Genau dort tut es weh: Alexander Baillou zeigt seinem Patienten Martin Krieger die lädierte Stelle an seiner Hüfte.

© Kurier/Gerhard Deutsch

Gesund
04/19/2019

Physiotherapie: Mit viel Fingerspitzengefühl Schmerzen lindern

Alexander Baillou sieht sich auch als Betreuer seiner Patienten.

Er hat ihn mehr als nur behandelt. Er hat ihm seit seiner Hüftverletzung vor zwei Jahren auch immer wieder Mut zugesprochen. Und er hat ihm Übungen und Wege gezeigt, wie er trotz der doch massiven Beeinträchtigung seines Bewegungsapparates ein Höchstmaß an Lebensqualität erlangen kann.

Therapeut und Helfer

Wenn Martin Krieger über seinen Physiotherapeuten spricht, fällt ihm viel Gutes ein. Eine falsche Bewegung beim Kampfsport und dazu ein Spitalskeim in seinem Körper warfen den heute 40-jährigen Wiener aus dem Gleichgewicht. Seine Hüfte kann aufgrund des Keims noch nicht operiert werden.

„Das ist schon mühsam“, erklärt Krieger. „Denn ich muss auf alle Sportarten, die ich früher leidenschaftlich ausgeübt habe, bis auf Weiteres verzichten.“ Und nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Es ist ein Glück, dass ich den Alex gefunden habe. Von ihm habe ich ganz nebenbei auch gelernt, wie man richtig trainiert.“

Alexander Baillou kann mit diesen Komplimenten gut leben. Der 41-jährige Physiotherapeut konnte sich viel von seinem Berufstraum erfüllen. Er muss als Freiberufler ordentlich Hand anlegen, dafür hat er keinen direkten Vorgesetzten. Vor allem kann er in seinem Arbeitsalltag genau das tun, was ihm Freude bereitet: „Schön ist, wenn ich helfen kann, Schmerzen zu lindern. Öfters kommen Patienten mit Bewegungseinschränkungen zu mir, und nach einigen Wochen mit Therapie sind sie wieder beschwerdefrei.“ Der Erfolg seiner Arbeit ist sofort sichtbar. Und wenn seine Interventionen zu wirken beginnen, wird ihm dafür auch gedankt.

Der Physiotherapeut gibt sich jedoch keinen Illusionen hin: „Das, was ich hier mache, ist nicht repräsentativ für meinen Berufsstand. Bei mir geht es oft um die volle Sportfähigkeit nach einer Verletzung. Meine Kollegen, die in einer Palliativstation, mit Kassenpatienten oder behinderten Kindern arbeiten, haben andere Prioritäten.“

Baillou für seinen Teil arbeitet mit bis zu 250 Hüft-Patienten pro Jahr. Daher konnte er sich in seinen 18 Berufsjahren einen Namen auf diesem Spezial-Gebiet machen. Seine Patienten kommen nicht nur aus ganz Ostösterreich, sondern auch aus allen Alterssegmenten. Zwischendurch hat der Hüftspezialist auch mit Profi- Golfspielern oder Nationalteamfußballern zu tun. Man schätzt seine Expertise, auch seinen freundlichen Umgangston und die motivierenden Worte. „Die sind besonders wichtig in unserem Beruf“, betont Baillou, der sich immer auch als Begleiter sieht. „Transparent informieren ist Teil meiner Arbeit.“

Selbstverständlich kann er auch nach einer Knie-Operation oder bei Schulterbeschwerden helfend eingreifen. Ausgebildete Physiotherapeuten sind jederzeit in der Lage, den menschlichen Körper ganzheitlich zu behandeln. Doch er kann auch immer eine Alternative anbieten: Seine Praxisgemeinschaft, die er gemeinsam mit zwölf Kollegen an drei Standorten in Wien eingerichtet hat, erlaubt es ihm, Patienten mit einem komplizierteren Problem an einen besser spezialisierten Kollegen weiter zu empfehlen.

Vorbeugen ist wichtig

Nebenbei bemüht sich der Physiotherapeut um einen besseren Austausch mit Orthopäden und Chirurgen. „Im Einvernehmen mit den Ärzten kann öfters auf eine Operation verzichtet werden“, so der Vermittler. Sein Credo: „Am Ende des Tages hat der Körper oft mehrere Systeme, um Einschränkungen zu kompensieren.“

Viel abgewinnen kann Alexander Baillou auch jenen Gesundheitsexperten, die für mehr Bewegung in jungen Jahren plädieren, um gesundheitlichen Problemen besser vorbeugen zu können: „Den ganzen Tag sitzen, dafür wurden wir Menschen einfach nicht geschaffen.“

10.000 Physiotherapeuten in Österreich

Das Berufsbild

In Österreich sind Schätzungen zufolge (aufgrund der Ausbildung) rund 10.000 Physiotherapeuten aktiv. Rund die Hälfte sind in ihrem Bundesverband (Physio Austria) registriert. Physiotherapie wird in Krankenanstalten, Rehazentren und privaten Praxen angeboten. Im Rahmen der Vorsorgemedizin umfasst sie die Gesundheitsberatung und -erziehung sowie präventive Maßnahmen.

Die Berufsvertretung

Constance Schlegl, Präsidentin von  Physio Austria, formuliert die Ziele der Berufsvertretung so: „Wir wollen Qualitätssicherung in der Physiotherapie schaffen und weiterentwickeln. Insgesamt geht es uns darum, eine standardisierte flächendeckende Versorgung der Bevölkerung zu fördern und damit einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Stärkung ihrer Gesundheitskompetenz zu leisten.“