Die Tourismusbranche drängt seit Monaten in diese Richtung. Für ein „Freitesten“ von K1-Kontaktpersonen nach fünf Tagen Quarantäne hat zuletzt auch der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) plädiert.
Anschober hat diesen Forderungen der ÖVP am Samstag eine Absage erteilt. Er sei „gerade in Zeiten der Zunahme der Infektionszahlen nicht bereit, ein erhöhtes Risiko für die Bevölkerung einzugehen.“
Bernhard Benka, quasi Anschobers oberster Krisenmanager im Ministerium, legt im KURIER-Gespräch aus fachlicher Sicht nach: „Es ist ein medizinisches Fakt, dass man ein Risiko eingehen würde, wenn man Leute frühzeitig aus der Quarantäne entlässt“, sagt der Leiter der Abteilung für übertragbare Erkrankungen, Krisenmanagement und Seuchenbekämpfung.
Mit jedem Tag, um den die Isolationszeit gesenkt würde, erhöhe sich das Risiko. Wie groß dieses im Falle einer Fünf-Tage-Quarantäne für enge Kontaktpersonen wäre, macht der Mediziner an Zahlen fest: „Wir wissen, dass diese fünf Tage etwa die mediane Inkubationszeit sind. Das heißt, die Hälfte der Personen wird vor den fünf Tagen symptomatisch, aber eben auch die Hälfte erst danach.“
Wer Pech hatte, musste in den vergangenen Monaten schon mehrmals in die verordnete Absonderung. Bernhard Benka versteht, dass das für die Betroffenen nicht einfach ist: „Natürlich kann eine Quarantäne eine Belastung sein.“ Der Leiter der Covid-19-Expertengruppe des Bundes hält aber fest: „Das schnelle Isolieren der positiven Fälle und der engen Kontaktpersonen ist einfach ein ganz wesentlicher Schlüssel in der Pandemiebekämpfung.“
Dass so auch zahlreiche Menschen abgesondert werden, die möglicherweise nicht infiziert sind, wird in Kauf genommen. „Wir wissen aus Studien, dass sich zwischen zehn und 40 Prozent der Kontaktpersonen anstecken. Aber wir können im Vorhinein nicht wissen, welche das sind“, erklärt Benka das Problem.
Das will die Wirtschaft mit der Option des „Freitestens“ lösen. Jeder Test sei aber eben nur eine Momentaufnahme, hält der Experte entgegen. „Um hier einigermaßen auf Nummer sicher zu gehen, müsste ich die Leute jeden Tag testen. Das wäre ein enormer logistischer Aufwand.“ Hier die schnellen Antigentests zu verwenden, die nun auch bei Hausärzten zum Einsatz kommen, ist für Benka keine Option. „Die Sensitivität dieser Antigentests ist jener der PCR-Tests klar unterlegen.“
Seit dem Sommer gibt es aber eine Möglichkeit, wie jeder der strengen Quarantäne vorbeugen kann: „Mit dem Tragen einer Maske – sowohl im Betrieb, als auch im Alltag – kann ich die Einstufung als Hochrisiko-Kontaktperson (K1) vermeiden.“ Vorausgesetzt, auch der Infizierte hat sie getragen.
Aus regionalen Krisenstäben ist indes immer öfter zu hören, dass man gerne andere Richtlinien hätte. Oft wird der Wunsch laut, den sogenannten CT-Wert verwenden zu können, um selbst positiv getestete Menschen nicht isolieren zu müssen – so sie wenige Viren in sich tragen und damit nicht ansteckend sind.
Der Infektiologe Günther Weiss von der Uni-Klinik Innsbruck geht davon aus, dass das auf etwa ein Viertel der positiven Fälle zutrifft. Der CT-Wert zeigt grob gesagt an, wie viele Durchläufe bei einem PCR-Test im Labor notwendig sind, um das Coronavirus nachweisen zu können. Je höher der Wert, umso weniger Virus hat der Betroffene in Nase und Rachen.
„Da laufen jetzt viele Studien, ob der CT-Wert herangezogen werden kann“, sagt Benka. Aber es sei „noch eine Weile hin, um ihn in jedem Fall einsetzen und dann auch verlässliche Aussagen machen zu können, ob eine Person tatsächlich noch infektiös ist.“
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