres gekürt worden, was bei manchen Deutschen für Neid gesorgt hat. Man müsse, urteilte etwa die Süddeutsche Zeitung, „mal wieder neidisch aufs Land der Paradeiser und Palatschinken blicken“. Deren eigenes Wort des Jahres - „Corona-Pandemie“ – ist, nun ja, tatsächlich etwas trocken. Stünde es bei Tripadvisor zur Bewertung, bekäme es wohl auch nur ein Befriedigend.

Start: 1., Graben
Ende: 13., Tiergarten Schönbrunn
Dauer: 1 Stunde 27 Minuten
Länge: 6,9 km
Die gesamte Route gibt es hier.

Zur Serie von Agnes Preusser:
Gehen ist fad. Aber furchtbar gesund. Eine Kolumne über Bewegung - garantiert ohne Kalorienzählen und Gesundheitstipps. Dafür mit alltagstauglichen Spazierrouten vor der Haustür und Fakten über Wien, von denen Sie vielleicht nicht mal geahnt haben, dass Sie sie wissen wollen.

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